Covered Bonds
S&P überprüft 90 Prozent aller Pfandbriefe

Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet Covered Bonds neu: Papiere im Volumen von rund 1 500 Milliarden Euro kommen auf den Prüfstand - knapp die Hälfte aller gedeckten Anleihen könnten herabgestuft werden. Warum Analysten trotzdem nur mit einem schwachen Effekt rechnen.
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FRANKFURT. Kurz vor Weihnachten hat die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) eine Bombe platzen lassen. Die Bonitätsprüfer stellen gut 90 Prozent der Pfandbriefe und Covered Bonds, die sie bewerten, auf den Prüfstand. Betroffen sind davon Covered Bonds im Volumen von 1 460 Mrd. Euro. Gut die Hälfte der gedeckten Anleihen auf der Prüfliste könnten laut S&P um zwei bis drei Ratingnoten herabgestuft werden. Hintergrund sind geänderte Kriterien für die Bewertung der gedeckten Bankenanleihen. Covered Bonds sind eine wichtige Refinanzierungsquelle für Banken. Bei schlechteren Bonitätsnoten müssten die Banken für Anleihen mehr zahlen.

Banken können die Ratings halten

Allerdings: Trotz der drohenden Herabstufungswelle hätte es für die Banken noch viel schlimmer kommen können. S&P hatte schon im Februar angekündigt, die Kriterien für Covered Bonds zu ändern. Damals sagte die Agentur voraus, dass nicht nur bis zu 45 sondern bis zu 60 Prozent aller Emissionen herabgestuft werden können. Außerdem haben viele Banken jetzt noch Chancen die Ratings zu halten, wenn sie die sogenannten Überdeckungen erhöhen, also zusätzliches Geld zur Verfügung stellen, mit dem die Zins- und Tilgungszahlungen der Covered Bonds bedient werden. Am Markt gab es deshalb laut Händlern auch keine Reaktionen.

"S&P ist im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf zurückgerudert", sagt Michael Schulz, Analyst für Covered Bonds bei der NordLB. Er erwartet nicht, dass tatsächlich die Hälfte der Covered Bonds auf der Prüfliste ein schlechteres Rating bekommen. Die Analysten der DZ Bank betonen, dass sich der neue Ansatz "signifikant" vom im Februar vorgelegten Entwurf unterscheidet und erwarten, dass letztlich sogar nur ein Fünftel aller von S&P bewerteten Covered Bonds ein schlechteres Rating bekommen werden. In den kommenden vier Monaten will die Agentur entscheiden, welche Covered Bonds herabgestuft werden.

Seit Februar hat S&P für den Entwurf massive Kritik von Emittenten, Analysten und Investoren geerntet und die Veröffentlichung der endgültigen Methode hinausgezögert. Kein Wunder angesichts des augenscheinlichen Dilemmas: Bei einer zu starken Abweichung von der Ursprungsmethode hätte sich S&P unglaubwürdig gemacht, beim starren Festhalten wäre die Agentur Gefahr gelaufen, dass viele Banken auf ein Rating verzichten. Ob der Spagat gelungen ist, konnten Analysten gestern noch nicht beurteilen.

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