Credit Default Swaps
Zittern vor der Kettenreaktion

Griechenland zwingt seinen Gläubigern den Schuldenschnitt auf. Doch nun werden Kreditausfallversicherungen fällig. Die Folgen lassen sich kaum abschätzen, die Konsequenzen könnten schwerwiegend sein.
  • 26

Der Weg für den Schuldenschnitt Griechenland ist frei. Eine Mehrheit der Gläubiger hat der Umschuldung zugestimmt. Die restlichen will die Regierung in Athen zwangsweise enteignen. Dazu war vorsorglich schon ein Gesetz verabschiedet worden, das ermöglicht, alte Anleihen rückwirkend mit Umschuldungsklauseln („Collective Action Clauses“, CAC) auszustatten. Welche Nebenwirkungen dieses Manöver haben könnte, ist allerdings ungewiss.

Die Aktivierung der Zwangsklauseln führt nun wie befürchtet dazu, dass Kreditausfallversicherungen - Credit Default Swaps (CDS) - fällig werden. Die Entscheidung darüber hat der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) getroffen. Der zuständige Ausschuss trat am heutigen Freitag zusammen, um zu entscheiden, ob mit der Umschuldung als "Kreditereignis" gewertet wird. Dieses sperrige Wort steht in der Welt der ISDA für einen Zahlungsausfall, und dessen Folgen lassen sich im Fall von Griechenland kaum kalkulieren. In Finanzkreisen hieß es von Anfang an, der ISDA bleibe kaum eine andere Chance, als einen formalen Zahlungsausfall festzustellen.

„Wir warnen seit zwei Monaten, dass Griechenland kollabieren wird, und genau das beginnt im Moment. Sollte der ISDA das Ziehen der Umschuldungsklauseln als ein Kreditereignis einstufen, dann haben wir einen öffentlichen Hinweis auf eine Pleite Griechenlands“, hatte Suresh Kumar Ramanathan von der CIMB Investment Bank in Kuala Lumpur im Vorfeld gewarnt. Für die Investoren ist es seiner Meinung nach entscheidend, wie viele CDS dann fällig werden und ob dadurch eine Kaskade an Zahlungen ausgelöst wird.

Mit Investitionen in CDS können sich Anleger gegen den Ausfall von Anleihen absichern. Aber das Geschäft ist spätestens seit der Finanzkrise extrem umstritten. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hätte der CDS-Markt beinahe schon einmal einen Flächenbrand ausgelöst. Damals hatten sich Investoren mit mehr als 500 Milliarden Dollar gegen eine Lehman-Pleite abgesichert. Tatsächlich hätte AIG diese gewaltige Summe niemals bezahlen können. Hätte die US-Regierung den Versicherer damals nicht aufgefangen, wäre er in die Pleite gerutscht und mit ihm viele Banken, die sich über die CDS gegen einen Lehman-Kollpas versichert hatten.

Seite 1:

Zittern vor der Kettenreaktion

Seite 2:

Wie laut wird der Knall?

Kommentare zu " Credit Default Swaps: Zittern vor der Kettenreaktion"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Egal wie man es betrachtet, es ist nur noch eine Sauerei, wie die Regenten der Welt mit Bürgern und den Völkern der Welt Schindluder treiben.
    Das ganze "TUN ", die ganze Arbeit dieser Belegschaft ist ein einziges Tricksen und Täuschen. Kein Wort kann man mehr glauben, Das Volk wird belogen und beschissen von vorne bis hinten. Da hilft nur eines- raus aus allem- verweigern so viel wie nur geht, die sind schlimmer als ein Dealer und ein Mafioso.
    Eines ist sicher, es kommt noch eine Menge an lügen und Irreführungen ans Licht. Alles schön zum richtigen Zeitpunkt.

  • Lese ich hier ein Wirtschaftsblatt - oder eine Fortsetzungsgeschichte vom Grimms Märchen?
    Die AIG ist nicht erst durch die Lehman-Pleite kaputt gegangen; sie hatte Schwierigkeiten, ihren CDS-Käufern Sicherheiten zu stellen. Zumindest in einer Wirtschaftsredaktion (die FAZ jedenfalls weiß das!) sollte bekannt sein, dass CDS-Verkäufern den Käufern Sicherheiten stellen müssen, wenn die zugrunde liegenden Produkte (Anleihen, Hypothekenpakete) im Rating herabgestuft werden. Das bedeutet im Ergebnis, dass die Verkäufer schon längst einen Teil ihrer Verpflichtung 'bezahlt' haben.

    Warum klärt das Handelsblatt seine Leser/innen darüber nicht auf? Warum lese ich hier wieder und wieder dieselbe Leier, die offenbar von lobbyistischen Interessen gesteuert wird?

  • Ich kann mich noch sehr gut an die Killerbienen aus Südamrika erinnern die uns alle töten würden. Ich denke das waren die 80er. Damals war ich nich sehr jung und hatte noch Angst bekommen. Nachdem ich gemerkt habe, dass man jede Woche eine andere Schreckenswarnung präsentiert bekommt, habe ich erst mal darüber gelacht. So langsam bekomme ich es wieder mit der Angst zu tun wie sehr die Bevölkerung z.B. mit den Schlagwörtern "Krise" manipulierbar geworden sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%