Dax-Korrektur
Bundesanleihen attraktiver als deutsche Aktien

Lange sah es so aus, als ob den Dax nichts stoppen könnte. Doch die von der EZB ausgelöste Inflation steigt stärker als erwartet und macht Anleihen wieder attraktiver. Deutsche Aktien hingegen bleiben auf der Strecke.
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DüsseldorfAnleger bei deutschen Aktien haben eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. Erst genossen sie eine Rally, die den Dax im April auf ein Rekordhoch klettern ließ, bevor der deutsche Leitindex einen der stärksten Einbrüche in Europa vollzog.

Schuld daran hat teilweise auch der Anleihenmarkt, an dem deutsche Staatspapiere jüngst ihre schlimmste Woche seit 1998 erlebten. Da sich die Korrelation zwischen Bunds und Aktien dem höchsten Stand seit anderthalb Jahren nähert, flohen die Händler auch aus Aktien. Der Dax schloss 9,5 Prozent unter seinem Hoch und erreichte ein Dreimonatstief.

„Es ist ziemlich schwierig, den Absturz der Bunds zu ignorieren“, sagte Michael Kapler, Portfoliomanager bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. „An den Märkten war die Perfektion eingepreist. Man könnte das fast als eine von-hundert-auf-null-Situation bezeichnen.“

Die Konjunkturimpulse der Europäischen Zentralbank hatten zunächst den Euro und die Anleiherenditen gedämpft, doch höhere Verbraucherpreise und eine sich bessernde Wirtschaft treiben nun beide nach oben. Das sind schlechte Nachrichten für Exportfirmen wie BMW und Daimler, die den Dax früher im Jahr bis zu 26 Prozent in die Höhe schießen ließen.

Mario Draghis Warnung vergangene Woche vor einer Phase höherer Volatilität an den Bondmärkten wurde zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Ein Maß für die Schwankungen der zehnjährigen Bund-Futures kletterte auf das höchste Niveau seit 2012. Die Volatilität im Dax hat seit einem Tiefpunkt in diesem Jahr wieder um 51 Prozent angezogen.

Der Ausverkauf am Markt wird nach Einschätzung des Händlers Benno Galliker von der Luzerner Kantonalbank vorübergehend bleiben. Die Wirtschaft der Region fasst wieder Fuß und die Prognosen für den Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts belaufen sich auf 1,8 Prozent in diesem und zwei Prozent im kommenden Jahr – es wäre die höchste Wachstumsrate seit 2011.

„Der Markt ist nach der enormen Rally seit Anfang des Jahres etwas ermüdet“, erklärte Galliker, „wenn wir eine bessere Wirtschaft in Europa sehen, sollte Deutschland ein ziemlich gutes Bild abgeben. Sie werden in der zweiten Jahreshälfte beeindruckende Zahlen aufweisen.“

Doch in diesem Quartal gehört Deutschland unter den Industrieländern zu den Märkten mit der schwächsten Entwicklung. Aktien von BMW und Daimler sind seit Ende März um mehr als 8,5 Prozent gefallen.

„Viele Händler müssen sich ihre Engagements jetzt sehr genau anschauen“, sagte Ioan Smith, geschäftsführender Direktor bei KCG Europe in London. „Alle folgen den Vorgängen am Markt für Bunds. Es gibt sichere Anlagehäfen, die auf einmal volatil werden. Das ist schon eine etwas absurde Situation.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Dax-Korrektur: Bundesanleihen attraktiver als deutsche Aktien"

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  • "...Irgendwann wird...die Zinsen erhöhen....dann korrigieren die Märkte..."

    Nach dem Regen folgt die Sonne! Nach dem Tag kommt die Nacht!

    Hein Bloed
    Verweifelter

  • Mal wieder ein Beispiel dafür, dass der Aktienmarkt nun einmal von Natur aus Schwankungen unterliegt und das auch immer tun wird. Das ghehört unfehlbar zum Geschäft mit Risikopapieren dazu. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Peinlich wird's nur, wenn man seine gesamte private Altersvorsorge in Risikopapieren hat, und die Märkte gerade dann korrigieren, wenn man an das Geld heran muss. Der Gedanke ging mir in den letzten 18 Monaten immer wieder durch den Kopf, wenn ich mal gerade wieder las, dass wir uns alle endlich mal dran gewöhnen sollten, unsere private Rentenvorsorge nur noch in Risikopapieren/Aktien anzulegen. Heute lese ich hier im Handelsblatt, dass die Lebensversicherer, wie nicht anders zu erwarten bei der Niedrigleitzinspolitik der EZB, aus dem letzten Loch pfeifen. Da geht mir das doch schon wieder durch den Kopf. Nun ja, irgendwann wird die EZB die Zinsen auch wieder erhöhen, zumal ja die Inflation anzieht, wie's scheint. Wird den Sparern gut passen, der Börse aber nicht. Dann korrigieren die Märkte nämlich noch mal......

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