Debatte um EU-Hilfen
Märkte gönnen Irland eine Atempause

Knickt Irlands Regierung ein und schlüpft unter den europäischen Rettungsschirm? An den Märkten sorgt die Aussicht auf eine Lösung für das hochverschuldete Land für ein wenig Erleichterung - zumal Gläubiger vorerst keine Einschnitte fürchten müssen. Dagegen ziehen die Renditen griechischer Staatsanleihen wieder an.
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HB DÜSSELDORF. Die Aussicht auf mögliche EU-Hilfen hat Irlands Staatsanleihen zu Wochenbeginn etwas Luft verschafft. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe sank minimal auf 7,92 Prozent, der Renditeabstand (Spread) zu zehnjährigen Bundesanleihen verringerte sich auf 538 Basispunkte. In der vergangenen Woche hatte der Spread in der Spitze bei 650 Basispunkten gelegen. Deutlich stärker erholten sich die zweijährigen irischen Papiere. Hier sank die Rendite um 36 Basispunkte auf 5,012 Prozent.

Die klare Reaktion der Kurzläufer signalisiert, dass Investoren die Ausfallgefahr irischer Staatspapiere zumindest kurzfristig deutlich geringer einschätzen als noch vor dem Wochenende. Ein Grund hierfür ist sicherlich in der verbalen Hilfe der fünf großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zu sehen. Diese hatten am Rande des G20-Gipfels betont, dass Überlegungen für eine Beteiligung privater Investoren an der Sanierung von Krisenstaaten erst für eine Verlängerung des EU-Rettungsfonds über 2013 hinaus relevant würden. Änderungen am aktuellen Rettungsschirm werde es nicht geben.

Sollte Irland als zweiter EU-Staat nach Griechenland Hilfen der europäischen Staatengemeinschaft in Anspruch nehmen, würden die Besitzer von Anleihen damit zunächst einmal nicht belastet. Nach den Schätzungen von Barclays Capital dürften sich Stützungsmaßnahmen für Irland auf etwa 80 Mrd. Euro zwischen 2011 und 2013 belaufen.

Ob Irland überhaupt Hilfen annehmen wird, ist nach wie vor offen. Bisher sträubt sich die Regierung gegen den Gang nach Brüssel, weil sie um die Souveränität in der Finanz- und Steuerpolitik fürchtet. Am Montag räumte sie zwar ein, dass sie in regelmäßigen Kontakten mit anderen EU-Regierungen steht über die Strategie, wie sie die Schuldenkrise angehen soll. Gleichzeitig dementierte sie Berichte, wonach sie bereits darüber verhandele, wie sie unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen könnte.

Das Finanzministerium in Dublin sprach von "Kontakten auf offizieller Ebene". Aber Mitarbeiter von Finanzminister Brian Lenihan unterstrichen, dass Irland keine Hilfe benötige, weil das Land bis Mitte 2011 über genügend Geld verfüge.

Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt Irland, Geld aus dem Euro-Rettungsschirm nur für sein Bankensystem zu beantragen. Über eine solche Möglichkeit wolle Irlands Finanzminister Brian Lenihan am Dienstag mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel sprechen, schreibt die Dubliner Zeitung "Independent". Diese Variante würde Irland trotz einer Milliarden-Spritze die Souveränität über seinen Haushalt erhalten.

Parallel zu den irischen Staatsanleihen konnten sich auch die Papiere Portugals am Montag leicht erholen. Die Rendite zehnjähriger Bonds fiel auf 6,524 Prozent. Dagegen wuchs der Druck auf Griechenland im Vorfeld neuer Defizitzahlen von Eurostat weiter an. Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte um acht Basispunkte auf 11,268 Prozent, zweijährige Staatsanleihen rentierten 16 Basispunkte höher mit 10,377 Prozent.

Den Euro warfen die anhaltenden Diskussionen um die europäischen Krisenstaaten am Morgen weiter zurück. Mit rund 1,3630 Dollar war die Gemeinschaftswährung 0,5 Prozent schwächer als am Freitagabend.

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