Depot-Contest
„Der Rentenmarkt ist gnadenlos überbewertet“

Abseits aller Krisen hat sich die US-Wirtschaft zuletzt gut entwickelt. Beobachter sehen das Ende des niedrigen Wachstums und der Niedrigzinsen bereits kommen. Doch wann ziehen die Anleiherenditen richtig an?
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DüsseldorfUkraine, Gaza, Irak: Die politischen Krisen halten die weltweiten Aktienmärkte derzeit in Atem. Rund um den Globus haben Investoren Kapital abgezogen – aus Angst vor noch größeren Verwerfungen. Seit Mitte Juli geht es mit den wichtigsten Indizes abwärts. Dennoch glauben viele Beobachter dem altbewährten Spruch: „Politische Börsen haben kurze Beine“ – und beurteilen die Märkte weiterhin lieber anhand fundamentaler Daten.

So betrachtet scheint momentan einiges für die USA zu sprechen: Nach einem schwachen ersten Quartal hat sich die US-Wirtschaft bis Juni stärker als erwartet entwickelt – vier Prozent konnte sie zulegen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex zeigte sich zuletzt im Plus und auch am Arbeitsmarkt tut sich was. Mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze hat die US-Wirtschaft allein im Juli geschaffen – ein Trend, der sich bereits in den Vormonaten in dieser Größenordnung abgezeichnet hat.

Vor dem Hintergrund werfen bereits erste Beobachter die Frage auf: Ist die „Neue Normalität“, also die Durststrecke des geringen Wachstums in den USA, endlich überwunden? Und: Wann und wie stark kann diese Erkenntnis von Aktien ablenken und den Anleihemarkt beflügeln? Die Teilnehmer des Depot-Contest der Münchner DAB-Bank meinen: Es kann noch dauern, bis die Märkte von der neuen Stärke der USA wirklich überzeugt sind – und sich die Zinserwartungen der Marktteilnehmer deutlich nach oben anpassen.

Bereits in den vergangenen Monaten hat sich gezeigt: Trotz der guten wirtschaftlichen Rahmendaten und trotz der Ankündigung von Notenbank-Chefin Janet Yellen, die Anleihekäufe im Herbst einzustellen, haben sich die Zinsen der langlaufender US-Staatsanleihen zuletzt sogar rückläufig entwickelt. Die Zehn-Jahres-Papiere bringen derzeit mit einer Rendite von 2,58 Prozent 14 Prozent weniger als noch am Jahresanfang.

„Die bis 2017 eingepreisten Zinserwartungen liegen unter den Prognosen der Fed“, sagt Thomas Böckelmann, Geschäftsführer der Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung. „Die Zinsmärkte zweifeln offensichtlich noch stärker als die Federal Reserve an den selbsttragenden Wachstumskräften der US-Wirtschaft.“ Bis sich allerdings an den Zweifeln etwas ändert, wird es noch eine Weile dauern, glaubt der Anlageexperte:

„Erst die Kombination aus einem sich weiter verstetigenden Arbeitsmarkt, guten Unternehmenszahlen und dem faktischen Ende der Anleihekäufe durch die Fed im Herbst könnte zu einer Neueinschätzung und somit einem erneuten Aufwärtstrend der Renditen führen.“ Dann könnten sich die Renditen der Zehn-Jahres-Anleihen wieder ihren letztjährigen Höchstständen bei bis zu drei Prozent nähern, glaubt Böckelmann. Eine deutlichere Zinswende sieht der Experte dagegen erst, wenn das Wachstum sich wieder nachhaltig historischen Trends annähert.

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