Depot-Contest zur möglichen Zinswende
„Diese Korrektur war unbedingt notwendig“

Schlechte Nachrichten für konservative Anleger. Auch wenn die Anleihemärkte kräftig durchgeschüttelt wurden, sehen Vermögensverwalter kein Ende der Niedrigzinsphase. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.
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DüsseldorfDie Zeiten, in denen Anleihen als Witwen- und Waisenpapiere galten, sind spätestens seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise vorbei. Doch was in den vergangenen Wochen am Rentenmarkt los war, hat selbst die hartgesottensten Investoren zittrig werden lassen. Selbst langweilige und grundsolide Bundesanleihen zeigten Ausschläge wie selten.
Noch Mitte April war die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit fast auf null – genauer auf ein Allzeittief von 0,05 Prozent pro Jahr – heruntergeprügelt worden. Negativzinsen für die Zehnjährigen schienen ausgemachte Sache zu sein. Doch es kam anders. Von null auf 100 in nur acht Wochen, lautete die Devise. Bis auf gut ein Prozent stieg die Rendite, bis es wieder auf etwa 0,8 Prozent runter ging. Damit ist die Bundesanleihe immer noch deutlich von ihrem Zinstief entfernt. War das die Zinswende?

Erste Marktteilnehmer rufen bereits das Ende der Niedrigzinsphase aus. Doch die meisten Experten sehen eher eine überfällige Korrektur. Auch die Vermögensverwalter, die sich beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank in der Kategorie „Sicherheit“ messen. „Der schwache Rentenmarkt hat die Märkte ordentlich durchgeschüttelt“, sagt Burkhard Wagner von Partners Vermögensverwaltung. „Generell gehen wir allerdings davon aus, dass diese Marktkorrektur zwar unbedingt notwendig war, jedoch keine Zinswende im klassischen Sinne darstellt.“
Auch Nils Petersen von der Top Vermögensverwaltung sieht keine Zinswende. „Es erscheint vielmehr, dass es sich in erster Linie um eine Korrektur eines heiß gelaufenen Marktes gehandelt hat“, sagt der Experte. Vermögensverwalter Frank Mocha ergänzt, dass die USA allerdings tatsächlich vor einer Zinswende stehen würden. „Wie stark eventuelle Korrekturen an den Anleihemärkte ausfallen, hängt entscheidend vom umsichtigen Handeln der Zentralbanken in Europa und den USA ab“, sagt der Experte von der Consulting Team Vermögensverwaltung. Eine Zinserhöhung der EZB erwartet Mocha erst in zwölf bis 18 Monaten, sofern keine extremen Szenarien eintreten wie etwa ein Grexit.

Dass die Zinsen in Europa bald wieder steigen, glauben die Experten nicht. Grund ist vor allem das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank, das noch bis September 2016 laufen soll. Nils Petersen erwartet daher eine weitere „Verknappung bei Bundesanleihen“ – und diese Nachfrage durch die EZB lässt die Renditen wieder zurückgehen. „Mit Schwankungen an den Anleihemärkten muss auch weiter gerechnet werden“, sagt Mocha. „Langlaufende Anleihen sollten gemieden werden, da diese für Ausschläge am sensibelsten sind.“

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