Der Rauch um Tabak-Klagen hat sich etwas gelegt – Endgültige Entscheidung erst im nächsten Jahr erwartet
Altria lohnt sich für Risikobewusste

In Zeiten magerer Renditen fallen die Anleihen von Altria – früher bekannt unter dem Namen Philip Morris – positiv auf. So bietet der in schon zweieinhalb Jahren auslaufende Bond des Konzerns eine ordentliche Realverzinsung von 4,19 %. Und das, obwohl die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Zigarettenherstellers mit Noten im Bereich Dreifach-B noch als relativ gut einstufen.

FRANKFURT/M. Grund für die vergleichsweise hohen Renditen von Altria sind die Prozesse, mit denen sich die US-Tabakkonzerne schon seit Jahren herumschlagen. Die zur Altria-Gruppe gehörende US-Tabaktochter Philip Morris steckt in einem Aufsehen erregenden Rechtsstreit im Bundesstaat Illinois, der wohl erst in einem halben Jahr weiter verhandelt wird. In einer Sammelklage – nach der Hauptklägerin Susan Miles als „Miles-Fall“ bekannt – wird dem Konzern vorgeworfen, dass er mit Zigaretten, die er unter der Bezeichnung „Light“ vermarktete, Verbraucher irregeführt habe. Denn Light-Zigaretten schmecken zwar nicht so stark wie andere Zigaretten, sind aber genau so schädlich. Im März wurde Philip Morris deshalb zu Schadensersatz von 10,1 Mrd. $ verurteilt. Gleichzeitig entschied das Bezirksgericht in Illinois, dass der Konzern 12 Mrd. $ an Kaution hinterlegen müsse, um in Berufung gehen zu können. Dies hätte Philip Morris in den Konkurs treiben können.

Die Kautionssumme wurde im April auf 6,8 Mrd. $ gesenkt, im Juni erneut auf 12 Mrd. $ angehoben und im September dann endgültig vom obersten Gericht in Illinois wieder auf 6,8 Mrd. $ festgesetzt. Außerdem wurde entschieden, dass die Berufung direkt vor dem obersten Gericht verhandelt wird.

Das Hin- und Her um die Kaution spiegelte sich in den Kursen und Renditen der Altria-Bonds wieder. Obwohl die Kurse inzwischen wieder deutlich gestiegen sind, sehen viele Analysten noch Potenzial. „Die Risiken haben sich ganz entscheidend verringert“, sagt beispielsweise Felix Fischer, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank. Er stuft Altria- Anleihen als „strong buy“ ein.

Auch die Analysten der WGZ Bank und von Dresdner Kleinwort Wasserstein empfehlen Altria zum Kauf. Als positiv für den Konzern gilt nämlich außerdem, dass der ebenfalls spektakuläre „Engle-Fall“ (benannt nach dem krebskranken Raucher Howard Engle) vom Tisch ist. Ein Gericht in Florida entschied, dass die Form der Sammelklage nicht zulässig sei, da man von Fall zu Fall entscheiden müsse, ob die jeweiligen Personen durch Zigaretten geschädigt worden seien. Bei der irreführenden Werbung im Miles-Fall läge die Sache zwar etwas anders. Dennoch stünden die Chancen gut, dass auch hier die Sammelklage abgelehnt werde, meint Fischer.

Einhellig meinen Analysten aber, dass Altria-Bonds sich nur für risikofreudige Investoren eignen. Denn die Risiken weiterer Einzelklagen bleiben. Zudem belastet die immer stärkere staatliche Reglementierung der Tabakbranche die Konzerne, und die Marktanteile schwinden wegen der zunehmenden Beliebtheit von Billig-Zigaretten.

Außerdem steht im Frühjahr noch die Verhandlung des US-Justizministeriums gegen fünf Tabakkonzerne – darunter Philip Morris – an. Wegen unrechtmäßiger Werbung, die nicht genug über die Gesundheitsrisiken des Rauchens aufklärte verlangt das Ministerium 289 Mrd. $ Schadensersatz. Das Gegenargument der Zigarettenhersteller: Die Tabakindustrie sei staatlich reguliert, und wenn die Gewinne der Konzerne unrechtmäßig seien, gelte dies auch für die Tabaksteuern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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