Der Verlierer des Jahres: Warum Bill Gross die Kunden weglaufen

Der Verlierer des Jahres
Warum Bill Gross die Kunden weglaufen

Bill Gross war einst der König der Anleihemärkte. Im vergangenen Jahr machte der Star-Investor jedoch reihenweise Fehler. Die Kunden laufen ihm in Scharen davon. Dabei könnte Gross am Ende sogar Recht behalten.
  • 3

DüsseldorfEs war ein schreckliches Jahr für alle, die in vermeintlich „sichere Häfen“ investierten. Das musste Kleinanleger genauso erfahren wie der mächtigste Anleiheinvestor der Welt: Bill Gross.

Der Chef der Fondsgesellschaft Pimco, früher einmal bekannt als „Bond-König“, verschätzte sich mit seinen Anlageentscheidungen grandios. Das Ergebnis: Die Kunden zogen reihenweise Geld ab. Der Pimco Total Return Fund von Bill Gross verlor 41,1 Milliarden Dollar im gesamten Jahr, im Schnitt fast 3,5 Milliarden Dollar pro Monat, im Juni waren es sogar zehn Milliarden Dollar.

Aktuell kommt der Pimco Total Return auf Vermögenswerte von 237 Milliarden Dollar. Den Titel als größter Publikumsfonds der Welt ist damit ebenfalls Geschichte. Das ist jetzt der Vanguard Total Stock Market Index Fund.

Bill Gross ist eigentlich bekannt für sein gutes Timing. Er gründete 1971 die Vermögensverwaltung Pimco in Newport Beach, Kalifornien. Die Gesellschaft wuchs schnell, stieg zum größten Anleiheinvestor auf. Gemeinsam mit Mohamed El-Erian bestimmt Gross bis heute die Geschicke, auch wenn Pimco seit 2000 zum deutschen Allianz-Konzern gehört.

Im vergangenen Jahr ließ das Glück Gross im Stich. Sein entscheidender Fehler: Er täuschte sich in Ben Bernanke. Gross setzte darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und am Aktienmarkt herbe Verluste drohen würden. Er kaufte daher lieber auf „sicherere“ Staats- oder Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten.

Doch die Ankündigung von Bernanke, Chef der US-Notenbank, das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die ständige Ausweitung der Geldmenge, zurückzufahren, ließ die Kurse von Anleihen abrutschen, umgekehrt stiegen die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund 1,7 Prozent auf mehr als drei Prozent. An den Anleihemärkten sind das Welten. Die Notenbanker machten schließlich im Dezember ernst und beschlossen eine Verringerung der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren. Die Party an den Aktienmärkten lief indessen unbeeindruckt weiter. Der amerikanische S&P 500 stieg um 30 Prozent. Kurzum: Es lief alles gegen Gross.

Seite 1:

Warum Bill Gross die Kunden weglaufen

Seite 2:

Inflation und Aktiencrash

Kommentare zu " Der Verlierer des Jahres: Warum Bill Gross die Kunden weglaufen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Gross setzte darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und am Aktienmarkt herbe Verluste drohen würden."

    Kann mir das einer mal erklären? Grade wegen der Niedrigzinsen sind Aktientitel doch so attraktiv und Anleihen bzw. Renten werden vernachlässigt. Wieso spekulierte er, dass Aktien an Wert verlieren und die Leute vermehrt in Renten investieren, wenn das Zinsniveau niedrig bleibt?

  • "Am Ende" recht zu behalten reicht leider bei Weitem nicht, um reich zu werden. Sonst wäre es ja leicht.

    Aber des Ende kommt. Da werden sich die angelsächsichen Ökonomen um Krugman, Stieglitz & Co. noch die Augen reiben, weil sie ja immer meinen, dass das Ende mit Schrecken bloss ein deutsches Hirngespinst sei.

    @clemensespe: Bill Gross ist bestimmt nicht auf den Kopf gefallen, trotz seines Alters. Aber richtig ist, dass er sich zu riskablen Wetten hat hinreissen lassen, die sonst gar nicht der Art von Pimco entsprechen. Da hat er anscheinend vergessen, dass der Markt länger irrational agieren kann, als Pimco seine Investoren zu halten vermag. Vor allem dann, wenn der "Markt" ohnehin nur noch eine potemkinsche Kulisse für die zentrale Planwirtschaft der Notenbanken ist.

    Preissignale gibt´s nicht mehr, aber die Weltwirtschaft ist wenigstens gerettet.

    Allerdings: Das sowjetische Wirtschaftsdenken hat über den westlichen Kapitalismus genauso nachhaltig gewonnen wie das Christentum oder die griechische Staatsphilosofie über die zunächst anscheinend so siegreichen Römer.

    Und nach den Römern kamen ja bekanntlich die Barbaren des frühen und dunklen Mittelalters - Mal bloss ganz am Rande bemerkt.

  • Natürlich sollte man nicht jeder Strömung am Markt hinterherlaufen. Wer aber in 18 Monaten dermaßen viele Fehler macht wie Hr. Gross, ist ganz gewiß kein besonders schlauer Fuchs, auf den man nun unbedingt setzen sollte. Wer gegen die Notenbanken dieser Welt spekuliert, verliert in fast allen Fällen. Das ist das kleinste Einmaleins, was dieser Herr trotz seines fortgesetzten Alters immer noch nicht begriffen hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%