Deutsche Finanzagentur stockt zehnjährige Bundesanleihe auf – Negative Ratingausblicke für Italien und Portugal lassen den Markt kalt
An den Kapitalmärkten fallen die Renditen wieder

Nach einem schwachen Start nahmen die Anleihemärkte gestern wieder Fahrt auf. Nachdem der Terminkontrakt Bund-Future – wichtigster Indikator für die Stimmung an den Bondmärkten der Euro-Zone – am Vormittag bis auf 122,79 Prozent gefallen war, erholte er sich später bei relativ hohen Umsätzen. Zum Schluss des Handels notierte er 15 Basispunkte niedriger bei 123,04 Prozent. Das Tageshoch hatte er bei 123,54 erreicht.

FRANKFURT/M. Beim Tief hätten einige Investoren wieder Einstiegsmöglichkeiten gesehen, und das habe den Bund-Future getrieben, hieß es im Handel. Im Bereich zwischen 123,50 und 123,70 Prozent stoße Kontrakt aber auf eine breite Widerstandszone, sagte Ansgar Krekeler, technischer Analyst bei der WGZ-Bank Eine wichtige Unterstützung sieht er bei 122,75 Prozent.

Am Kassamarkt, an dem sich die Anleiherenditen gegenläufig zu den Kursen entwickeln, sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bis zum Schluss wieder leicht auf 3,19 Prozent, nachdem sie zuvor bis auf 3,21 Prozent gestiegen war.

Die Ratingagentur Fitch gab den Ratings für Italien und Portugal – beide haben bei Fitch die drittbeste Bonitätsnote „AA“ einen negativen Ausblick. Standard & Poor’s (S&P) hatte das Rating von Portugal am Vortag auf „AA-„ herabgestuft. Italien bewertet S&P schon seit einem Jahr mit „AA-„ und damit eine Stufe schlechter als Fitch. Gestern mahnte die Agentur in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erneut Reformen in Italien an. Der Markt reagierte aber kaum auf diese Meldungen.

In den USA lag die Rendite zehnjähriger Treasuries zum Handelsschluss bei 3,98 Prozent. Das im ersten Quartal um 3,8 Prozent gewachsene Wirtschaftswachstum in den USA belastete die Anleihen nicht. In der ersten Prognose hatte das US-Handelsministerium ein Wachstum um 3,5 Prozent geschätzt. Dagegen half den US-Staatsanleihen der mit 2,9 Prozent niedriger als erwartete so genannte Deflator des Bruttoinlandsprodukts, der als alternativer Indikator für die Inflationsbewertung gilt. Die Umsätze im US–Bondhandel waren vor der heute erwarteten Leitzinserhöhung der US-Notenbank gering.

Am Primärmarkt stockte Deutschland die zehnjährige Bundesanleihe um sieben Mrd. auf 15 Mrd. Euro auf. Die Auktion, für die nur zugelassenen Banken bieten können, lief Analysten zufolge recht gut. Die für den deutschen Kapitalmarktauftritt zuständige Finanzagentur des Bundes behielt nur 826 Mill. Euro zur Marktpflege ein. Bei Geboten über knapp 9,8 Mrd. Euro lag die Überzeichnung (Cover Ratio) bei 1,6 – und damit so hoch wie bei der Emission der zehnjährigen Bundesanleihe Mitte Mai. Die Anleihe wurde mit einer Durchschnittsrendite von 3,19 Prozent zugeteilt.

Unter den staatsnahen Institutionen kündigte die Europäische Investitionsbank (EIB) die Aufstockung ihrer im April 2020 fälligen Anleihe um eine Mrd. auf fünf Mrd. Euro an. Unter den Unternehmen machte der französische Bau- und Telekomkonzern Bouygues von sich reden, der eine 15-jährige Anleihe über 600 Mill. bis 750 Mill. Euro plant. Zunächst wollte Bouygues nur 500 Mill. Euro aufnehmen.

Die spanische Region Valencia platzierte ihre erste Anleihe über 750 Mill. Euro. Anleihen in dieser Größenordnung – so genannte Jumbos – gab es bislang nur von deutschen Bundesländern. Die zehnjährige Anleihe Valencias wurde mit einem Aufschlag von 0,097 Prozentpunkten über der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe gepreist.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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