Deutsche Staatsanleihen
Ausnahmezustand mit Verfallsdatum

Die Renditen von Bundesanleihen liegen wegen der Schuldenkrise so niedrig wie nie. Laut Experten könnte die Zinsen theoretisch sogar „Richtung Null“ fallen. Nachhaltig sei das Zinstief aber nicht. Heute
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FrankfurtDie Renditen deutscher Bundesanleihen haben in den vergangenen Wochen ein Rekordtief nach dem anderen markiert. Erst heute brachte die Versteigerung zehnjähriger Papiere eine Renditen von 1,77 Prozent. Dieser Trend könnte sich nach Ansicht von Volkswirten zumindest kurzfristig fortsetzen. Dabei liegt selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schon jetzt unter 1,50 Prozent. „Nach unten gibt es keine Grenze“, meint dazu Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Der Grund: Die Nachfrage nach Bundesanleihen werde derzeit nicht nur durch die Erträge - also die zu erzielenden Renditen -, sondern durch die Risikofurcht der Investoren bestimmt.

Die heutige Auktion war 1,5-fach überzeichnet. Im April hatte die Nachfrage das Angebot nur um das 1,1-Fache übertroffen. Die Finanzagentur nahm rund 4,1 Milliarden Euro ein.

„Das Bietungsverhalten spiegelt aber auch die sehr große Volatilität im Markt“, hieß es. DZ-Bank-Analyst Michael Leister sagte, Bundesanleihen würden als sicheres Investment in unruhigen Zeiten gesucht. Andere Volkswirte, die der Bundesverband öffentlicher Banken gestern zur halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz eingeladen hatte, sehen das ähnlich. Bei noch größerer Krisenangst könne selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe theoretisch in „Richtung null Prozent“ fallen, sagt Jens Kramer von der NordLB. Für Peter Merk von der Landesbank Baden-Württemberg spielen dabei auch Spekulationen auf ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums und auf Gewinne mit Staatsanleihen in einer wie auch immer gearteten neuen deutschen Währung eine Rolle. Laut Kater sind diese Spekulationen indes eine „grobe Fehleinschätzung“. Der politische Wille zum Erhalt des Euros sei schließlich groß.

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Quelle: Information Research

Dass der Euro auseinanderbricht, glauben auch die anderen Ökonomen nicht. Auch deshalb gehen sie davon aus, dass die Renditen der Bundesanleihen auf Sicht von sechs Monaten wieder leicht anziehen. Die Prognosen variieren dabei von 1,8 Prozent, die die NordLB erwartet, bis zu 2,3 Prozent, mit denen die Helaba und die WestLB rechnen.

Aber auch diese Renditestände sind extrem niedrig und ökonomisch nicht zu rechtfertigen. Schon allein angesichts der auf zuletzt 2,6 Prozent gestiegenen Inflation hätten die Renditen eigentlich steigen müssen, meint Thomas Meißner von der DZ Bank. Makroökonomische Fakten spielten aber keine Rolle mehr.

„Die Renditen sind im Ausnahmezustand, und der kann nicht ewig anhalten“, sagt auch Ulf Krauss von der Helaba. Doch in der Krise um die Euro-Länder, die mit der Diskussion um einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum eine neue Dimension angenommen hat, hätten die Bundesanleihen immer mehr "Fluchtcharakter" gewonnen. Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank findet dabei Aussagen, wonach die Euro-Zone den Austritt Griechenlands verkraften könne, erstaunlich. Denn dies wäre ein Signal, dass Gleiches auch in Portugal, Spanien oder sogar Italien passieren könne. Eine Kapitalflucht aus diesen Ländern wäre die Folge. Torge Middendorf von der WestLB hält deshalb schon die Diskussion, ob Griechenland den Euro aufgibt, für schädlich.

Von daher steckt hinter den Prognosen für leicht steigende Renditen laut DZ-Mann Meißner auch „das Prinzip Hoffnung“, und zwar darauf, dass die Reformen in den schwachen Euro-Ländern allmählich greifen und die Krise nicht noch weiter um sich greift.

Mit Material von Reuters.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Kurz: Bundesanleihen sind zu einer bedingten Ersatzwährung (D-Mark neu) mutiert. Dies unterstellt, kann der Zins in der Tat bis auf null (kurze Laufzeit) fallen, da es für Cashhaltung bekanntlich keine Zinsen gibt. Politiker verschließen einfach die Augen vor wirtschaftlichen Entwicklungen bzw. verstehen sie schlicht nicht.

  • Man würde bei Ihrem empfohlenen Weg ja die Verschuldungsquote (Maastricht 3%) wieder nach oben treiben. Da der Staat nicht wie ein Kaufmann bilanziert, werden leider auch keine Netto-Positionen (z.B. Netto-Finanzpositionen) ausgewiesen. Das volkswirtschaftliche Rechenwerk taugt einfach nichts und führt zu Fehlentscheidungen bzw. Fehlananlysen. So wie Sie es empfehlen, kann sich unter diesen Umständen nur eine Privatperson bzw. ein Unternehmen, das nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben Rechnung legt, verhalten. Der Staat erstellt für sich keine Bilanz. Hier wird Finanzpolitik nach mittelalterlicher (volkswirtschaftliche) Kameralistik betrieben.

  • Unter "Zeitbomben - Fällige Staatsanleihen" stehen die fälligen Schuldverschreibungen vom Januar - April 2012. Da diese Termine schon lange abgelaufen sind, sind sie m. E. hier völlig fehl am Platz (es handelt sich um F, I und S und nicht um D) und wenn, dann nur mit einer anderen Überschrift.
    Mir ist schon häufiger aufgefallen, dass die in die Artikel "eingebauten Informationen" nicht immer zum Artikel passen. Hier scheinen die Internetmacher die "grobmaschigen Strickmuster" zu bevorzugen.

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