Deutsche Staatsanleihen
Die Bundesregierung muss sich bewegen

Das mangelnde Interesse an den neuen Bundesanleihen ist noch kein Warnsignal - aber ein erster leiser Weckruf der Investoren an die Bundesregierung, beim Thema Euro-Bonds nicht länger auf Zeit zu spielen.
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Die Angst der Investoren um die Euro-Zone hat jetzt auch Deutschland erreicht. Viele Banken weigerten sich am Mittwoch, Deutschland noch Kredit zu geben. Die schwache Nachfrage zeigt, dass es jetzt ans Eingemachte geht – Investoren wollten Taten sehen und die Gewissheit haben, dass der Euro in seiner jetzigen Form überlebt. Die steigenden Renditen am Anleihemarkt deuten in die gleiche Richtung: Am Donnerstagmorgen stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf mehr als 2,2 Prozent - vergangene Woche lag sie zeitweise noch bei rund 1,7 Prozent.

Für die neue zehnjährige Bundesanleihe über sechs Milliarden Euro reichten die Investoren nur Kaufgebote über knapp 3,9 Milliarden Euro ein. So ein schwaches Ergebnis gab es für das erfolgsverwöhnte Deutschland im Zeitalter des Euros noch nie. Das ist zwar kein Grund, die Refinanzierung Deutschlands als gefährdet anzusehen. Aber der Flop zeigt, dass der Sex-Appeal der Bundesanleihen als extrem sichere Anlage nachlässt. Es ist nicht mehr so, dass alle risikoscheuen Investoren ihr Geld aus anderen Euro-Staaten abziehen und es gerne und en masse in deutschen Anleihen parken, sei der Zins auch noch so niedrig.

Es kommt immer mal wieder vor, dass die bei den Anleiheversteigerungen zugelassenen 38 Banken, die oft im Auftrag von anderen Investoren handeln, zu wenig Gebote abgeben. Zuletzt haben sich die Fehlschläge aber gehäuft. Am Mittwoch fand bereits die neunte schwache Auktion dieses Jahres statt. Bislang fehlten aber meist nur um die 500 Millionen Euro an Nachfrage – am Mittwoch waren es 2,1 Milliarden Euro.

Im Auftrag der Deutschen Finanzagentur, die Deutschlands Schulden verwaltet, wird die Bundesbank nach und nach die Anleihen verkaufen. Der Bund hatte die Anleihe mit einem historisch niedrigen Zinsschein von nur zwei Prozent ausgestattet. Damit finanziert sich Deutschland extrem günstig – und wenn der Bund den Investoren einen etwas höheren Kupon gegönnt hätte, wäre die Nachfrage größer gewesen.

Doch das unbedingte Vertrauen in deutsche Staatspapiere ist nicht mehr da. So konnten die Bundesanleihen schon in den vergangenen Tagen weder von der Schwäche der Aktienmärkte noch vom stärkeren Druck auf die Anleihen der Euro-Krisenländer profitieren.

Das zeigt: Die Krise hat den ganzen Kern der Euro-Zone erfasst. Frankreich, Finnland, die Niederlande und Österreich müssen für ihre Anleihen mehr Rendite zahlen als noch vor wenigen Monaten. Dabei werden diese Länder von den Ratingagenturen ebenso wie Deutschland mit der Topnote Dreifach-A bewertet und gelten mit Blick auf das Ausfallrisiko als sicher, auch wenn Frankreichs Spitzenrating wankt.

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  • Gebt den europäischen Ländern wieder ihre eigenen Währungen zurück, dann sind die größten Probleme damit bereits gelöst.
    Die Diktatwährung ist der Spaltpilz Europas.
    Cünnen ist wohl eine der europhilen Dummschwätzer.
    Wirtschaftliche Ungleichgewichte erfordern markante. Währungsanpassungen.
    Mit der Einführung der Diktatwährung wurde diese Möglichkeit vernichtet da eine individuelle Währungsent- oder -aufwertung wegfällt.
    Jetzt wollen die Eurofanatiker denselben Fehler der mit der Einführung der Diktatwährung begangen wurde bei den Anleihen mit EUrobombs wiederholen.
    Nur nochlachhaft und absurd.
    Das Problem ist der EUro.
    Das zweite Problem sind die Pleitestaaten welche jahrelang Party gefeiert haben, durch nicht verdiente und nichtgerechtfertigte Niedrigzinsen, welche ebenfalls dem Euro geschuldet sind - einhergehend mit den Lügen und Versprechungen der Politik, daß die Fehlkonstruktion EUro die Lösung aller Probleme wäre und in ganz Europa (über Nacht und wie von Zauberhand) blühende Landschaften zaubern würde.
    Mittlerweile hat der Markt die Bewertungsfehler bei den Anleihen der Weichwährungsländer erkannt und Länder wie Italien, Spanien, Portugal Gr., etc werden wieder fair und gerecht bewertet wie es vor der Einführung der Fehlkonstruktion Teuro der Fall war.
    Das ist völlig richtig, realistisch und angemessen.
    Frau Cünnen, bitte verschonen sie uns doch mit ihrer EUro und EU Propaganda. Ich brauche nicht die Schulden der Südländer zu bezahlen und ich brauche auch kein Brüsseler Spielgeld mit realen Inflationsraten von minimum 5% pro Jahr. Rosinenbrötchen für 1 EURO = 2 DM, das gab es vor 10 Jahren für die Hälfte, genauso die Pizza, den Busfahrschein usw. .
    Ich glaube diese (ihre) EU und Euro Lügen fallen hier nicht auf fruchtbaren Boden.

    Weg mit der Lügenwährung EUro , zum Wohle Europas.

    Der Euro ist nicht Europa
    und die kriminelle EU Junta in Brüssel schon gar nicht.

    Für ein von Euro und Eu Junta befreites freies Europa.

    Stoppt die EUdssr

  • Ja und die von der Ftd sind noch viel schlimmer. Die Ftd ist quasi das Propagandablatt für die Eurobonds. Man möchte glauben, die Ftd wird von Herrn Baroso kontrolliert.

    Fakt ist einfach: Die Leute in diesem Land nicht nicht dumm, udn sie sein eindeutig GEGEN diese Eurobonds. Und wenn es nicht so geht, dann geht es hatl bei der näcshten Wahl. Ich wähle alles was GEGEN Eurobonds ist!!! Ich habe fertig!!!

  • Man muss sich dann vorstellen: Herr Monti, der ganz hoffnungsvoll italienischer Premier ist. Sollte der nicht Reformen in Italien anstrengen. Dort gibt es Privatkapital in Hülle und Fülle und Privatisierungsmöglichkeiten, die gigantisch sind. Italien ist an´sich ein sehr reiches Land.
    Ich sehe einfach nicht ein, dass Detusche Niedriglohnarbeiter da herhalten müssen!!! Eine Frechheit sondergleichen.

    Und was macht dieser Monti. Er nuttz die erste MÖglichkeit sich für Eurobonds stark zu machen.....und kein Wort mehr über Reformen.

    Halten uns die denn für blöd????

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