Deutsche Staatsanleihen

Die Bundesregierung muss sich bewegen

Das mangelnde Interesse an den neuen Bundesanleihen ist noch kein Warnsignal - aber ein erster leiser Weckruf der Investoren an die Bundesregierung, beim Thema Euro-Bonds nicht länger auf Zeit zu spielen.
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Andrea Cünnen ist Handelsblatt-Korrespondentin in Frankfurt. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Andrea Cünnen ist Handelsblatt-Korrespondentin in Frankfurt.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Die Angst der Investoren um die Euro-Zone hat jetzt auch Deutschland erreicht. Viele Banken weigerten sich am Mittwoch, Deutschland noch Kredit zu geben. Die schwache Nachfrage zeigt, dass es jetzt ans Eingemachte geht – Investoren wollten Taten sehen und die Gewissheit haben, dass der Euro in seiner jetzigen Form überlebt. Die steigenden Renditen am Anleihemarkt deuten in die gleiche Richtung: Am Donnerstagmorgen stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf mehr als 2,2 Prozent - vergangene Woche lag sie zeitweise noch bei rund 1,7 Prozent.

Für die neue zehnjährige Bundesanleihe über sechs Milliarden Euro reichten die Investoren nur Kaufgebote über knapp 3,9 Milliarden Euro ein. So ein schwaches Ergebnis gab es für das erfolgsverwöhnte Deutschland im Zeitalter des Euros noch nie. Das ist zwar kein Grund, die Refinanzierung Deutschlands als gefährdet anzusehen. Aber der Flop zeigt, dass der Sex-Appeal der Bundesanleihen als extrem sichere Anlage nachlässt. Es ist nicht mehr so, dass alle risikoscheuen Investoren ihr Geld aus anderen Euro-Staaten abziehen und es gerne und en masse in deutschen Anleihen parken, sei der Zins auch noch so niedrig.

Es kommt immer mal wieder vor, dass die bei den Anleiheversteigerungen zugelassenen 38 Banken, die oft im Auftrag von anderen Investoren handeln, zu wenig Gebote abgeben. Zuletzt haben sich die Fehlschläge aber gehäuft. Am Mittwoch fand bereits die neunte schwache Auktion dieses Jahres statt. Bislang fehlten aber meist nur um die 500 Millionen Euro an Nachfrage – am Mittwoch waren es 2,1 Milliarden Euro.

Im Auftrag der Deutschen Finanzagentur, die Deutschlands Schulden verwaltet, wird die Bundesbank nach und nach die Anleihen verkaufen. Der Bund hatte die Anleihe mit einem historisch niedrigen Zinsschein von nur zwei Prozent ausgestattet. Damit finanziert sich Deutschland extrem günstig – und wenn der Bund den Investoren einen etwas höheren Kupon gegönnt hätte, wäre die Nachfrage größer gewesen.

Doch das unbedingte Vertrauen in deutsche Staatspapiere ist nicht mehr da. So konnten die Bundesanleihen schon in den vergangenen Tagen weder von der Schwäche der Aktienmärkte noch vom stärkeren Druck auf die Anleihen der Euro-Krisenländer profitieren.

Das zeigt: Die Krise hat den ganzen Kern der Euro-Zone erfasst. Frankreich, Finnland, die Niederlande und Österreich müssen für ihre Anleihen mehr Rendite zahlen als noch vor wenigen Monaten. Dabei werden diese Länder von den Ratingagenturen ebenso wie Deutschland mit der Topnote Dreifach-A bewertet und gelten mit Blick auf das Ausfallrisiko als sicher, auch wenn Frankreichs Spitzenrating wankt.

Die Krisenstaaten brauchen Zeit
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35 Kommentare zu "Deutsche Staatsanleihen: Die Bundesregierung muss sich bewegen"

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  • Gebt den europäischen Ländern wieder ihre eigenen Währungen zurück, dann sind die größten Probleme damit bereits gelöst.
    Die Diktatwährung ist der Spaltpilz Europas.
    Cünnen ist wohl eine der europhilen Dummschwätzer.
    Wirtschaftliche Ungleichgewichte erfordern markante. Währungsanpassungen.
    Mit der Einführung der Diktatwährung wurde diese Möglichkeit vernichtet da eine individuelle Währungsent- oder -aufwertung wegfällt.
    Jetzt wollen die Eurofanatiker denselben Fehler der mit der Einführung der Diktatwährung begangen wurde bei den Anleihen mit EUrobombs wiederholen.
    Nur nochlachhaft und absurd.
    Das Problem ist der EUro.
    Das zweite Problem sind die Pleitestaaten welche jahrelang Party gefeiert haben, durch nicht verdiente und nichtgerechtfertigte Niedrigzinsen, welche ebenfalls dem Euro geschuldet sind - einhergehend mit den Lügen und Versprechungen der Politik, daß die Fehlkonstruktion EUro die Lösung aller Probleme wäre und in ganz Europa (über Nacht und wie von Zauberhand) blühende Landschaften zaubern würde.
    Mittlerweile hat der Markt die Bewertungsfehler bei den Anleihen der Weichwährungsländer erkannt und Länder wie Italien, Spanien, Portugal Gr., etc werden wieder fair und gerecht bewertet wie es vor der Einführung der Fehlkonstruktion Teuro der Fall war.
    Das ist völlig richtig, realistisch und angemessen.
    Frau Cünnen, bitte verschonen sie uns doch mit ihrer EUro und EU Propaganda. Ich brauche nicht die Schulden der Südländer zu bezahlen und ich brauche auch kein Brüsseler Spielgeld mit realen Inflationsraten von minimum 5% pro Jahr. Rosinenbrötchen für 1 EURO = 2 DM, das gab es vor 10 Jahren für die Hälfte, genauso die Pizza, den Busfahrschein usw. .
    Ich glaube diese (ihre) EU und Euro Lügen fallen hier nicht auf fruchtbaren Boden.

    Weg mit der Lügenwährung EUro , zum Wohle Europas.

    Der Euro ist nicht Europa
    und die kriminelle EU Junta in Brüssel schon gar nicht.

    Für ein von Euro und Eu Junta befreites freies Europa.

    Stoppt die EUdssr

  • Ja und die von der Ftd sind noch viel schlimmer. Die Ftd ist quasi das Propagandablatt für die Eurobonds. Man möchte glauben, die Ftd wird von Herrn Baroso kontrolliert.

    Fakt ist einfach: Die Leute in diesem Land nicht nicht dumm, udn sie sein eindeutig GEGEN diese Eurobonds. Und wenn es nicht so geht, dann geht es hatl bei der näcshten Wahl. Ich wähle alles was GEGEN Eurobonds ist!!! Ich habe fertig!!!

  • Man muss sich dann vorstellen: Herr Monti, der ganz hoffnungsvoll italienischer Premier ist. Sollte der nicht Reformen in Italien anstrengen. Dort gibt es Privatkapital in Hülle und Fülle und Privatisierungsmöglichkeiten, die gigantisch sind. Italien ist an´sich ein sehr reiches Land.
    Ich sehe einfach nicht ein, dass Detusche Niedriglohnarbeiter da herhalten müssen!!! Eine Frechheit sondergleichen.

    Und was macht dieser Monti. Er nuttz die erste MÖglichkeit sich für Eurobonds stark zu machen.....und kein Wort mehr über Reformen.

    Halten uns die denn für blöd????

  • Der Artikel der Autorin geht in die falsche Richtung und wird von mir und sicherlich der grossen Mehrheit deutscher aber auch finnischer oder niederländischer Steuerzahler abgelehnt.

    Der Gedanke durch Eurobonds würde der EURO gerettet ist falsch. Vielmehr erhalten Politiker -egal welcher Coleur - in Portgual, Griechenland, Italien oder Irland einen Freibrief um noch mehr Staatsschulden anzuhäufen. Wozu noch in jenen Ländern sparen, wenn doch die "duemmen" Deutschen, Finnen und Niederländer die Schulden bezahlen.

    Es ist schlimm, wenn nunmehr Steinbrück und die SPD signalisieren, das sie Eurobonds mitmachen. Das ist ein zentraler Grund 2013 nicht die SPD zu wählen und besser CDU und FDP die Stimme zu geben.

    Wenn Griechen, Italiener oder Portugiesen mehr Geld ausgeben, als sie haben, dann müssen sie sparen. Das gilt auch für die USA gleichermaßen mit ihren 1,5 Billionen Dollar Schulden.

    Wenn das Thema Eurobonds 2013 die Wahlen bestimmen sollte, dürfte Merkel und FDP gewinnen, da die Deutschen nicht für die Schulden anderer Länder aufkommen wollen. Athen, Lissabon und Rom müssen sparen und könnten beispielsweise ihre Armeen verkleinern, die viel zu viel an Geld den Staaten kosten.

    Von dem Druck der politisch manipulierten Renditezahlen und US-Ratingagenturen sollten sich Merkel, CDU und FDP nicht erpressen lassen. Wir Deutschen, Niederländer, Österreicher und Finnen sind nicht die Zahlmeister südeuropäischer Politiker und anglo-amerikanischer Finanzspekulanten. Es ist ein politischer WItz, das beispielsweise die US-Ratings Portugal auf Ramsch stufen, aber die eigene Regierung eine historisch beispielslose Schuldenmacherei betreibt und In Billionenhöhe Dollarschulden angehäuft hat.

    Nein der Artikel der Autorin ist grundlegend falsch und hoffentlich wehren sich CDU, FDP und Merkel weiterhin gegen Eurobonds und die Vergemeinschaftung der Schulden.

  • Man sollte doch mit etwas mehr Sachverstand Kommentare schreiben. Was noch viel wichtiger ist, mit mehr Weisheit. Die Eurobonds sind Gift, weil sie die Marktgesetze ausser Kraft setzen und weil sie v.a.D. unfair sind. Unfair deshalb, weil weder in Italien noch sonst wo in PIIGS-Land (Irland ausgenommen) überhaupt daran ein Gedanke verschwendet wird, sich zunächst selbst um Geld zu fragen. Warum werden reiche Griechen, Italiener, Spanier nicht zur Kasse gebeten, warum wurden die Lohnkosten noch nicht gesenkt, warum wurde die Staatsquote nicht zurückgefahren warum wurden keine Rentenreformen angegangen.

    Aha, genau, weil es einfacher ist auf Nordeuropa zu warten. Klar, das wäre jedem lieber. Lasst die NOrdeuropäer zahlen. Wir in DE zahlen 3-fach. Für die Altsdchuden der PIIGS, dann für die höheren Finanzierungskosten, und ohnehin für das Einbrechen der Konjunktur....und wir haben schon bezahlt, weil wir - im Gegensatz zu Piigs-Land - die Reformen durchgedrückt haben.

    Wenn was unfair und ungerecht ist, dann sind es Eurobonds.
    Die dt. POlitik muss die Dt. Bevölkerung vor diesem Unfaug schützen.

  • Ach liebe Frau Cünnen, Sie glauben also noch an das Märchen, wir könnten aus unseren Staatsschulden herauswachsen?

    Der einzige Grund, warum wir die letzten 2 Jahrzehnte noch keinen Staatsbankrott in der EU erlebt haben ist die Tatsache, dass seit ebendieser Zeit der Marktzins durch die Notenbank nach planwirtschaftlicher Manier auf einem unnatürlich niederigem Niveau gehalten wurde. Dank der Exponentialfunktion geht aber auch diese Ära vorbei. Das Pulver ist verschossen.

  • Die Kommentatorin ist zu spät und verkennt deutsche Interessen. Außerdem verwechselt Sie Ursache und Wirkung. Wer als Deutscher auch nur den Hauch an Wohlwollen für Euro-Bonds nährt, wird auch keine Bund-Zinsen mehr bekommen. 2 % Zinsen gibt es nur bei der Sicherheit Deutschlands, aber nicht bei der Unsicherheit Euro-Landes. Das ist das 1x1 der Finanzarithmetik!

  • Chefredakteur HB: "Frau Cünnen schreibn se was pro Euro-Bonds, ja? Unsere Grossabonementen machn ma wieder Druck. Das Ganze muss in 10 Minuten raus, werfen se den Phrasendrescher an!"

  • DANKE SPRACHLOS ! ! !

    Ich bin entsetzt, dass nicht alle so antworten wie wir!!!

  • Selten einen so schlechten Artikel gelesen.
    Die Nachfrage nach Bundesanleihen fehlt, weil die "Euro-Anleihe" befürchtet wird. Wenn Investoren nicht Angst haben müssten, dass Deutschland "für alle mit bürgt" (durch Euroanleihen), wäre die Bundesanleihe sehr gefragt. Selbst wenn der Euro "zerbrechen" sollte, bekämen die Investoren die dann folgende Deutsche Währung (z.B. D-Mark), die sicher sehr stabil wäre.
    Bin erstaunt, dass das Handelsblatt so etwas wie diesen Artikel veröffentlicht.

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