Deutsche Staatsanleihen
Zinsen nahe an Rekordtief

Die Schuldenkrise anderer Euro-Länder stärkt Deutschlands Ansehen als sicherer Hafen – davon profitieren vor allem die deutschen Staatsanleihen.
  • 0

Frankfurt Auf der Schattenseite stehen Griechenland, Portugal und Italien, auf der Sonnenseite steht Deutschland: Bei den Zinsen für die als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen darf sich die Bundesregierung über fast schon paradiesische Zustände freuen. Im Zuge der Schuldenkrise im Süden haben die von Deutschland zu zahlenden Zinsen zu einer rasanten Talfahrt angesetzt.

Am Dienstag lag die Rendite für die richtungsweisenden deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei unter 2,67 Prozent und damit so tief wie kaum jemals zuvor. Nur im August 2010 ließ die Furcht der Anleger vor einem erneuten Abrutschen der Weltwirtschaft in die Rezession die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe für kurze Zeit auf etwa 2,1 Prozent abrutschen, wie der Anleihe-Experte Rainer Guntermann von der Commerzbank berichtet.

Auch der jüngste Rückgang der Zinsen für deutsche Anleihen sorgt für eine spürbare Entlastung des Bundeshaushaltes. Im Frühjahr war die deutsche Staatsverschuldung noch deutlich teurer: Im April lag der Marktkurs für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei rund 3,4 Prozent.

Teilweise unter Leitzins der EZB 

An diesem Mittwoch steht nun die nächste Aufstockung der zehnjährigen Staatsanleihen um vier Milliarden Euro an - Experten erwarten bei der Auktion einen durchschnittlichen Zinssatz von deutlich unter drei Prozent. Sollte der Zinssatz gar unter 2,6 Prozent liegen, dann hätte es in der Vergangenheit nur fünf Versteigerungen mit einem noch niedrigeren Zinssatz gegeben, wie Anleihenexperte Johannes Rudolph von HSBC Trinkaus betont.

Für deutsche Staatsanleihen mit einer kurzen Laufzeit von zwei Jahren liegt die Zinslast mit aktuell rund 1,32 Prozent sogar deutlich unter dem Leitzins der Europäischen Zentralbank von aktuell 1,5 Prozent. In der kurzen Laufzeit kann sich der deutsche Staat damit günstiger als die Geschäftsbanken in der Eurozone mit frischem Geld eindecken. Die Ursache für den Ansturm auf deutsche Staatsanleihen sieht der Experte Rainer Guntermann von der Commerzbank in der „extrem starken Präferenz der Anleger nach einem sicheren Hafen“.

Diesen bieten italienische Anleihen eher nicht: Am Dienstag musste sich Rom zu deutlich ungünstigeren Konditionen refinanzieren. Der durchschnittliche Zins für die versteigerten Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von 367 Tagen stieg im Vergleich zu einer vergleichbaren Auktion im Juni von 2,147 Prozent auf aktuell 3,67 Prozent, wie das Finanzministerium mitteilte. Die Versteigerung brachte 6,75 Milliarden Euro in die klamme Staatskasse.

Fallstrick Euro-Rettungsschirm

Deutschland hingegen spart bei den Zinsen - den Ersparnissen könnten aber weitere Belastungen für den Haushalt aufgrund der Schuldenkrise gegenüberstehen. Zuletzt wurde über eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms von derzeit 750 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen Dollar spekuliert - mehrere Minister wiesen dies zurück. Als die stärkste europäische Volkswirtschaft müsste Deutschland einen großen Anteil an weiteren Hilfen stemmen. 

Deshalb dürfte es auch im Interesse der Bundesregierung sein, dass sich die Lage an diesen Märkten wieder normalisiert. Nach Einschätzung von Guntermann muss eine Lösung der Schuldenkrise in der Eurozone gefunden werden, „damit der Markt für Festverzinsliche schnell und deutlich zurückkommt“. Für den Weg aus der Krise brauche es Wachstum, betont er. „Sparen alleine reicht nicht.“

 

 

 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Staatsanleihen: Zinsen nahe an Rekordtief"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%