Deutschland stockt zehnjährige Bundesanleihe auf
Hohe US-Erzeugerpreise lassen Bondmärkte kalt

Die Stimmung an den Anleihemärkten hat sich wieder deutlich aufgehellt. Nachdem die Kurse der Staatsanleihen in Europa und den USA schon am Dienstag und am vergangenen Freitag kräftig zugelegt hatten, hielten sie sich gestern auf den höheren Niveaus.

FRANKFURT/M. Selbst die überraschend deutlich gestiegenen Daten zu den US-Erzeugerpreisen verhagelten den Anleihe-Investoren nur kurz die Stimmung. Der Terminkontrakt Bund-Future schloss 0,02 Prozentpunkte höher bei 122,68 Prozent. Nach den Inflationsdaten aus den USA war er ganz kurz bis auf 122,45 Prozent gefallen, erholte sich dann aber schnell wieder. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zum Handelsschluss unverändert mit 3,23 Prozent. In den USA stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe nach Bekanntgabe der Erzeugerpreise auf 4,27 nach 4,22 Prozent am späten Vorabend.

Die US-Produzentenpreise kletterten im Juli gegenüber dem Vormonat um ein Prozent und nicht nur wie erwartet um 0,5 Prozent. Auch in der Kernrate – also die Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel herausgerechnet – übertraf die Teuerungsrate mit 0,4 Prozent die Prognosen von 0,1 Prozent deutlich. Am Vortag hatten noch die in der Kernrate unter den Prognosen liegenden Verbraucherpreise in Nordamerika, die im Juli um 0,1 Prozent gestiegen sind, die Anleihekurse gestützt.

„Die Erzeugerpreise hätten die Anleihen theoretisch deutlich belasten müssen“, sagte Ralf Umlauf, Rentenanalyst bei Helaba Trust. Er erklärte die gestrige Erholung der Rentenmärkte mit dem Ölpreis, der gestern zwar leicht nachgab, aber immer noch historisch hoch ist. „Mittelfristig sollte der Ölpreis die Konjunktur dämpfen und sich damit positiv auf die Rentenmärkte auswirken“, sagte Umlauf. Der Ölpreis habe sich schon im schwachen Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan vom Freitag niedergeschlagen und sollte auch andere Frühindikatoren belasten. „Seit Ende vergangener Woche beobachten definitiv einen Stimmungswandel der Bond-Investoren“, meinte Umlauf.

Die positive Stimmung am Bondmarkt kam auch Deutschland zu Gute. Denn gestern stockte der Bund über die Finanzagentur die zehnjährige Bundesanleihe um sechs Mrd. auf 21 Mrd. Euro auf. Dafür gaben die für die Auktionen von Bundesanleihen zugelassenen Banken Kaufangebote über 9,69 Mrd. Euro ab. Die Finanzagentur behielt mit 709 Mill. Euro nur einen recht geringen Betrag zur Marktpflege ein. Daraus ergab sich eine Überzeichnung von 1,8. „Das war das beste Ergebnis bei einer zehnjährigen Auktion seit zwei Jahren“, sagte Wee-Khoon Chong, Zinsstratege bei der Royal Bank of Scotland der Nachrichtenagentur Reuters. Die durchschnittliche Rendite bei der Aufstockung lag bei 3,24 Prozent.

Unter den Schwellenländern kündigte die Ukraine Emissionspläne an. Das Land will eine Anleihe über 600 Mill. Euro begeben. Als Konsortialführer wurden Citigroup, Deutsche Bank und UBS ausgewählt. Seit die Ukraine Anfang 2000 zahlungsunfähig wurde, hat sie keine Anleihen mehr in Euro begeben. Die Umschuldung wurde Anfang 2001 abgeschlossen. Ukrainische Bonds stehen seitdem schon lange auf den Empfehlungslisten der Banken für Schwellenländerbonds. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch haben die Bonitätsnoten der Ukraine in diesem Jahr auf „BB-“ erhöht. Im vergangenen Jahr begab die Ukraine zwei Dollar-Anleihen über insgesamt 1,1 Mrd. Dollar.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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