Deutschland stockt zweijährige Schatzanweisung auf
Analysten halten Staatsanleihen für angeschlagen

Das technische Bild für europäische Staatsanleihen und Terminkontrakte hat sich Analysten zufolge eingetrübt. Gestern machten die Anleihen am späten Nachmittag zwar einen Teil ihrer Tagesverluste wieder wett, aber dennoch gelten die Märkte als angeschlagen.

FRANKFURT/M. Aus technischer Sicht rät zum Beispiel die WGZ-Bank, bei Stärke den Terminkontrakt Bund-Future zu verkaufen. Vorher hieß die Devise noch: bei Schwäche kaufen! Bis zum Handelsende verlor der Bund-Future gestern 0,16 Prozentpunkte auf 122,42 Prozent, nachdem er zwischenzeitlich bis auf 122,26 Prozent gefallen war. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg leicht auf 3,25 Prozent. In den USA erhöhte sich die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe leicht auf 4,16 Prozent.

Kaum Beachtung am Markt fand das mit 55,3 Mrd. Dollar etwas geringer als erwartet ausgefallene Handelsbilanzdefizit der USA. Analysten hatten mit einem Minus von 57 Mrd. Dollar gerechnet.

Am Markt für neue Staatsanleihen stockte Deutschland die zweijährige Bundesanleihe um fünf Mrd. auf 13 Mrd. Euro auf. Die für den Kapitalmarktauftritt des Bundes zuständige Finanzagentur behielt 635 Mill. Euro zur Marktpflege ein, so dass sich eine gute Überzeichnung (cover ratio) von 2,1 ergab. Zugeteilt wurde die Anleihe mit einer Durchschnittsrendite von 2,18 Prozent, die Analysten zufolge unter der Marktrendite lag. Außerdem begab Italien eine fünfjährige Anleihe über 2,5 Mrd. Euro und einen 15-jährigen Bond über 1,5 Mrd. Euro. Diese Anleihen waren weniger gefragt als die Bundesschatzanweisung.

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Im Dollar-Bereich platzierte Spanien einen fünfjährigen Bond über eine Mrd. Dollar. Auch staatliche Förderinstitute nutzen den Dollar-Markt verstärkt zur Refinanzierung. Die KfW Bankengruppe kündigte gestern ihre dritte richtungsweisende Dollar-Benchmark für dieses Jahr an. Noch in dieser Woche ist ein zehnjähriger Bond über eine Mrd. Dollar geplant. Das Mandat ging an Citigroup und Nomura. Die schwedische Förderbank SEK begab gestern eine dreijährige Dollar-Anleihe über eine Mrd. Dollar. Am Vortag hatte die L-Bank, die Förderbank Baden-Württembergs, eine sehr gefragte fünfjährige Anleihe über 1,5 Mrd. Dollar platziert.

Am Markt für hochverzinsliche Unternehmensbonds, die auch Junk-Bonds genannt werden, zog die deutsche Schieder Möbel GmbH überraschend ihre angekündigte siebenjährige Anleihe über 145 Mill. Euro zurück. Am Vortag hatten die Konsortialführer Citigroup und WestLB für die Anleihe einen Kupon von 10,25 bis 10,50 Prozent in Aussicht gestellt. Dem Emittent seien diese Zinsen zu hoch, sagte gestern ein mit dem Deal betrauter Banker. Das ist für die Banken ärgerlich, denn sie hatten bereits Kaufaufträge für den Bond bekommen und hätten ihn nach eigenen Angaben zu den genannten Konditionen platzieren können. Schieder Möbel ist nicht börsennotiert. Mit „B-“ bzw. „B3“ hatte der geplante Bond ein sehr schlechtes Rating. Ein Analyst meinte, mit dem avisierten Kupon wäre das Unternehmen noch recht günstig weggekommen.

Dass der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen wieder aufnahmefähig ist, hatte am späten Dienstag Ford bewiesen. Über die Tochter FCE-Bank begab Ford eine zweijährige Anleihe über eine Mrd. Euro. Der Bond bot bei der Emission 5,12 Prozent Rendite. Seit Standard & Poor’s Ford-Anleihen im Mai auf Junk-Niveau herabgestuft hat, hat der Autokonzern bereits eine Anleihe in Dollar begeben.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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