Die Anleger befürchten weiter steigende Inflationsraten - Am Markt für Kreditderivate flammt Nervosität auf
Anstieg der Anleihezinsen ist gestoppt

Der Anstieg der Anleihezinsen hat sich in Europa nicht weiter fortgesetzt. Die Rendite zehnjähriger Euro-Staatsanleihen lag unverändert bei 3,16 Prozent. Der Dezember-Bund-Future stieg leicht um drei Basispunkte auf 122,43 Prozent.

FRANKFURT/M. Die Rendite zwei- und fünfjähriger Euro-Staatsanleihen wurde mit 2,45 beziehungsweise 2,76 Prozent errechnet. Die Einigung auf Bildung einer großen Koalition in Berlin hätten den Bondmarkt nur kurz stimuliert, hieß es.

Wegen des Feiertags in Japan und in den USA verlief das Geschäft ruhig. Mit Spannung warten die Anleger auf die anstehenden Konjunkturdaten, von denen sie Aufschluss darüber erwarten, ob die von Notenbankern aufgezeigte Inflationsgefahr tatsächlich besteht. Der steigende Goldpreis wird von einigen Analysten als Zeichen für künftig höhere Inflationsraten gesehen. Für Ulrich Wortberg von der Helaba ist die Lage an den Bondmärkten „schwierig“. Vor allem die Spekulation auf eine in Europa bald anstehende Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank laste auf der Stimmung. Dass in dieser Woche europäische Staatsanleihen im Volumen von 16 Mrd. Euro bei Anlegern platziert werden sollen, erwies sich ebenso als Belastung.

Auch für die USA rechnen Fachleute damit, dass die dortige Notenbank ihre in Trippelschritten vollzogene Politik der Leitzinserhöhungen weiter fortsetzen wird. In diesem Zusammenhang wird vor allem den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Daten über die Entwicklung der US-Verbraucherpreise großes Augenmerk beigemessen. „Obwohl der Preisanstieg in den USA überwiegend auf höhere Treibstoffpreise zurückzuführen sein dürfte, mehren sich die Zeichen, dass die Fed die Preisentwicklung mit zunehmender Sorge verfolgt“, sagte Jens Eisenschmidt von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Recht ruhig verlief das Geschäft am Primärmarkt, dem Markt für Anleihe-Neuemissionen. Mit einer von Royal Bank of Scotland emittierten mehrtranchigen Anleihe im Volumen von 1 Mrd. US-Dollar kam die Finanzgesellschaft Menton CDO an den Markt. Eine zweitranchige Anleihe (je 25 Mill. Euro) legte die französische Region Champagne Ardenne über ABN Amro auf. Zahlreiche Unternehmen legten ihre Emissionspläne für die nächste Zeit offen. So plant die Banque Federative du Credit Mutuel (BCFM) die Begebung einer variabel verzinslichen fünfjährigen Dollar-Anleihe. Die Islandsbanki wird über Calyon und CSFB einen Euro-Bond über sieben Jahre auflegen. Die Fidis Retail Italia SpA plant eine ABS-Konstruktion (durch Autokredite gesicherte Anleihe) im Wert von 1,25 Mrd. Euro.

Der Insolvenzantrag des amerikanischen Autozulieferers Delphi Corporation hat am Markt für Kreditderivate – dem Handel von Bonitätsrisiken – am Montag für zunehmende Nervosität gesorgt. Denn die ehemalige Tochter des ebenfalls mit finanziellen Problemen behafteten Autoriesens General Motors ist in mehr als der Hälfte der von Standard & Poor’s gerateten so genannten Collateralised Debt Obligations (CDO) vertreten. CDO sind synthetische Portfolios von Kreditderivaten (Credit Default Swaps). Mit diesen teilbaren und damit übertragbaren Instrumenten versichern sich Anleger gegen Zahlungsausfälle von Unternehmen, in deren Wertpapiere sie investiert haben. An den Finanzmärkten wird nach der Delphi-Insolvenz jetzt die Gefahr gesehen, dass einzelne Akteure am Markt für Kreditderivate größere Verluste erleiden und in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten.

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