Die anstehende weltweite Zinswende belastet die Anleihen von hoch verschuldeten Staaten besonders deutlich
Druck auf Schwellenländer-Bonds steigt

Die Zeit der historisch niedrigen Leitzinsen rund um den Globus ist vorbei. Nach der Bank of England und der Schweizer Nationalbank wird voraussichtlich Ende Juni die US-Notenbank Fed die Leitzinsen erhöhen.

DÜSSELDORF. Viele Volkswirte erwarten einen Zinsschritt um 25 Basispunkte. „Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) könnte im Winter die Zinsen anheben“, sagt Julian Callow, Chefvolkswirt für Europa bei Barclays Capital.

Steigende Zinsen machen die Märkte nervös: den Aktienmarkt, weil die Dividendenpapiere im Vergleich zu den Anleiherenditen weniger attraktiv sein werden, und den Sekundärmarkt für Anleihen, weil neue Bonds höhere Renditen abwerfen. Überdurchschnittlich verlieren dürften dabei die Staatsanleihen aus den Schwellenländern, vor allem „die Bonds der Volkswirtschaften mit einer hohen Staatsverschuldung“, sagt Oliver Stönner-Venkatarama, Emerging-Markets-Experte bei der Commerzbank. Das sind vor allem Brasilien und die Türkei.

Einen Vorgeschmack, wie es mit den Schwellenländer-Bonds nach unten gehen kann, haben die Investoren schon bekommen. So fiel der Kurs der zehnjährigen brasilianischen Benchmark-Anleihe von über 100 Prozent im Januar bis Anfang Mai auf 86 Prozent. Die Rendite stieg entsprechend auf zwölf Prozent. Inzwischen ist sie zwar wieder auf 10,5 Prozent gesunken, aber vergangene Woche warnte auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor Gefahren für Emerging Markets bei höheren Leitzinsen in den USA. „Höhere Finanzierungskosten erschweren es diesen Ländern, Kapital für die Ablösung fälliger Anleihen und die Finanzierung neuer Investitionen aufzunehmen“, schrieb die BIZ.

„Länder mit hohen Haushaltsdefiziten wie Brasilien und die Türkei sind offenbar besonders anfällig für eine Umschichtung des internationalen Kapitals von den Schwellenländern zu den entwickelten Staaten“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Gründe für die Kursrisiken seien aber nicht fundamental, sondern mit Ängsten vor aggressiven Zinserhöhungen begründbar. „Die generöse Liquiditätsausstattung durch die Notenbanken in den USA, Europa und in Japan in den vergangenen Jahren führte zu einer gewaltigen Umschichtung von kurzfristig am Geldmarkt aufgenommenen Geldern in Aktien, Rohstoffe und langlaufende Anleihen aus den Emerging Markets“, sagt Schilbe. „Alle lechzten nach Rendite. Und wenn jetzt alle umschichten, dann trifft es die Emerging Markets entsprechend stark.“

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