Die Fed und die Staatspapiere
Keine Angst vor dem Anleihen-Dilemma

Investoren blicken sorgenvoll auf die USA. Was kommt nach dem Ende des 2,46 Billionen Dollar schweren Anleihen-Programms der Fed? Die erleichternde Antwort: Sie werden von dessen Ende kaum etwas bemerken.
  • 0

DüsseldorfIrgendwann, nach dem Beginn der viel diskutierten Zinserhöhungen, will die amerikanische Zentralbank ihre Anleihebestände wieder abbauen. Die Befürchtung vieler Anleger dabei: Mit dem Ende der lockeren Geldpolitik könnten die die Kreditkosten dann schlagartig in die Höhe schnellen.

Im nächsten Jahr werden von der Fed gehaltene Staatsanleihen im Volumen von 216 Milliarden Dollar fällig. Doch selbst wenn die Fed sie nicht durch neue Paiere ersetzt, wird dies die Renditen kaum beeinflussen, wie die Investmentbank JPMorgan errechnete. Dafür hat die Bank die Bewegungen während des Fed-Bondkauf-Programms analysiert.

„Es würde sich nicht auswirken, und das ist neu“, sagt Lou Crandall, Chef-Volkswirt der Analysefirma Wrightson ICAP, die auf Fed-Politik und Staatsanleihen-Finanzierung spezialisiert ist. Es entstünden keine Folgekosten.

Das wäre die jüngste Überraschung in einem Markt, der die besten und schlauesten Köpfe der Wall Street weiter verblüfft. Immer wieder haben sie ein Ende des Bullenmarktes bei den Anleihen vorhergesagt – und lagen damit stets daneben.

Nicht nur für Investoren ist die Höhe der Renditen wichtig, sie ist auch entscheidend für die US-Regierung und die Finanzierung der Staatsverschuldung, die sich seit der Kreditkrise auf 18 Billionen Dollar mehr als verdoppelt hat. Die Auswirkungen sind jedoch bei Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern weltweit zu spüren, da amerikanische Staatsanleihen als Benchmark für Billionen Dollar an Verbindlichkeiten rund um den Erdball dienen.

Die Fed beendete ihr - auch unter der Bezeichnung quantitative Lockerung (QE) bekanntes - Anleihen-Kaufprogramm im Oktober 2014. Das Volumen der Bestände wurde jedoch aufrechterhalten, indem die Mittel fälliger Papiere reinvestiert wurden. In den vergangenen fünf Jahren wurden von der Zentralbank allein in US-Staatsanleihen so fast 200 Milliarden Dollar reinvestiert.

Volkswirte rechnen damit, dass die Fed die Leitzinsen vor dem Jahresende anhebt und die Mittel einiger im ersten Halbjahr 2016 fällig werdender Papiere nicht im Bondmarkt reinvestiert. Neben den Staatsanleihen hat die Notenbank auch 1,73 Billionen Dollar an mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren aufgekauft und hält mittlerweile Bonds im Volumen von 4,2 Billionen Dollar.

Seite 1:

Keine Angst vor dem Anleihen-Dilemma

Seite 2:

Einen „kalten Entzug“ wird es nicht geben

Kommentare zu " Die Fed und die Staatspapiere: Keine Angst vor dem Anleihen-Dilemma"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%