Die meisten Experten erwarten steigende Renditen der Staatsanleihen – Chancen auf Kursgewinne gibt es nur bei Schwellenländern
Das nächste Jahr wird für Anleihen nicht rosig

Für das Rentenjahr 2004 sind Experten pessimistisch. Ein Crash der Anleihekurse – verbunden mit einem drastischen Anstieg der Renditen – wird zwar nicht befürchtet, aber die rosigen Zeiten für Anleihen dürften vorbei sein.

cü FRANKFURT/M. „Dass die Kapitalmarktzinsen Ende 2004 niedriger liegen werden als jetzt, halte ich für sehr unrealistisch“, sagte gestern etwa Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe, beim 18. Internationalen Zins-Forum in Frankfurt, einer renommierten jährlichen Veranstaltung für Kapitalmarktprofis.

Walter prognostizierte, ebenso wie Rainer Rau, Vorstand bei der Forschungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft Feri, dass die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Deutschland und den USA bis Ende 2004 auf knapp bzw. gut 5 % von derzeit 4,49 bzw. 4,44 % steigen werden. Auch Paul A. McCulley, Geschäftsführer von Pimco, der weltweit größten Rentenfondsgesellschaft, rechnet mit einem Anstieg der zehnjährigen US-Kapitalmarktzinsen auf etwa 5 %.

Den Grund für die steigenden Kapitalmarktzinsen sehen die Experten in der sich erholenden Wirtschaft, vor allem in den USA. „Die amerikanische Wirtschaft erholt sich nachhaltig, und das Wirtschaftswachstum wird zu mehr Beschäftigung führen“, sagte McCulley. Die US-Notenbank Fed werde darauf mit einer Erhöhung der Leitzinsen reagieren, allerdings nicht vor 2005. Die Anleihemärkte würden die Erhöhung aber bereits im nächsten Jahr vorwegnehmen.

Walter von der Deutschen Bank geht dagegen davon aus, dass die Fed schon im nächsten Frühjahr an der Zinsschraube drehen wird. Ein halbes Jahr später sollte die Europäische Zentralbank (EZB) folgen.

Dass die Anleiherenditen nur vergleichsweise moderat steigen werden, sehen die Kapitalmarktprofis vor allem in der niedrigen Inflationsrate begründet. Die mache Anleihen zumindest für Investoren, welche die Papiere bis zur Endfälligkeit halten, attraktiv.

Chancen auf Kursgewinne werden dagegen von den meisten Experten nur bei Anleihen der Schwellenländer gesehen. Das weltweit steigende Wirtschaftswachstum und hohe Rohstoffpreise sollten die Emerging Markets stützen, schreibt Laurence Mutkin, Stratege bei der Fondsgesellschaft Threadneedle, in einer Studie. Außerdem sollten die meisten Schwellenländer weiterhin marktwirtschaftliche Reformen umsetzen. Die Industrienationen würden diese Entwicklung weiter fördern, von daher seien die Aussichten für die Bonds der Emerging Markets gut.

Die Anleihen von Industrienationen werden dagegen nur dann Kursgewinne verzeichnen, wenn die Weltwirtschaft schlechter läuft als prognostiziert. Dass es so kommen wird, meinen die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) schon lange. Sie gehen davon aus, dass der aktuelle Konjunkturaufschwung in den USA vorwiegend auf die expansive Geld- und Fiskalpolitik zurückzuführen ist. Der Aufschwung sei nicht selbsttragend, weil die privaten Haushalte und Unternehmen in den USA noch hoch verschuldet seien. Von daher prognostiziert DrKW, dass zehnjährige Bundesanleihen Ende 2004 mit 3,80 und zehnjährige US-Staatsanleihen mit 3,60 % rentieren werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%