Die niedrigen Renditen entschädigen nicht mehr für das Risiko
Strategen raten Privatanlegern von Unternehmensanleihen ab

Seit Jahren gelten Unternehmensanleihen als gute Alternative zu Aktien. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Strategen raten Privatanlegern von festverzinslichen Firmenpapieren ab. Denn deren Kurse sind in den vergangenen drei Jahren so stark gestiegen, dass die Renditen jetzt extrem niedrig sind.

cü FRANKFURT/M.Das gilt vor allem für Anleihen mit Ratings im vergleichsweise sicheren Investment-Grade. Sie bringen bei einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren im Schnitt nur noch drei Prozent Rendite.

Höher rentieren nur Anleihen mit schlechten Ratings – so genannte Junk-Bonds. Doch die gelten für Privatanleger wegen des hohen Ausfallrisikos als zu riskant. Und auch die Strategien der Renten-Profis, die Erträge durch ständiges Umschichten, Kreditderivate und Anleihen mit besonders langen Laufzeiten aufpeppen, taugen für Privatanleger auch nichts. Die meisten Kleininvestoren kaufen Anleihen und halten sie bis zur Fälligkeit. Doch das lohnt sich jetzt nicht mehr.

„Privatanleger, die Unternehmensrisiken suchen, fahren mit Aktien besser – allein schon wegen der Dividendenrenditen“, sagt Uwe Burkert, Leiter des Credit Researchs bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). So liegt die durchschnittliche Dividendenrendite im Euro Stoxx 50 bei gut drei Prozent.

„Aktuell ist kein guter Zeitpunkt, um Unternehmensanleihen im Depot ein höheres Gewicht zu geben“, sagt auch Steffen Schiedewitz, Anleihestratege für Privatkunden bei der Commerzbank. Er geht wie Kirsten Werner, Strategin für Unternehmensanleihen im Bereich Privatkunden bei der Deutschen Bank, davon aus, dass die Risikoaufschläge von Firmenbonds in den nächsten zwölf Monaten steigen werden. Der Grund: „Viele Unternehmen konzentrieren sich wieder mehr auf die Interessen der Aktionäre, die Gefahr von kreditfinanzierten Übernahmen ist gestiegen, und der Schuldenabbau steht bei den meisten Unternehmen nicht mehr im Fokus“, sagt Werner.

Wegen dieses unsicheren Umfelds rät Werner allenfalls zu Anleihen von Telekomfirmen und Versorgern, die als vergleichsweise stabil gelten. Dabei bieten die Telekoms noch etwas höhere Renditen als die Versorger. Unter den Telekomanleihen favorisiert Werner Deutsche Telekom, France Télécom und Telecom Italia. Generell empfiehlt sie dabei nur Laufzeiten von bis zu fünf Jahren. Denn deren Kurse sind stabiler als die von Langläufern.

Auffallend hohe Renditen bieten die Anleihen der US-Autokonzerne General Motors (GM) und Ford. Eine im Oktober nächsten Jahres fällige GM-Anleihe rentiert mit 4,30 Prozent, ein noch etwas kürzer laufender Ford-Bond mit 3,50 Prozent. Auf Privatanleger fokussierte Strategen raten trotzdem von den Bonds ab. Im Mai ist GM bei Standard & Poor’s (S&P) und Fitch, Ford bei S&P aus der Investment-Grade-Kategorie gefallen.

Burkert von der LBBW meint dagegen, dass auch Privatanleger bei den Kurzläufern der Autokonzerne zugreifen können. Für die kurze Zeit sei das Risiko überschaubar. Allerdings sollten Anleger noch die Quartalszahlen der Konzerne in dieser Woche abwarten. Wenn diese wie erwartet erneut schlecht ausfallen, sind noch niedrigere Kurse bzw. höhere Renditen zu erwarten.

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