Dissonanzen im Musikgeschäft
Musiker-Bonds auf Talfahrt

Anleihen von Größen des Musikgeschäfts zählten jahrelang zu den interessanten Nischen-Investments. Die Bonds schienen attraktive Renditen bei kalkulierbarem Risiko. Jetzt zeigt sich, dass die Einschätzung falsch war. Die Kurse der ersten Musiker-Bonds rauschen in den Keller.

David Bowie zählt zu den ganz großen Stars im glamourösen Musikgeschäft. Mehr als einhundert goldene und Platin-Schallplatten hat er verliehen bekommen, mehrmals wurde er für den Grammy nominiert. Auch im drögen Anleihengeschäft hat sein Name Klang: Der Popstar zählt zu den ersten Künstlern, die eigene Bonds auf den Markt gebracht haben – gedeckt durch die Erlöse aus seinem Musikgeschäft, nämlich Lizenzeinnahmen aus 300 Bowie-Songs, weshalb diese Art Anleihen als Asset-backed Bonds bezeichnet werden. Doch das Geschäft läuft nicht wie geplant: David Bowie nimmt weniger ein als erwartet, und auf dem Börsenparkett hat das Image des Pop-Stars plötzlich große Kratzer bekommen.

Die Prüfer der Ratingagentur Moody's haben die Bonitätsnote der „Bowie Bonds“ deshalb in dieser Woche gleich um drei Notenschritte zusammengestutzt, auf nunmehr „Baa3“. Das ist nahezu Ramsch-Niveau. Davon betroffen sind Anleger, die einen oder mehrere der Bowie-Papiere im Volumen von insgesamt 44,6 Millionen Euro gezeichnet haben, die Bowies Agentur Jones/Tintoretto Entertainment Company LLC im Jahr 1997 ausgegeben hat. Plötzlich müssen die Investoren mit ansehen, wie ihre Anleihen an Kurswert verlieren.

Die Lizenzeinnahmen des britischen Pop-Stars blieben klar unter den Erwartungen. Seit Beginn der Moody´s-Prüfung im Mai vergangene Jahres habe der negative Trend auch nicht enden wollen: Obwohl David Bowie seine laufende „A Reality Tour“ in Nordamerika schon um 29 Auftritte verlängert hat, gelingt es ihm nicht, sein aktuelles Album „Reality“ in die Charts zu hieven - in der laufenden, 13. Kalenderwoche ist das Album noch immer nicht in der Top-100-Bestsellerliste des maßgeblichen „Billboard Magazines“ angekommen. Die Einnahmen bleiben somit weiterhin niedriger als erhofft.

Nach Angaben von Moody´s spielte bei der Entscheidung, die Bowie-Anleihen herabzustufen, auch die schwache Lage des Musikkonzerns EMI Group eine Rolle. Denn EMI hatte den Bowie-Bond-Käufern einst Lizenzeinnahmen von mindestens 30 Millionen US-Dollar garantiert. Mittlerweile ist der Konzern aber selbst in Finanz-Schwierigkeiten geraten, so, wie der harte Wettbewerb der gesamten Musikbranche zu schaffen machen. Ihr droht deshalb das fünfte Rezessionsjahr in Folge, und EMI ist damit nicht allein. Branchenschwergewicht Universal Music, eine Tochtergesellschaft der französischen Vivendi Universal, hat beispielsweise in den vergangenen zwei Jahren 1500 Stellen streichen und die Marketingausgaben kürzen müssen – Kostensparen um jeden Preis.

Dass David-Bowie-Investoren dann auch die einzigen Musik-Anleger bleiben, die Kursverluste ihrer Investments verkraften müssen, halten Experten nicht für sicher. Entertainer wie Rod Stewart oder die Heavy-Metal-Band Iron Maiden haben sich ebenfalls mittels Wertpapieren Kapital beschafft, die mit den Lizenzeinnahmen ihrer Arbeit unterlegt sind. Für die Künstler hatte das den Vorteil, dass sie nicht jahrelang auf Lizenzeinnahmen warten müssen, sondern sofort kassieren konnten. Von ihren Anlegern, die jetzt das Risiko tragen.

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