Dollar-Anleihen
Russland steht hoch im Kurs

Russland will sich im nächsten Jahr an den internationalen Kapitalmärkten zurückmelden. Im Februar will das Land erstmals seit fast zehn Jahren wieder neue Dollar-Anleihen platzieren. Die Chancen, dass sich genügend Investoren finden, stehen nach Ansicht von Experten gut.

FRANKFURT. Der stellvertretende russische Finanzminister Dmitry Pankin hat für 2010 neue Bonds über bis zu 18 Mrd. Dollar angekündigt. "Wenn es keine großen Rückschläge der Konjunktur und beim Ölpreis gibt, dürfte es durchaus Nachfrage nach neuen Dollar-Anleihen aus Russland geben", meint Mauro Toldo, Volkswirt und Experte für Schwellenländer bei der Dekabank.

Viele Banken empfehlen russische Anleihen zum Kauf, die sich seit dem Frühjahr schon sehr gut entwickelt haben. Die Risikoprämien russischer Dollar-Anleihen - also die Renditen im Vergleich zu US-Staatsbonds - sind seit März um 5,1 auf 2,4 Prozentpunkte gefallen. Damit sind sie stärker gesunken als in vielen anderen Schwellenländern, wo die Risikoprämien nach Berechnungen von JP Morgan im Schnitt um 4,1 auf 2,9 Prozentpunkte zurückgefallen sind.

Die Krise hatte zuvor besonders russische Anleihen schwer gebeutelt. Schon Ende 2008 verunsicherte der Georgien-Konflikt die Investoren, dazu kamen dann die allgemeine Risikofurcht der Investoren nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers sowie die gravierenden Probleme bei russischen Banken und ein fallender Ölpreis. Damals wurden bei Investoren Erinnerungen an die Russland-Krise 1998 wach, als der Staat faktisch pleite war.

Seither hat sich die Lage aber beruhigt. Die russische Wirtschaft wird in diesem Jahr zwar erstmals seit einer Dekade schrumpfen. So rechnet die Dekabank mit einem Wachstumsrückgang um acht Prozent, nachdem das Bruttoinlandsprodukt von 2000 bis 2008 jährlich im Schnitt um sieben Prozent gewachsen ist. Für 2010 erwarten aber viele Volkswirte wieder ein zumindest moderates Wirtschaftswachstum.

Seit dem Frühjahr ist die Risikofreude der Investoren generell wieder gestiegen, weil sich anders als befürchtet doch keine Depression der Weltwirtschaft abzeichnet. Russland profitiert zudem vom wieder gestiegenen Ölpreis. Ein Barrel (159 Liter) der russischen Ölsorte Urals kosten inzwischen wieder 76 Dollar, nachdem der Preis im vergangenen Dezember auf bis zu 32 Dollar abgerutscht war. Der russische Staat hat außerdem die Steuern für die Ölkonzerne gesenkt, so dass diese wieder mehr fördern und exportieren.

"Russland braucht das Geld von internationalen Investoren nicht, will sich aber eine Art Liquiditätspuffer aufbauen", meint Toldo von der Dekabank. Die Nettoverschuldung Russlands dürfte in diesem Jahr laut Toldo zwar auf 14,6 Prozent steigen, verglichen mit anderen Ländern sei das aber nicht viel. Die Strategen von JP Morgan erwarten, dass sich Russlands angesichts des kräftigen gestiegenen Ölpreises weniger Geld als die angekündigten 18 Mrd. Dollar von Investoren holen wird. Ähnlich sehen das die Experten der Bank of America-Merrill Lynch, die neue Russland-Bonds über 13 Mrd. Dollar erwarten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%