Drohende Pleite
Argentinien verweigert Gespräche mit Hedgefonds

Argentinien droht der zweite Zahlungsausfall innerhalb von 13 Jahren. Um das abzuwenden müsste das Land mit Hedgefonds verhandeln, die Staatsanleihen halten. Bisher weigert sich die Regierung.
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BerlinIn weniger als drei Wochen droht Argentinien der zweite Zahlungsausfall innerhalb von 13 Jahren. Gespräche zwischen Regierungsvertretern und Hedgefonds über eine Lösung des Konflikts finden allerdings immer noch nicht statt. Der oberste US-Gerichtshof hatte vor einem Monat entschieden, dass Argentinien bestimmte Bonds nicht bedienen darf, solange die Hedgefonds als Halter notleidender argentinischer Staatsanleihen nicht vollständig ausgezahlt wurden.

„Wir haben bislang noch keinen Hinweis darauf gesehen, dass es Argentinien selbst mit dem Beginn von Verhandlungen ernst meint“, erklärte NML Capital, eine Tochtergesellschaft von Elliott Management Corp., in einer Stellungnahme am 11. Juli. NML zählt zu den Haltern argentinischer Bonds vom Zahlungsausfall 2001 und hat auf volle Auszahlung geklagt. Argentinien hat nur noch bis zum 30. Juli Zeit, um dieser Forderung nachzukommen, sonst kommt es erneut zu einem Zahlungsausfall des Landes.

In der vergangenen Woche haben sich Vertreter von NML und Argentinien mit einem vom US-Gericht eingesetzten Schlichter getroffen, direkte Gespräche gab es bislang allerdings noch nicht.

Der Rechtsstreit geht auf Argentiniens Zahlungsausfall im Rekordvolumen von 95 Mrd. Dollar im Jahr 2001 zurück. Etwa 92 Prozent der Bonds wurden 2005 und 2010 restrukturiert, wobei die Halter Verluste von etwa 70 Prozent hinnehmen mussten. Einige von ihnen, wie Elliott, akzeptierten diese Vereinbarung jedoch nicht und ließen es auf ein Gerichtsverfahren ankommen, von dem sie sich bessere Konditionen erhoffen.

Wie der amerikanische Supreme Court entschied, darf Argentinien die restrukturierten Titel nicht bedienen, solange die notleidenden Bonds nicht voll ausgezahlt wurden.

Es ist zwar wahrscheinlich, dass es früher oder später zu einer Einigung mit den so genannten Restrukturierungs- Verweigerern komme, „es ist jedoch schwer vorstellbar, dass dies so bald ist“, sagt Federico Thomsen von der Analysefirma E.F. Thomsen in Buenos Aires. „Im Verlauf der nächsten Wochen werden die Märkte voraussichtlich zwischen optimistischen Reaktionen und gelegentlicher Verängstigung schwanken, wenn Spannungen und Hürden deutlich werden.“

NML hat erklärt, sich auch mit einer Mischung aus Bargeld und neuen Bonds zufrieden zu geben, um den Streit zu beenden. Argentinien erklärte, mehr Zeit für eine Einigung zu benötigen.

„Argentinien ist für eine Fortsetzung des Dialogs offen, der es uns ermöglicht, eine Lösung unter fairen, gleichberechtigten und rechtmäßigen Bedingungen für 100 Prozent der Bondgläubiger zu erreichen“, erklärte Wirtschaftsminister Axel Kicillof in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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