Drohende US-Pleite
Das nächste Triple-A wackelt

Der Poker um den US-Haushalt geht in die entscheidende Runde. Kurz vor Erreichen der Schuldengrenze warnt die Ratingagentur Fitch, dass die USA ihre Bestnote verlieren könnten. Was Anleiheexperten erwarten.
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New York / DüsseldorfEs ist ein Schuss vor den Bug der US-Politiker: Die Ratingagentur Fitch droht den Vereinigten Staaten wegen der Finanzstreitigkeiten mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Die Agentur setzte das begehrte „AAA“ oder „Triple-A“ unter Beobachtung. Die Aktienkurse und der Dollar gerieten daraufhin nach Börsenschluss in New York leicht unter Druck.

Fitch erklärte, dass durch die Unnachgiebigkeit der Politiker die Gefahr eines Zahlungsausfalls steige. An diesem Donnerstag wird die Schuldengrenze erreicht. Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung einigen, dürfen die Vereinigten Staaten sich kein frisches Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Das wiederum dürfte über kurz oder lang dazu führen, dass das Land seine alten Schulden nicht mehr begleichen kann.

„Die Ankündigung zeigt die Dringlichkeit, mit der der Kongress handeln sollte, um die Gefahr eines Zahlungsausfalls zu beseitigen“, sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums. Dieser Ausfall bedrohe die Wirtschaft, erklärte er. Die Haushaltsbilanz der USA ist schon lange in Schieflage geraten. „Die Staatseinnahmen der USA betragen rund 17 Prozent des BIPs, die Ausgaben liegen bei rund 21 Prozent des BIPs und die Zinslast beträgt rund zwei Prozent des BIP“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei JP Morgan Asset Management in Frankfurt. „Wenn die Regierung lediglich ausgeben würde, was sie auch einnimmt und den Zahlungsausfall für die öffentlichen Schulden vermeiden wollte, wäre eine Kürzung um 20 Prozent auf sämtliche Ausgaben außerhalb der Zinsausgaben erforderlich.“

Allerdings, wenn Obligatorisches wie Krankenversicherungs- und Gesundheitskosten ebenfalls bezahlt würden, müsste die vierprozentige Finanzierungslücke auf andere Haushaltsposten verteilt werden. Eine Hälfte könnte bei der Verteidigung, die andere Hälfte bei zivilen Ausgaben eingespart werden. „Diese Ausgaben müssten um 70 Prozent gekürzt werden; eine Lösung, die für die Demokraten weder praktikabel noch verhandelbar erscheint", so Galler. Eine Lösung zu finden, ist also nicht so einfach.

Nach Ansicht von Fitch untergraben die andauernden Streitereien in Washington das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems sowie – für die Ratingexperten noch schlimmer – in den Dollar als weltweite Reservewährung. „Und dieses Vertrauen ist ein wichtiger Grund, weshalb das „AAA“ der USA einen deutlich höheren öffentlichen Verschuldungsgrad aushält als das „AAA“ anderer Länder“, so Fitch. Obwohl die Zeit drängt, will noch niemand glauben, dass der Worst-Case wirklich eintritt. Auch die Experten der Ratingagentur Moody’s sind verhalten optimistisch: „Wir glauben immer noch, dass es eine gute Chance gibt, dass es zu einer Lösung bei der Schuldengrenze kommen wird“, sagte Moody’s-Chef McDaniel.

Kommentare zu " Drohende US-Pleite: Das nächste Triple-A wackelt"

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  • Hm, ich finde sie sollten vor allem nicht in einem Mißverhältnis zu den Staatseinnahmen stehen, damit ich als Investor nicht das Vertrauen verliere.

    Meine Schulden als Privatmann werden doch von den Banken im Verhältnis zu _meinen_ Einnahmen bewertet - und nicht im Verhältnis zum Umsatz meines Kundens oder Arbeitgebers.

  • Ja, gut formuliert!

    jos

  • @Pipapo


    weil Staatschulden nicht in einem Mißverhältnis zum Bruttoinlandsprodukt stehen sollten um das Vertrauen der Investoren nicht zu verlieren.

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