Drohender Zahlungsausfall
Anleihen aus Ecuador wackeln

Geld genug, um seine Anleihen zurückzuzahlen, hat Ecuador ohne Zweifel. Für Präsident Rafael Correa sind die Bonds jedoch "illegal". Die Ratingagenturen fürchten in dem südamerikanischen Land daher das Schlimmste.

SÃO PAULO. Ecuadors mögliche Weigerung, die Zinsen auf seine ausländischen Anleihen zu bezahlen, dürfte Lateinamerikas Kreditfähigkeit insgesamt belasten. "Denn Ecuadors Regierung will nicht zahlen, obwohl sie es problemlos könnte", sagt Analyst Alberto Ramos von Goldman Sachs. Letzte Woche hat Ecuador die Zahlung von Zinsen in Höhe von 31 Mio. Dollar auf einen Bond mit der Laufzeit bis 2012 ausgesetzt. Eine von der Regierung ernannte Kommission hat die gesamten Anleihen Ecuadors in Höhe von rund zehn Mrd. Dollar auf ihre Legitimität überprüft und "schwerwiegende Mängel" festgestellt. Die Vorwürfe lauten: Korruption und private Bereicherung bei den Verhandlungen über die Boni.

Der Kommissionsleiter Hugo Arias hat der Regierung von Präsident Rafael Correa empfohlen, die Anleihen nicht zu bedienen. Damit wäre Ecuador der erste Staat in Lateinamerika, der inmitten einer Finanzkrise seine Zahlungen auf seine Auslandsschuld stoppt. Bereits 1999 hatte das kleine südamerikanische Land seine Auslandsschuld nicht mehr bedient.

Ratingagenturen wie S&P und Fitch haben die Risiken von Ecuadors Anleihen bereits auf Default-Niveau erhöht. "Angesichts des zu erwartenden niedrigen Ölpreises für 2009 zweifeln wir am Zahlungswillen der Regierung", argumentiert Erich Arispe von Fitch. Das Opec-Mitglied Ecuador leidet unter den sinkenden Ölpreisen, Öl ist sein wichtigstes Exportprodukt. Ecuadors Finanzministerin Maria Elsa Viteri will sich bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Opec um weitere Kredite bemühen. Dabei dürften auch diese Finanzquellen austrocknen, wenn Ecuador tatsächlich seine Anleihen nicht mehr bedient. Schützenhilfe könnten die Gläubiger ausgerechnet vom Linkspopulisten Hugo Chávez erhalten: Denn Ecuadors Bonds werden durch venezolanische Kredit-Default-Swaps garantiert. Barclays schätzt, dass Venezuela bei einem Zahlungsausfall Ecuadors rund 800 Mio. Dollar an internationale Gläubiger zahlen müsste. "Chávez wird seinem Kollegen Correa empfehlen, zu zahlen", erwartet Analyst Alejandro Grisanti von Barclays. abu

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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