Düsseldorfer Hypothekenbank
Entwarnung für Pfandbriefe

Die Übernahme der Düsseldorfer Hypothekenbank (DüssHyp) durch eine Tochter des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) bewahrt den knapp 890 Mrd. Euro schweren Markt für Pfandbriefe vor einer Bewährungsprobe.

FRANKFURT. Die Düsseldorfer hatten Ende 2007 Pfandbriefe über gut 16 Mrd. Euro ausstehen. Pfandbriefe sind damit der mit Abstand wichtigste Teil ihrer Refinanzierung; unbesicherte Bonds der DüssHyp gibt es kaum.

Pfandbriefe sind so konstruiert, dass ihre Gläubiger auch Zinsen und Tilgungszahlungen bekommen, wenn die emittierende Bank insolvent wird. Dies ist in Deutschland im Pfandbriefgesetz geregelt, das seit knapp drei Jahren gilt und die Vorläufer Hypothekenbankgesetz und Öffentliches Pfandbriefgesetz ablöste. Unter dem seit dem Jahr 1900 geltenden Hypothekenbankgesetz ist noch nie ein Pfandbrief-Emittent ausgefallen.

„Die Pfandbriefgläubiger der Düsseldorfer Hypothekenbank hätten in keinem Fall Schaden genommen“, ist Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP), überzeugt. Gleichwohl hätte eine Zuspitzung der Lage den gesamten Pfandbriefmarkt gestört und die Investoren nervös gemacht. Schließlich hätte es eine Zeit gedauert bis alle Fragen geklärt seien.

„Dies hätte gerade im aktuell schwierigen Umfeld leicht zu einer Übertreibung und deutlich steigenden Risikoprämien am Pfandbriefmarkt führen können“, fürchtet Hagen. Von daher sei es sehr zu begrüßen, dass der BdB, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Bundesbank ausdrücklich Störungen am Pfandbriefmarkt vermeiden wollten, meint Hagen. Dies stärke die Stellung des Pfandbriefs als Vorzeigeprodukt des deutschen Kapitalmarktes. Die Analysten der DZ Bank sehen dies etwas anders: Probleme einer Pfandbriefbank führten immer zu einem gewissen Imageschaden für das gesamte Segment, heißt es in einer Studie.

Die Kurse der Pfandbriefe der DüssHyp sind zuletzt gefallen und im Gegenzug ihre Risikoprämien (Spreads) gestiegen. Gestern erhöhten sich die Spreads nach der Schreckensnachricht über die Beinahe-Pleite vom späten Vorabend Händlern noch weiter. „Am gesamten Markt sind aber als Reaktion auf die DüssHyp keine großen Spread-Ausweitungen zu sehen und auch nicht zu erwarten“, sagt Franz Rudolf, Analyst bei Unicredit. Insgesamt sei es positiv, dass durch die Rettungsaktion des BdB weitere Unruhe im Markt vermieden werde.

Pfandbriefe sind für Banken als günstige Refinanzierungsquelle wichtig. Investoren verlangen für Pfandbriefe wegen der Sicherung weniger Rendite als für ungedeckte Bonds. Dies gilt derzeit in besonders starkem Maß, denn die Risikoprämien für ungesicherte Bankenanleihen sind in die Höhe geschossen. Die Spreads am Pfandbriefmarkt stiegen seit dem Ausbruch der Finanzkrise nur leicht.

Doch selbst der als liquide geltende Markt für großvolumige Jumbo-Pfandbriefe ist in den vergangenen Monaten vergleichsweise ausgetrocknet. Der Handel funktioniert nur noch sehr eingeschränkt. Viele Analysten fürchten deshalb eine stärkere Neubewertung des Marktes und weiter steigende Risikoprämien, wenn Pfandbrief-Emittenten wieder verstärkt neue Jumbos begeben und die Liquidität zurückkehrt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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