Eckhard Sauren im Interview
„Die große Unsicherheit ist das Problem“

Die Grexit-Angst lässt die Kurse an den Bondsmärkten schwanken. Doch die Ausschläge sind überzogen, meint Eckhard Sauren. Trotzdem ist die Angst vor dem Platzen der Anleiheblase nicht übertrieben.
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Anleihekurse schwanken aktuell fast so kräftig wie Aktienkurse, bestes Beispiel dafür ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Im April fiel sie auf nur noch 0,05 Prozent Rendite, stieg dann wieder auf ein Prozent und ist mittlerweile wieder im Sinkflug. Solch heftige Schwankungen an den Anleihemärkten hat Eckhard Sauren selten erlebt. Der Dachfondsmanager rät Anleger, die Finger von Anleihen zu lassen. Auch nach dem Ausverkauf am Markt sind die Renditen zu niedrig. Für konservative Anleger gibt es Alternativen.

Erst der Ausverkauf, jetzt wieder Flucht in Bundesanleihen. Was ist da los am Rentenmarkt?
Von Flucht zu sprechen ist etwas übertrieben. Wir sind bei zehnjährigen Bundesanleihen von einem Niveau von einem Prozent Rendite auf 0,8 Prozent zurückgekommen. Das ist erstmal eine normale Gegenbewegung nach dem starken Renditeanstieg und Kursverfall. Hinzu kam die Unsicherheit an den Aktienmärkten. In dem Moment als die Aktienkurse bröckelten, wurden Anleihen gekauft.

Müssen Anleger sich an solch heftige Schwankungen am Bondmarkt gewöhnen?
Die Schwankungen in den letzten Tagen und Wochen waren schon sehr deutlich, wobei Anleger aber grundsätzlich mit Volatilität an den Märkten rechnen müssen.

Als Dachfondsmanager sprechen Sie mit vielen Fondsmanagern. Wie reagieren die Experten auf die Grexit-Angst?
Es gibt schon Experten, die sehr vorsichtig geworden sind. Ein Fondsmanager, den ich sehr schätze, wenn es um die südeuropäischen Krisenländer geht, ist Marc Dowding von Bluebay Asset Management, einem großen britischen Anleihehaus. Er hat erstmals seit langem die PIIG- Länder, also Portugal, Irland, Italien und Griechenland, untergewichtet. Er sagt, dass der Markt das Risiko eines Grexits vielleicht im Moment unterschätzt. Solange die Diskussion im Gange ist, möchte er vorsichtiger positioniert sein.

Und andere?

Sie reagieren ganz unterschiedlich und schätzen die Lage auch unterschiedlich ein. Hauptsächlich ist wie so oft die Ungewissheit das Problem. Grexit – ja oder nein? Ich glaube, der Markt kann am Ende mit beiden Lösungen leben. Er braucht einfach nur Klarheit, bevor er sich stabilisieren kann.
Bis vor wenigen Tagen waren „sichere Häfen“ wie Bundesanleihen kaum gefragt. Von einer Rendite nahe Null auf ein Prozent in nur acht Wochen. War das die Zinswende?

Das ist schwer zu sagen. Zinswende heißt ja nicht, dass es in einem Schritt nach oben geht. Zwischenzeitliche Gegenbewegungen sind ganz normal. Es könnte aber sein, dass wir die Tiefststände gesehen haben, wahrscheinlich sogar. Die Risiken haben zugenommen, die Ertragschancen sind aber noch immer minimal. Auf ein neues Zinstief zu spekulieren macht keinen Sinn, auf steigende Zinsen aber auch nicht.

Sind Anleihen überhaupt noch interessant für Anleger?
Zehnjährige Bundesanleihen bringen eine Rendite von unter einem Prozent, bei Fünfjährigen sind wir nur noch bei 0,1 Prozent. Europäische Unternehmensanleihen rentieren im Schnitt mit 1,4 Prozent. Vor Kosten und Steuern wohl gemerkt. Ist das noch eine sinnvolle Anlage? Nein, nicht wenn man langfristig denkt.

Und kurzfristig?
Kurzfristig haben wir ein Schwankungspotenzial von fünf bis zehn Prozent, was viel ist. Die Diskussion über eine Zinswende überlagert die Gedanken über eine langfristig sinnvolle Strategie. Und es macht in der aktuellen Niedrigzinsphase keinen Sinn, in Renten zu investieren.

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