Einbruch im Januar: Flaute bei neuen Unternehmensanleihen

Einbruch im Januar
Flaute bei neuen Unternehmensanleihen

Investmentbanker hoffen, dass das Emissionsgeschäft noch anzieht. Doch die Unsicherheit über Zinsentwicklung belastet den Markt.

FRANKFURT/M. Das Geschäft mit neuen Unternehmensanleihen ist im Januar eingebrochen. Dabei gilt der Januar üblicherweise als starker Monat für neue Bonds. In den ersten vier Wochen dieses Jahres kamen aber nur neue Firmenpapiere über knapp zehn Mrd. Euro auf den Markt, das ist nicht mal die Hälfte des üblichen Volumens der auf Euro lautenden Bonds.

„Wir hätten nicht gedacht, dass das Jahr so schleppend anläuft“, sagt Milon Jenssen, zuständig für neue Unternehmensanleihen bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Auch Klaus Oster, Fondsmanager bei Deka Investment, wundert sich, dass die Unternehmen das noch günstige Refinanzierungsniveau an den Kapitalmärkten nicht nutzen. Kopfzerbrechen macht das der Branche aber nicht. „In anderen Bereichen läuft das Emissionsgeschäft, gut, von daher gibt es noch keinen Grund zur Sorge“, sagt Jean-Marc Mercier, stellvertretender Leiter des europäischen Anleihesyndikats bei HSBC. In der Tat haben Finanzdienstleister, Staaten, Länder und so genannte Agencies wie der US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac den Markt bereits so kräftig wie in den Vorjahren angezapft. Auch das Geschäft mit neuen Pfandbriefen und pfandbriefähnlichen Produkten brummt. Insgesamt wurden im Januar auf Euro lautende Anleihen über rund 82 Mrd. Euro begeben. Das ist guter Durchschnitt.

Unter den Industrieunternehmen taten sich dagegen lediglich France Télécom, Telecom Italia und Daimler-Chrysler mit großen neuen Bonds hervor. Dabei war nur France Télécom auffallend überzeichnet. Für Daimler-Chrysler mussten sogar die ersten Preisindikationen nachgebessert werden. Im Handel sind die Risikoaufschläge (Spreads) der Papiere gegenüber Staatsanleihen – wie im gesamten Markt – leicht gestiegen.

„Die Emissionen waren zu teuer gepreist, von daher gab es nur wenig Spielraum für sinkende Spreads“, kritisiert Oster. Auch Jan Stahmer, der bei BNP Paribas institutionelle Investoren betreut, glaubt, dass die niedrigen Renditeaufschläge für Anleger nicht mehr sonderlich attraktiv sind. „Außerdem ist vielen Investoren erst nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank etwas klarer geworden, wohin der Markt laufen könnte. Wir sehen jetzt die ersten Investoren, die nach Tagen der Abwesenheit, das höhere Renditeniveau zu Käufen nutzen.“ Oster sucht „angesichts der derzeit unsicheren Zinsentwicklungen gezielt nach attraktiven Kaufgelegenheiten im Sekundärmarkt.“

Als Gründe für die Zurückhaltung der Unternehmen führen Banker an, dass viele Firmen schon im vergangenen Jahr einen Teil ihrer Finanzierung vorgezogen haben. Als Beispiele dafür gelten BMW oder die Chemiekonzerne Degussa, Solvay und Ciba. Darüber hinaus konzentrieren sich viele Unternehmen zum Beispiel aus der Telekombranche mehr auf Schuldenabbau und haben keinen so großen Refinanzierungsbedarf mehr. Auch General Motors und Ford werden in diesem Jahr voraussichtlich weniger neue Anleihen begeben als 2003.

„Wir hören auch von einigen Unternehmen, dass sie erst ihre Jahresabschlüsse vorlegen wollen, bevor sie Emissionspläne ankündigen“, sagt Jenssen von der Deutschen Bank. Er ist aber sicher, dass das Geschäft noch anziehen wird. „Dabei ist uns nicht so wichtig, ob das im Januar oder März passiert, Hauptsache, es tut sich noch was.“ Auch Stahmer erwartet, dass sich der Markt für neue Unternehmensanleihen „in den nächsten ein, zwei Monaten beleben wird“. Neue Bonds über bis zu 2,5 Mrd. Euro angekündigt hat der italienische Versorger Enel.

„Außerdem dürften Fusionen und Übernahmen durch neue Anleihen finanziert werden“, sagt Mercier von HSBC. Henkel hatte nach der Übernahme des US-Waschmittelkonzerns Dial schon Ende vergangenen Jahres eine Bondemission angekündigt. Neue Anleihen erwarten Banker auch von Sanofi-Synthélabo falls die Übernahme von Aventis gelingt. Daneben könnte Air Liquide den Kauf des Gasegeschäfts von Messer Griesheim durch Bonds finanzieren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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