Eine stabile Währung und die Sparpolitik der Regierung stärken die Zuversicht der Investoren
Vertrauen in Ungarn-Papiere kehrt zurück

Ungarn genießt wieder mehr Vertrauen bei Anlegern im Westen. Und das trotz drängender Haushaltsprobleme und eines hohen Defizits in der Leistungsbilanz. Beweis dafür ist die erfolgreiche Platzierung der auf sieben Jahre angelegten Staatsanleihe im Wert von einer Milliarde Euro, die von Morgan Stanley und UBS Investment organisiert worden ist. Nach Angaben der Agentur für die Betreuung von Staatsschulden (AKK) ist das Papier stark überzeichnet worden. Die Verzinsung des Eurobonds lag deutlich über der deutscher Bundesanleihen.

BUDAPEST. Das Bild von Ungarn als einer der sichersten Anlageplätze in Mittel- und Osteuropa, war in den vergangenen Monaten stark getrübt worden. Dazu hatte vor allem die widersprüchliche Währungspolitik der Ungarischen Nationalbank (MNB) beigetragen. Noch im Juni hatte die MNB unter dem Druck der Regierung die mittlere Parität des Forint – also den Richtwert für die ungarische Währung – von 276,10 auf 282,36 zum Euro angehoben. Damit wollte sie vor allem der Exportindustrie helfen. Als dann der Forint zum Euro einbrach, setzte sie die Leitzinsen um 300 Basispunkte nach oben, um weitere Verluste zu verhindern.

Mittlerweile bewegt sich der Forint recht konstant bei Werten zwischen 253 und 257. Diese Stärkung dürfte zum Wiedererwachen des Anlegerinteresses beigetragen haben. Ungarische Analysten wie György Barcza von der ING-Bank vermuten sogar, dass die Nationalbank mit ihrer Währungspolitik auf einen Kurs von 245 zum Euro hinsteuern könne, um durch einen noch stärkeren Forint die weiter bestehenden Inflationsgefahren abzuwehren. MNB-Präsident Zsigmond Jarai schätzt, dass die Jahresinflation Ende 2003 5,5 % und Ende 2004 sogar 7 % betragen werde.

Auch die jüngsten Bemühungen der linksliberalen Regierung von Premier Peter Medgyessy zur Sanierung des Staatshaushalts sind den Anlegern im Westen nicht verborgen geblieben. Medgyessy will das Defizit von 9,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 4,8 % in diesem und auf 3,8 % im kommenden Jahr senken. Außerdem plant das Kabinett den Abbau von 8000 Stellen im öffentlichen Dienst, die Anhebung der Mehrwertsteuer und verschiedener Verbrauchssteuern, die Streichung von Steuervergünstigungen und eine Nullrunde für die Löhne der öffentlichen Angestellten.

Allerdings hat Medgyessy schon angekündigt, er wolle nach der Sparrunde wieder zu einer stärker sozial orientierten Politik zurückkehren. Und das wird die Ausgaben erneut nach oben treiben. Medgyessy hat dabei natürlich auch die Wahlen zum Europaparlament 2004 und die nächsten ungarischen Parlamentswahlen 2006 im Hinterkopf. Schon jetzt fürchten Experten, dass die Sparbeschlüsse nicht ausreichen, um die angestrebten Defizitwerte zu erreichen.

Zentralbank-Präsident Jarai betont, schon heute liege die Gesamtverschuldung bei 60 % des BIP, was dem Grenzwert in den EU-Konvergenzkriterien entspreche. Jarai verweist auch auf das hohe Defizit in der Leistungsbilanz, das wegen schwacher Exporte, niedriger Investitionstätigkeit und einer explodierenden Binnennachfrage Ende des Jahres bei knapp 6 % des BIP liegen werde. Höchstens 30 % dieses Fehlbetrages werde durch ausländische Investitionen gedeckt.

Immerhin hat sich die Regierung entschlossen, durch Steuersenkungen das Interesse ausländischer Investoren wieder zu wecken. So will sie die Körperschaftssteuer und die Einkommenssteuer um jeweils 2 % senken. Denn der frühere Musterknabe Ungarn ist bei den ausländischen Direktinvestitionen gegenüber anderen künftigen EU-Mitgliedern ins Hintertreffen geraten. Während mehr als 9 Mrd. Euro nach Tschechien und je 4 Mrd. Euro nach Polen und in die Slowakei flossen, konnte Ungarn nur knapp 900 Mill. Euro registrieren. Allerdings hat in Ungarn der Strukturwandel zum Technologie- und Distributionsstandort früher eingesetzt als in den Nachbarländern.

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