Emission beginnt im Februar
USA führen 30-jährige Anleihe wieder ein

Die USA werden ab kommendem Februar wieder Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren begeben. Das kündigte das US-Finanzministerium gestern an. Geplant sind Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2036 über 20 bis 30 Mrd. Dollar.

FRANKFURT/M. Banker und Investoren fordern schon lange eine Wiederauflage des so genannten Longbonds. Die Bond Market Association – eine Vereinigung der wichtigsten US-Banken und Broker im Anleihehandel – hatte im Mai eine Umfrage unter Investoren an das US-Finanzministerium geschickt, in der sich 98 Prozent aller befragten Investoren für neue Longbonds aussprachen.

Ein Grund für den Ruf nach neuen Langläufern aus den USA ist, dass Versicherer und Pensionsfonds nach dem Willen der US-Regierung verstärkt die Laufzeiten ihrer Verbindlichkeiten und Vermögenswerte in Einklang bringen sollen. Da bieten sich – von der Ausfallwahrscheinlichkeit her – quasi-risikolose US-Staatsanleihen an. „Wenn man Pensionsfonds zwingt, die Laufzeit ihrer Anlagen zu verlängern, gehört es für uns zur ordentlichen Staatspolitik dazu, ihnen auch die entsprechenden Instrumente anzubieten“, sagte schon im Februar Ethan Harris, Chefvolkswirt von Lehman Brothers. Daneben lassen sich mit möglichst lang laufenden Staatsanleihen andere Investitionen gut absichern. Und Länder wie Frankreich und Großbritannien haben in diesem Jahr gezeigt, dass es sogar eine große Nachfrage für Staatsanleihen mit einer Rekordlaufzeit von 50 Jahren gibt.

Der Kurs der bislang am längsten laufenden US-Staatsanleihe, die im Februar 2031 fällig wird, stieg gestern nach der Ankündigung. Entsprechend fiel die Rendite auf 4,51 Prozent. „Mit der Neuauflage bekommen Anleihen mit langer Laufzeit generell wieder mehr Bedeutung und sind deshalb gefragt“, sagte ein Händler in New York. Von der Rendite her dürfte der neue Longbond allerdings nicht sonderlich attraktiv sein, meint Henry Hunt, der bei der Fondsgesellschaft F&C Asset Management für Staatsanleihen verantwortlich ist. Er rechnet damit, dass die neue 30-jährige US-Staatsanleihe nur 0,10 bis 0,15 Prozentpunkte mehr Rendite als der 2031 fällige Bond bieten wird.

30-jährige US-Staatsanleihen waren lange Zeit die Benchmark, an der die Entwicklung der US-Staatsbonds gemessen wurde. Von 1977 bis 2001 haben die USA Longbonds im Volumen von mehr als 600 Mrd. Dollar begeben. Ende Oktober 2001 hatte der damalige US-Finanzstaatssekretär Peter Fisher aber angekündigt, dass die USA keine neuen Longbonds mehr begeben würden. Der überraschende Emissionsstopp hatte damals wegen des abzusehenden knappen Angebots für eine Kursrally der Langläufer gesorgt.

Die USA hatten das Ende der 30-jährigen Emissionen unter anderem damit begründet, dass sie zu teuer seien. Vor dem Ende der Auktionen lag die Rendite des Longbonds 0,80 Prozentpunkte über der von zehnjährigen US-Staatsanleihen. Inzwischen ist dieser Abstand auf rund 0,20 Prozentpunkte zusammengeschmolzen, was die langfristige Refinanzierung für die USA günstig macht. Außerdem hatten die USA vor dem Emissionsstopp vier Jahre lang Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet und brauchten daher nicht so viel Geld.

Im vergangenen Jahr hat die Regierung unter Präsident George W. Bush ein Rekorddefizit von 412 Mrd. Dollar ausgewiesen, das in diesem Jahr nach jüngsten Schätzungen der Bush-Administration immer noch bei 333 Mrd. Dollar liegen wird.

Spekulationen, dass die USA angesichts der Haushaltsmisere wieder auf den Longbond zur Refinanzierung zurückgreifen würden, kamen erstmals vor zwei Jahren auf. US-Notenbankpräsident Alan Greenspan hatte im Sommer 2003 betont, dass die Wiederauflage des Longbonds eine Option sei, wenn man die Haushaltsprojektionen ernst nähme.

Die US-Regierung verpasste den Hoffnungen der Investoren auf neue 30-jährige Anleihen aber immer wieder einen Dämpfer. US-Finanzminister John Snow hatte mehrfach – zuletzt im vergangenen April bei einer Veranstaltung der Bond Market Association – betont, er sehe keinen Bedarf für neue Longbonds. Keine zwei Wochen später kündigte das Finanzministerium dann offiziell an, dass die Emissionen von 30-jährigen Bonds geprüft wurden.

Die Bedeutung als Richtung weisende Anleihe für die US-Bondmärkte wird der in den USA einst so beliebte Longbond aber so schnell nicht wiedererlangen. Das meinen zumindest 80 Prozent der von der Bond Market Association befragten 91 Investoren. Seit dem Ende des Longbonds gilt die zehnjährige US-Staatsanleihe als richtungweisende Anleihe und wird diesen Status wohl auch behalten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%