Emissionsgeschäft mit neuen Anleihen
Bonds finanzieren Fusionen

Der Anleihemarkt profitiert von den zahlreichen Fusionen und Übernahmen (M&A), die in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen. Denn viele Unternehmen in Europa refinanzieren einen Teil der milliardenschweren Deals über Zinspapiere.

Seit Jahresanfang addieren sich die Emissionen neuer Anleihen im Heimatmarkt auf 361 Mrd. Dollar. In Europa waren es 1,79 Bill. Dollar. „M&A ist der Haupttreiber für die Emissionen“, sagt daher Willem Sels, Stratege bei Dresdner Kleinwort. In diesem Jahr haben in Deutschland bereits Bayer, Linde, BASF und Siemens einen Teil ihrer Fusionen oder Übernahmen über so genannte Benchmark-Anleihen – also Zinspapiere mit einem Volumen von mindestens 500 Mill. Euro – finanziert.

Zuletzt zapfte vor zwei Wochen Bertelsmann den Markt an, um den Rückkaufs eines Aktienpakets vom belgischen Finanzmagnaten Albert Frère zu finanzieren. Die Refinanzierung wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, denn „der M&A-Markt ist sehr gesund: Die Refinanzierung der großen Übernahmen in Deutschland und Europa gelingt binnen kurzer Zeit und ohne Probleme“, betont Karl-Georg Altenburg, Deutschlandchef von JP Morgan. Und sein Kollege Wilhelm Schulz, Leiter des Bereichs M&A in Deutschland bei der Citigroup, ergänzt: „Der Anteil der Barübernahmen ist mit über 80 Prozent weiterhin sehr hoch. Das ist ein gutes Zeichen“.

In Europa gab es nach Berechnungen von Dresdner Kleinwort in diesem Jahr neue Firmenbonds über 100 Mrd. Euro – fast so viele wie im gesamten Vorjahr. „Das traditionelle Geschäft – Refinanzierung auslaufender Anleihen oder Emissionen für die Finanzierung des laufenden Geschäfts – ist aber gering“, sagt Jörg Sautter, der bei der Citigroup für die Bondemissionen deutscher Unternehmen zuständig ist. „Die Unternehmen bauen ihre Verschuldung weiter ab“.

Die Strategen von Dresdner Kleinwort haben ihre Prognosen für die Emissionen europäischer Unternehmensanleihen auf 119 Mrd. Euro leicht erhöht. Sie rechnen aber nicht damit, dass das bisherige Rekordvolumen von neuen Unternehmensanleihen über mehr als 160 Mrd. Euro aus dem Jahr 2003 übertroffen wird. Auch Sautter ist für den Rest des Jahres nur „verhalten optimistisch. Die großen Deals sind schon finanziert“, sagt der Investmentbanker. Im nächsten Jahr könnte es dann aber wieder mehr werden. Denn M&A-Transaktionen brauchen meist ein halbes Jahr, bis sie am Anleihemarkt refinanziert werden. Von daher haben Banker MAN, Merck und Eon bereits als Emittenten für 2007 auf der Rechnung. Erst müssten die Fusionen jedoch stattfinden, sagt Sautter.

Unternehmensanleihen machen insgesamt nur einen Teil des Anleihegeschäfts aus. In Europa kamen nach Daten von Thomson Financial in diesem Jahr insgesamt schon neue Bonds über 1 789 Mrd. Dollar auf den Markt. Ein Großteil davon entfiel auf Emissionen der Banken selbst sowie auf Verbriefungen. Aus Deutschland gab es neue Bonds über 360,8 Mrd. Dollar.

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