Emissionsvolumen geht weiter zurück – Umstellung auf neue Bilanzierungsregeln nach IAS macht Papiere für Banken unattraktiv
Genussscheinen droht die Bedeutungslosigkeit

Der Markt für Genussscheine wird immer enger. Während so genannte „innovative Finanzprodukte“ wie Hedge-Fonds oder Zertifikate mittlerweile als Beimischung für jedes Depot empfohlen werden, führen die Genussscheine ein Schattendasein. Und auch das Angebot an neu aufgelegten Papieren nimmt beständig ab.

pam DÜSSELDORF. Laut der DZ-Bank konnten Anleger in den vergangenen zwölf Monaten Neuemission im Wert von gerade einmal 100 Mill. Euro zeichnen. Damit wurde der schwache Vorjahreswert noch einmal unterschritten.

Und der Trend scheint sich fortzusetzen. Ab Anfang 2005 müssen auch die meisten deutsche Konzerne ihre Bilanzen nach dem International Accounting Standards (IAS) erstellen. Genussscheine werden nach den neuen Richtlinien nicht mehr als Eigenkapital, sondern als Verbindlichkeiten ausgewiesen. Damit sind sie gerade für Banken momentan weniger interessant, schreiben die Experten der DZ-Bank. Außerdem emittieren die Kreditinstitute, die bisher über 95 Prozent der Genussscheine auflegten, bereits seit Mitte der 90er Jahre vermehrt Tier-1-Anleihen, die im Gegensatz zu Genussscheinen die Kernkapitalquote erhöhen.

Ralf Burmeister von der Landesbank Baden-Württemberg sieht zwar direkt keine Probleme für die Banken. Immerhin würden beispielsweise die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank bereits nach IAS bilanzieren. Auch würden die Genussscheine aufsichtsrechtlich weiterhin als Eigenkapital behandelt und auch nach Basel II diesen Charakter nicht verlieren. Langfristig werde das Emissionsvolumen aber weiter zurückgehen, sagt Burmeister. Die Tier-1-Anleihen seien für institutionelle Anleger einfach attraktiver.

Für Anleger bedeutet dies, dass sie zumindest in ferner Zukunft wohl auf Genussscheine verzichten müssen. Dabei bieten die Zwitterpapiere, die ein Zwischenprodukt aus Aktie und Anleihe darstellen, zahlreiche Vorteile. Bei den meisten Papieren erhält der Anleger – wie bei Anleihen – eine feste oder variable Ausschüttung, die meist über dem Renditeniveau einer Anleihe liegt. Wie bei Aktien ist diese allerdings an den Gewinn des Unternehmens gekoppelt. Dies erhöht das Ausfallrisiko für den Anleger – verglichen mit Aktien-Engagements ist das Risiko aber gering.

Für bereits am Markt notierte Genussscheine ändert sich übrigens nichts, beruhigt Burmeister. Diese würde ganz normal auslaufen und Ausfälle seien zumindest bei Großbanken nicht zu erwarten.

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