Emissionsvolumen hat sich 2003 verdoppelt
Ausfallrate von Junkbonds sinkt

Das Risiko von hochverzinslichen Unternehmensanleihen – salopp Junkbonds genannt – sinkt: Im September wurden nach Berechnungen von Moody’s nur 5,7 % aller von der Ratingagentur als spekulative Investition eingestufte Anleihen nicht bedient, das heißt, die Unternehmen blieben die Zins- oder Tilgungszahlungen auf die Bonds schuldig. Der größte Zahlungsausfall kam vom US Versorger Northwestern Corp, der Bonds über 1,2 Mrd. Dollar ausstehen hat.

cü FRANKFURT/M. Im August lag die weltweite Ausfallquote oder Default-Rate noch bei 6 %, damals war sie das erste Mal innerhalb von zwölf Monaten leicht gestiegen. Dennoch ist David Hamilton, der bei Moody’s in New York das Default-Research leitet, optimistisch. „Im September nächsten Jahres wird die Ausfallrate nur noch bei 3,9 % liegen“, schätzt er. „Die Kosteneinsparungen der Unternehmen haben sich positiv auf die Kreditqualität ausgewirkt“, meint Hamilton. Außerdem habe die Fähigkeit der bonitätsschwachen Unternehmen, sich über neue Anleihen zu refinanzieren, dazu beigetragen, dass die Ausfallraten gesunken sind. Beide Trends sollten sich fortsetzen.

Nach Berechungen des Informationsdienstes Dealogic haben als spekulativ eingestufte Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres in den USA Anleihen über gut 124 Mrd. US-Dollar und in Europa über mehr als 21 Mrd. Dollar begeben. Das sind jeweils doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Experten erklären die gestiegenen Emissionen allgemein mit der höheren Nachfrage. Die niedrigen Kapitalmarktzinsen und die Schwankungen an den Aktienmärkte hätten Investoren in diesem Jahr besonders stark nach Unternehmensanleihen – vor allem den hochverzinslichen – greifen lassen. Denn diese gelten immer noch als sicherer als Aktien. Die Emissionswelle ebbt zwar etwas ab, aber es wird unter anderem noch eine Anleihe von Jenoptik erwartet. Auch der niederländische PVC-Hersteller Eijsden überlegt, sich am Markt für Junkbonds zu refinanzieren.

Außerdem stiegen die Emissionen, weil viele Unternehmen, die von den Ratingagenturen aus der Investitions- in die Spekulationsklasse verbannt wurden, Bonds begeben. Große Anleihe-Emissionen kamen in diesem Jahr von Heidelberg Cement, dem französischen Mischkonzern Vivendi Universal sowie dem französischen Spezialchemiekonzern Rhodia.

Der Appetit der Anleger auf spekulative Anleihen spiegelte sich auch im Handel wieder. Die Risikoaufschläge der Junkbonds gegenüber Staatsanleihen sind seit Oktober vergangenen Jahres in Europa von 14,40 Prozentpunkten auf 4,50 Prozentpunkte gesunken. In den USA brachten Junkbonds vor gut zwölf Monaten noch 10,80 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen, aktuell sind es nur noch gut 5,10 Prozentpunkte mehr.

Die meisten Analysten gehen jetzt aber davon aus, dass die Risikoaufschläge nur noch leicht sinken werden. Bislang können Investoren mit der Entwicklung der Junkbonds aber sehr zufrieden sei. In diesem Jahr brachten nach Daten von Merrill Lynch hochverzinsliche Unternehmensanleihen in Europa Gesamterträge von 25 % und in den USA von 21,5 %. Bei den Gesamterträgen werden Zinsen und Kursgewinne zusammen gerechnet.

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