Emissionsvolumen in Europa liegt im laufenden Jahr bei 22 Milliarden Euro – Papiere bieten gutes Chance-Risiko-Verhältnis
Wandelanleihen sind bei Investoren beliebt

Eine Flut von Wandelanleihen überschwemmt in diesem Jahr die europäischen Bond-Märkte. Diese Woche platzierte American Express eine Wandelanleihe über 2 Mrd. Dollar. „Weltweit haben Unternehmen damit Papiere über mehr als 140 Mrd. Dollar begeben“, sagt Marc-Alexander Knieß, Fondsmanager des DWS Convertibles. In Europa übertrifft das Emissionsvolumen von 22 Mrd. Euro die Platzierungen des Vorjahres bereits jetzt um mehr als 20 %.

FRANKFURT. „Vor allem die jüngsten Neuemissionen wie der von der Kreditanstalt für Wiederaufbau begebene Telekom-Wandler oder die Wandelanleihe der Tui sind sehr gut gelaufen“, sagt Armin Weißenegger, Analyst für Wandelanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Die Schuldner nutzen das günstige Umfeld steigender Aktienkurse und niedriger Zinsen. In den Unternehmen sind die Convertibles so beliebt, weil es bei den derzeit niedrigen Zinsen kaum eine günstigere Geldquelle gibt. Und die Anleger verbinden mit Wandelanleihen die Hoffnung auf steigende Kurse mit der Sicherheit einer festverzinslichen Anlage.“ Denn einerseits halten sich Privatanleger nach der Baisse immer noch bei Neu-Engagements am Aktienmarkt zurück. Andererseits sind die historisch niedrigen Anleiherenditen wenig lukrativ.

Langsam habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es noch etwas zwischen Anleihe und Aktie gibt, sagt Knieß. Und die Performance der Convertibles stellte in den vergangenen Jahren beide Anlagearten in den Schatten: Von 1996 bis 2003 kamen Anleger mit Wandelpapieren auf durchschnittlich 13,6 % Rendite, mit Dividendentiteln des EuroStoxx50 hingegen nur auf 8,8 %.

„Und auch das Jahr 2004 wird ein gutes“, glaubt Fondsmanager Knieß, wenn die Aktien weiter anziehen und die Zinsen nur moderat steigen. Die Situation dürfte anhalten; auch wenn die Inhaber klassischer Anleihen angesichts steigender Renditen unsicher werden, „würde ich mir als Wandelanleiheinvestor keine Sorgen machen – solange die Aktien steigen“, sagt Weißenegger.

Anleger sollten die Wandel-Papiere allerdings zum richtigen Zeitpunkt kaufen: Bei der Emission entspricht der Charakter des Kombiprodukts etwa zur Hälfte einer Aktie und einer Anleihe (Hybrid-Bond). Steigende Aktienkurse ziehen den Kurs der Anleihe mit hoch. Ist der Anstieg allerdings sehr stark, mutiert der Wandler mehr und mehr zur Aktie. Der Kurs der Wandelanleihe folgt dann fast eins zu eins den Bewegungen der Aktie. (Equity-Bond). Fallen die Aktienkurse hingegen, reagiert das Instrument nur noch auf Änderungen der Kreditwürdigkeit des Unternehmens und des Zinsniveaus – so wie eine Anleihe. „Investoren sollten deshalb Wandelanleihen kaufen, bei denen die Aktie an der Börse 10 bis 20 % unter dem Wandlungspreis der Anleihe notiert“, rät LBBW-Analyst Weißenegger. Papiere in diesem Bereich hätten ein günstiges Chance-Risiko-Profil. Nach einer Faustregel partizipiert der Kurs der Wandelanleihe dann zu zwei Dritteln am Kursanstieg der zugrunde liegenden Aktie. Sollte der Aktienkurs kippen, bewegt sich der Kurs der Wandelanleihe aber nur zu einem Drittel mit nach unten. Wer von dieser Faustregel profitieren will, der sollte seine Wandelpapiere ständig im Auge behalten und bei Bedarf umschichten.

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