Emissionsvolumen neuer Bonds liegt nach drei Quartalen fast auf dem Niveau des Rekordjahres 2001
Anleihe-Boom überrascht Banken

Mit dem Jahr 2003 sind Banker, die ihr Geld mit der Emission von Anleihen verdienen, schon jetzt ausgesprochen zufrieden. Denn weltweit kamen neue Bonds über 3,84 Bill. US-Dollar auf den Markt – das sind nach Daten des Informationsdienstes Dealogic fast so viele wie im gesamten Vorjahr und mehr als in den ersten neun Monaten des Anleihe-Rekordjahres 2001.

FRANKFURT/M. Dabei kam die größte Unternehmensanleihe in diesem Jahr von General Motors. Der Autokonzern begab einen Bond über 13,5 Mrd. Dollar in mehreren Tranchen, um seine Pensionsverpflichtungen zu decken, und damit die größte Unternehmensanleihe aller Zeiten. Abseits der privaten Unternehmen traten die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die französische staatliche Industrieholding Erap und der französische Arbeitslosenversicherer Unédic als besonders große Bondemittenten in Erscheinung.

Der Anleiheboom ist lukrativ für die Investmentbanken, die nach Berechnungen von Dealogic mit den neuen Bonds insgesamt rund 14,8 Mrd. Dollar an Gebühren verdient haben. Das ist knapp ein Drittel mehr als in den ersten neun Monaten 2002. Den größten Anteil am Emissions- und damit am Gebührenaufkommen hat die Citigroup, die wie schon in den vergangenen Jahren den ersten Platz auf der Rangliste der Konsortialführer für weltweite Bondemissionen belegt. Bei den neuen Anleihen aus Europa behauptete die Deutsche Bank ihren ersten Rang, ebenso wie bei den auf Euro lautenden Anleihen von Industrieunternehmen.

„Ein so gutes Geschäft hätten wir zu Beginn des Jahres nicht erwartet“, sagt Milon Jenssen, der für die Deutsche Bank deutsche Unternehmen bei Anleiheemissionen betreut. Dabei fehlten im heimischen Markt die fast schon traditionellen Mega- Bonds der Deutschen Telekom und der Versorger. Die größte deutsche Anleihe kam in diesem Jahr von Volkswagen über 4,5 Mrd. Euro, ansonsten hielt sich auch diese Branche eher zurück. Dafür zapften viele seltene Gäste wie Metro, Bertelsmann, BASF oder Henkel den hiesigen Bondmarkt an.

Jenssen sieht den Hauptgrund für das gute Geschäft in der großen Nachfrage der Investoren. Die suchten angesichts des niedrigen Zinsniveaus und nach den Verlusten an den Aktienmärkten nach höher verzinslichen vergleichsweise sicheren Anlagealternativen wie Unternehmensbonds. „Das attraktive Zinsumfeld in Verbindung mit geringeren Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen hat viele Emittenten angelockt, die sich Fremdkapital zu niedrigen Kosten sichern wollten“, meint Jörg Sautter, zuständig für Emissionen deutscher Unternehmen bei der Citigroup. Im Juli und August trocknete der Markt allerdings aus. Grund waren die Sommerflaute und die zwischenzeitlich deutlich steigenden Kapitalmarktzinsen, die Investoren und Emittenten verunsicherten. Nach der Sommerpause im September ging es dann aber mit dem Bond-Boom weiter. Unter anderem nutzten General Motors, Ford, Daimler-Chrysler, Aventis oder Bondneulinge wie der französisch- spanische Tabakkonzern Altadis oder spanische Versorger Red Electrica das wieder sinkende Zinsniveau am Anleihemarkt und den nach wie vor großen Anlagebedarf der Investoren.

Für den Rest des Jahres rechnen Banker aber mit einem ruhigeren Geschäft. Aktuell bereiten die Hotelkette Intercontinental, die britische Heimwerkerkette Kingfisher, die deutsche Leasinggesellschaft Grenke Leasing und der italienische Versorger AEM Anleihen in Euro vor. Aus Deutschland sind keine Transaktionen angekündigt. „Es könnte schon noch neue Bonds von Unternehmen geben, die das weiter günstige Umfeld nutzen wollen, aber die ganz große Emissionswelle ist vorbei“, sagt Sautter von der Citigroup. Auch Jenssen rechnet nicht mehr mit allzu vielen neuen Bonds. Wenn allerdings wie spekuliert die Europäische Zentralbank (EZB) in diesem Jahr noch die Zinsen senken werde, könne dies dem Markt noch einmal Impulse geben, meint er.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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