Emissionsvolumen
Urteil bremst Wachstum islamischer Bonds

Das Emissionsvolumen bei islamischen Bonds ist in diesem Jahr um 50 Prozent auf elf Mrd. Dollar gefallen. Ausgelöst des Einbruchs ist das Urteil einer Gruppe von Religionsgelehrten in Bahrain vom Februar. Demnach sind die meisten als "islamkonform" verkauften Anleihen gar nicht mit dem Religionsgesetz, der Scharia, vereinbar.

Bloomberg DUBAI/SINGAPUR. Seit 2004 verzeichnete der Markt für diese sogenannten Sukuks jährlich eine Verdoppelung des Wachstums, deutlich mehr als alle anderen Bereiche des Bondmarktes. Zuletzt erreichte das Gesamtvolumen des Marktes, der zu Beginn des Jahrtausends kaum existierte, 90 Mrd. Dollar (62 Mrd. Euro).

Sukuks sollen eigentlich das islamische Verbot von Zinsen berücksichtigen. Durch sie sollen Investoren statt von Zinsen vom Austausch realer Vermögenswerte profitieren. Bei der Konstruktion der Anleihen nutzen Banken daher reale Vermögenswerte. Diese gewährleisten ein Einkommen, das den Zins herkömmlicher Anleihen ersetzt. Zudem darf das über Islam-Bonds eingesammelte Geld nicht zur Finanzierung von Glücksspiel, Waffen und Alkohol verwendet werden.

Die Accounting & Auditing Organization for Islamic Financial Institutions kam jedoch zur Auffassung, dass eine Anleihe den religiösen Anforderungen nicht entspricht, wenn nicht auch das Eigentum an den zugrundeliegenden Vermögenswerten auf die Anleihegläubiger übertragen wird. Den Angaben des Gremiums zufolge erfüllen rund 85 Prozent der Sukuks diese Bedingung nicht.

Durch das Verdikt der Religionswächter steigen in der Golfregion die Finanzierungskosten für Unternehmen. Die Kurse islamkonformer Papiere gaben von Januar bis August im Mittel 1,51 Prozent nach, zeigen Zahlen von HSBC. Damit ist der Rückgang größer als bei US-Unternehmensanleihen: Sie verzeichneten trotz der Kreditkrise nur Kursverluste von 1,25 Prozent.

Die Renditen der Islam-Bonds stiegen entsprechend auf 2,94 Prozentpunkte über dem Londoner Interbankensatz Libor. Damit liegen sie nahe an einem Rekordhoch. Vor einem Jahr lag der Renditeaufschlag für Sukuks noch bei 1,08 Prozentpunkten. Eine vergleichbare nicht-islamische Anleihe hat eine Risikoprämie von 2,43 Prozent. "Wenn es am Kreditmarkt Probleme gibt, dann verkaufen Investoren zuerst die Schuldpapiere, die sie nicht zu hundert Prozent verstehen", sagte James Milligan, Leiter Rentenhandel Mittlerer Osten bei HSBC. "Dies hat die Spreads in der Region hart getroffen."

Mohamad Alchaar, der Generalsekretär der Accounting & Auditing Organization, erklärte, das Gutachten ziele darauf ab, "einheitliche Regeln" für den Markt zu schaffen. Die Entscheidungen der Einrichtung haben in sechs arabischen Ländern bindende Wirkung. Der erste Sukuk, der dem Urteil des Gremiums entspricht, stammt von Sorouh Realt Estate, dem drittgrößten Immobilienunternehmen Abu Dhabis.

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