Erste Emission des Autokonzerns seit Herabstufung im Mai
General Motors findet Investoren für neue Anleihe

Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors hat gestern überraschend den Anleihemarkt angezapft. Es war die erste Emission des weltgrößten Autobauers seit die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Fitch im Mai die Kreditwürdigkeit von General Motors (GM) und der Finanztochter GMAC auf „BB“ bzw. „BB+“ – und damit das Niveau fragwürdiger Schuldner – herabgestuft haben. Seitdem gelten die Anleihen von General Motors als Junk-Bonds (Schrottanleihen).

FRANKFURT/M. Die Anleihe wurde über die Finanztochter GMAC begeben und hat ein Volumen von 500 Mill. Euro. Sie wird in zwei Jahren fällig. Bei Investoren war der neue Junk-Bond extrem gefragt. Die Konsortialführer Citigroup und Lehman Brothers berichteten von Kaufaufträgen über mehr als 2,2 Mrd. Euro. Die Anleihe wurde mit einer Rendite von 5,67 Prozent gepreist. Das entsprach einem Risikoaufschlag von 3,50 Prozentpunkten über der gleich laufenden deutschen Bundesobligation.

„Das Volumen ist für GM recht klein, und die Laufzeit ist kurz. Denn der Konzern weiß, dass Investoren davon ausgehen, dass GM über die nächsten zwei Jahre zahlungsfähig bleibt“, sagte Christoph Boulanger, Analyst für Autoanleihen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Emission sei für den Konzern aber teuer. Vor einigen Monaten waren die Risikoaufschläge der GM-Bonds noch höher, haben sich inzwischen aber wieder erholt. Sie liegen aber schon lange deutlich über denen von anderen Unternehmen mit ähnlichen Ratings.

Der US-Autokonzern Ford, der im Mai ebenfalls von Standard & Poor’s (S&P) auf Junk-Niveau herabgestuft worden war, hatte schon Anfang Juni eine dreijährige Anleihe über 1,5 Mrd. Dollar begeben. Dafür zahlte Ford einen Renditeaufschlag von 3,30 Prozentpunkten über der dreijährigen US-Staatsanleihe.

Das Debakel um GM und Ford hatte den Markt für neue Unternehmensanleihen zeitweise komplett lahm gelegt. Seit Juni läuft das Geschäft aber wieder. Gestern holte auch der deutsche Kabelbetreiber Iesy seine im April verschobenen Emissionspläne wieder aus der Schublade. Unter Federführung von Deutscher Bank, Citigroup und JP Morgan will Iesy in den nächsten Tagen einen zehnjährigen Bond über 360 Mill. Euro begeben. Die Ratingagenturen S&P und Moody’s stufen die Anleihe mit „CCC+“ bzw. „Caa1“ ein und damit als stark ausfallgefährdet. Die Anleihe soll um die 10,25 Prozent rentieren.

Unter den Staaten begab Portugal eine zehnjährige Anleihe, die mit drei Mrd. Euro um 500 Mill. Euro größer ausfiel als zunächst erwartet. Gepreist wurde die Anleihe mit einem Renditeaufschlag von 0,15 Prozentpunkten über der zehnjährigen Bundesanleihe. Vergangene Woche hatte S&P das Rating Portugals auf „AA-“ gesenkt.

Im Handel hielten sich europäische Staatsanleihen und Terminkontrakte gestern nach den Verlusten des Vortags sehr gut. Der besser als erwartete ISM-Index, der die Stimmung im US-Dienstleistungssektor misst belastete die Anleihen nicht.

Zum Handelsende lag der Bund-Future – der Terminkontrakt auf lang laufende Bundesanleihen und Indikator für die Stimmung an den Bondmärkten der Euro–Zone – 0,07 Prozentpunkte im Minus bei 122,66 Prozent. Die zehnjährige Bundesanleihe stieg leicht auf 3,22 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe lag auf Vortagesniveau bei 4,08 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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