EU greift durch
Kein Wildwest mehr an Europas Finanzmärkten

Ein EU-Kommissar spielt den Sheriff der Finanzmärkte. Er fordert: Zocker sollen hart bestraft, die Ratingagenturen gebändigt und der schnelle Computerhandel eingeschränkt werden.
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Die EU will die Ratingagenturen zähmen und sich Finanzbetrüger vorknöpfen. Die EU-Kommission will den Ratingagenturen notfalls verbieten, Urteile über die Kreditwürdigkeit kriselnder EU-Länder zu veröffentlichen. So soll deren Lage in einer Schuldenkrise nicht noch verschärft werden. Einen entsprechenden Vorschlag kündigte die Behörde am Donnerstag in Brüssel für November an. „Die Moral ist bei einigen Finanzmarktgeschäften total auf der Strecke geblieben“, beklagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Die drei führenden US-Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch verschärfen nach Ansicht der Kommission noch die Lage von Schuldenstaaten, weil schlechtere Noten die Zinsen für Anleihen in die Höhe treiben.

„Das Thermometer (..) muss richtig funktionieren, um nicht mehr Fieber anzuzeigen, als tatsächlich vorherrscht“, sagte Barnier. Das Verbot soll für Länder gelten, die Finanzhilfe erhielten, also aktuell wären das Griechenland, Portugal und Irland.

Zudem legte die Behörde Reformpläne für die Finanzmarkt-Aufsicht vor. Demnach sollen Händler, die Kurse manipulieren, nicht mehr ohne Strafe davonkommen. An der Börse will Brüssel als Mittel gegen gefährliche Kursschwankungen den schnellen Computerhandel stoppen.

Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen der Novelle der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid und den weiteren Plänen noch zustimmen. Bis die Vorschläge in Kraft treten können, dürfte es noch ein bis zwei Jahre dauern.

Wer Insiderhandel betreibt oder Kurse manipuliert, müsste künftig eine Geldstrafe von mindestens fünf Millionen Euro fürchten. Bei Firmen soll die Geldbuße bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes ausmachen.

„Schlupflöcher darf es nicht mehr geben“, sagte Barnier. In Deutschland werden Händler, die Insiderwissen für ihre Geschäfte nutzen, verfolgt, in anderen EU-Ländern nicht.

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Schnellen Computerhandel stoppen

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  • Haben SIE sich wirklich SO im Griff? Ich glaube, das wünschen sie sich vielleicht in ihren Träumen..


    Ich meine, wenn einmal das Vertrauen in die Wirtschaft vollkommen verschwindet, dann hilft auch gar kein Rettungsversuch mer, und was DANN kommt, das werden sie nicht mal in ihren Alpträumen ausmalen wollen...


    Daher ist es wichtig, endlich eine Kontrollinstanz für das Wirtschaftsgebaren zu schaffen, die verhindert, das weder unten oder auch oben die Maßlosigkeitr regiert!!

    DIESE ist nämlich erst schuld daran, das es so weit gekommen ist wie es ist und da helfen auch alle Freiheiten nichts, die man der Wirtschaft immer so gerne an dichtet

    SIE ist in Wahrhgeit das Ende jedem fairen Handels!!


    Wacht auf und kommt von eurem Geldverdiener-Trip endlich mal runter..

  • @Logo23
    Solch ich ihnen mal sagen, wer sich vor allem an den Urteilen der Ratings ausrichtet? Sämtliche als solide Investoren geltenden Marktteilnhemer wie Versicherungsfonds, Investmentfonds, Staatsfonds ect. (weil sie teilweise übrigens von den Regierungen dazu verpflichtet worden sind, nur top bewertete Assets ins Portfolio buchen zu dürfen). Also die klar größten Geldpools. Die bewegen in der Hauptsache die Kurse der Staatsanleihen. Warum machen die das? Damit sie ihre zukünftige Rente nicht zebröseln.
    Einige kurzfristige Spekulanten reagieren dann auf die durch diese Akteure verursachten Preisbewegungen und nehmen dann nicht selten sogar die Gegenposition ein, weil in dem Umfeld sonst keiner bereit dazu ist.
    Die Anleihemärkte sind keine Pennystocks, wo mit vergleichsweise geringem Kapitalaufwand die Kurse langfristig beeinflusst werden können.
    Leider übernimmt mittlerweile fast jeder tolle Experte und Journalist den gleichen Stuß der Politiker vom Angriff der Spekulanten auf die Euroländer.
    Die Renditen gehen hoch, weil wirkliche Big Player das Vertrauen verlieren und zu Recht ihr Geld in Sicherheit bringen wollen.

  • Es ist immer das gleiche mit der Politik. Jahrelang verbockt und verzockt sie unser Geld, damit sie ja wiedergewählt werden. Und wenn das System an dem Punkt angekommen ist, wo die Schuldenlast anfängt alles zu erdrücken, versuchen sie einfach sämtliches auszuschalten, was auf ihre Unfähigkeit hinweist.

    Keine einzige Studie kam zu dem Ergebnis (und es gab bereits einige von verschiedenen Auftraggebern), dass der Computerhandel tatsächlich negative Auswirkungen auf die Preisfindung an den Börsen hat.

    Ich weiss nicht ob es die Politiker selbst glauben, oder ob sie einfach nur dreist genug sind, die Schuld der Krise ernsthaft den Finanzmärkten in die Schuhe zu schieben. Jeder der nur einen kleinen Zellklumpen innerhalb des Schädelknochen trägt, kennt Ursache und Wirkung der aktuellen Misere. Erst wurden die Schulden anghäuft, und dann fingen die Märkte langsam an zu begreifen, wo das alles hinführen wird.
    Die starke Volatilität hat einen einzigen Grund: Alle Marktteilnehmer sind hochgradig verunsichert (absolut zu Recht), weil clevere Leute wissen, dass es so nicht mehr weitergehen kann und auch wird. Ganz Europa ist an einem Point of no Return angekommen und das ist ein Ereignis, welches nur alle paar Jahrzehnte auftritt. Da ist es klar, dass auch die Finanzmärkte entsprechend reagieren, denn sie sind nur ein Spiegelbild der Realität.

    Es ist einfach nur gaaaanz arm, was diese Politiker veranstalten.

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