EU-Schuldenkrise
Moody's will Spanien an den Kragen

Heute reiht sich auch Spanien bei den Ländern ein, die vor der Entscheidung einer Ratingagentur zittern müssen: Moody's hat am Morgen angedroht, die Bonität des Schuldensünders herabzustufen.
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FrankfurtDie Ratingagentur Moody's hat dem Euro-Schuldensünder Spanien eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit angedroht. Die Bewertung der spanischen Bonität mit „Aa2“ werde überprüft, teilte Moody's am Freitag mit, eine neuerliche Herabstufung in den kommenden drei Monaten sei möglich. Je schlechter die Bonität eines Staates beurteilt wird, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte am Freitag, einerseits kündige die US-Ratingagentur eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens an. Anderseits bescheinige sie der spanischen Regierung eine gute Arbeit bei der Bewältigung der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme.

Zapatero äußerte sich zuversichtlich, dass Moody's ihre Drohung nicht in die Tat umsetzen werde. Die Reformen und Anstrengungen der Regierung zur Reduzierung des spanischen Staatsdefizits seien nämlich „glaubwürdig“. Außerdem sei die Finanzierungskapazität des südeuropäischen Landes „solide“.

Sollte es zu einer Herabstufung kommen, wäre eine Stufe wahrscheinlich. Vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise sieht Moody's „wachsende Risiken“ für die Besitzer von spanischen Staatsanleihen, hieß es als Begründung. Der Finanzierungsdruck auf die Südeuropäer dürfte nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland wachsen. Außerdem sei die konjunkturelle Entwicklung des Mittelmeerlandes nach wie vor schwach. Der Euro gab in Reaktion auf die Moody's Mitteilung zum Dollar spürbar nach. Er fiel unter die Marke von 1,43 US-Dollar.

Hohe Arbeitslosigkeit und Zinsen

"Diese Nachricht ist ein Schlag für Europas Anstrengungen, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen", sagte Kornelius Purps, Stratege für Festverzinsliche bei UniCredit SpA in München, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Spanien kämpft weiter mit den Folgen des Zusammenbruchs des dortigen Immobilienmarktes und einer Arbeitslosigkeit über 20 Prozent. Am Freitag gab die Regierung in Madrid bekannt, dass die Arbeitslosigkeit von 21,3 auf 20,9 auf rückläufig sei. Dennoch bleibt es der höchste Prozentsatz in der EU. Die Staatsverschuldung Spaniens ist zwar nicht so hoch wie die Griechenlands. Dennoch sind die Zinsen für Staatsanleihen, mit deren Verkauf sich Madrid neues Geld auf dem Kapitalmarkt besorgt, in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

Für ihre Einstufungen verwendet Moody's einen Buchstabencode: Die Skala beginnt mit der Bestnote Aaa (Englisch: „Triple A“). Es folgen Aa, A, Baa, Ba, B, Caa, Ca, C. Zudem werden die Ratings jeweils mit Zahlen von eins bis drei unterteilt. Aa1 ist also besser als Aa2. Ab der Note Ba1 beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis C - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Die beiden anderen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch verwenden leicht abgewandelte Buchstabencodes.

Als Reaktion starteten die deutschen Staatsanleihen mit starken Gewinnen in den Handel. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg am Morgen um 0,36 Prozent auf 129,90 Punkte und knüpfte damit an den Höhenflug der vergangenen Handelstage an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,636 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Spanien hätte aus der Euro-Einführung für das Land sehr wohl etwas machen können, es hat aber den billigen Zinswert nur genutzt, um sich neureich aufzupolieren. In Investitonen wurde nichts verplant, alles nur von der Hand in den Mund verkonsumiert. Ich finde, Spanien ist nach Griechenland das schlimmste Land der Eurozone: 25 Jahre hat man sich einen Dreck um Europa geschert, nur das Geld aus Brüssel abkassiert. Man schaue sich mal die pharaonisch anmutenden Paläste oder Flughäfen an, die da teils oder ganz von fremdem Geld finanziert wurden: Ciudad Real, zum Beispiel. Und das "Schönste" ist: Da kreisen bereits die Pleitegeier drüber! Ähnliches gilt für die unzähligen Bauruinen im ganzen Land. Die sozialistische Regierung unter Zapatero hat das Land gänzlich in den Ruin getrieben: Mit über 20 % Arbeitslosigkeit muss man sich nicht noch mit einer, wie Spanier gerne tun, niedrigeren Schuldenrate wie Deutschland schmücken, denn 20 % Arbeitslosigkeit regeln alles von selbst. Das wird man in ein paar Wochen sehen, wenn die Ratingagenturen das Land vollkommen zu Recht herabstufen werden!

  • Der kleine und feine Unterschied: Die USA haben eine eigene Währung, die sie zur Not bis zu 100 Prozent inflationieren können. Gib Spanien wieder seine Pesetas und das Gros der Krise ist gegessen.

  • Wer hier schon wieder auf Ratingagenturen schimpft, der sollte sich lieber einmal die Haushaltszahlen der benanten Krisenländer genauer anschauen. Spanien hat 45 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Hunderttausende von Immobilienbesitzern stehen vor dem Aus, weil sie - wie dort üblich - mit variablen Zinssätzen ihre viel zu teuren und nun vom Leerstand bedrohten Immobilien beliehen haben. Die finanzierenden Banken werden bald ebenfalls vor dem Exidus stehen. Der Tourismusbereich ist angeschlagen - wie sollte es auch anders sein in einer ganz Europa überziehenden Krise. Die in der Vergangenheit stark gestiegenen Löhne haben die Industrie vertrieben. Nicht umsonst macht selbst der zu VW gehörende Seat-Konzern seit Jahren Miese. Wer hier an eine schnelle Gesundung glaubt, ist ein Träumer. Spanien wird - wie alle Mittelmeerstaaten - am Euro zugrunde gehen, noch bevor unsere feinen Politiker endlich erkennen, dass unsere Chaoswährung der eigentliche Grund für diese sich täglich zuspitzende Misere ist.

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