Euro-Krise: Griechenland vor Rückkehr an den Kapitalmarkt

Euro-Krise
Griechenland vor Rückkehr an den Kapitalmarkt

Es wäre ein Symbol, das ein Ende der Euro-Krise markieren könnte: Griechenland will nach vier Jahren an den Kapitalmarkt zurückkehren. Schon bald soll es neue Anleihen geben. Nicht jeder verfolgt den Plan mit Wohlwollen.
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AthenGriechenland will sich wieder aus eigener Kraft finanzieren. Das Land werde voraussichtlich noch vor Mai erstmals seit vier Jahren Anleihen begeben, erklärte Infrastruktur-Minister Michalis Chrisochoides. Die Emission sei Teil einer Reihe positiver Entwicklungen vor den im Mai anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament.

„Wir werden die nächste Kredittranche erhalten, das Land wird an die Märkte zurückkehren, mit einem leicht erhöhten Zinssatz, der später sinken wird, und Griechenland wird nicht in dem Drama der vierteljährlichen Troika-Prüfungen verharren“, sagte Chrisochoides am Montag in einem Interview mit Bloomberg in Athen.

Auch Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras hatte mehrfach erklärt, sein Land strebe wieder den Kapitalmarkt an. Das würde ein Ende der Griechenland- Krise markieren, die ein Auslöser für die Staatsschuldenkrise im Euroraum war.

Doch nicht jeder verfolgt die ehrgeizigen Pläne mit Wohlwollen. Die sogenannte Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds sorgt sich nämlich, dass Griechenland die Fehler aus der Vergangenheit wiederholt. Die Bedingungen der Rettungskredite, die erstmals 2010 vergeben wurden, verlangen von der griechischen Regierung wirtschaftliche und haushaltspolitische Reformen. Die Fortschritte werden von der Troika regelmäßig überprüft.

„Die Troika stellt jetzt fest, dass sie zu sehr auf Sparmaßnahmen statt auf Strukturreformen ausgerichtet war, als Griechenland ein Haushaltsdefizit von zehn Prozent hatte”, sagt Zinsstratege Michael Michaelides von der Royal Bank of Scotland. „Eine Rückkehr an den Markt würde bedeuten, dass einige der härteren Reformen niemals umgesetzt werden.”

Rendite sinkt auf Vorkrisenniveau

Die Rendite der zehnjährigen Griechenland-Anleihe sank in der vergangenen Woche mit 6,65 Prozent auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren und erreichte damit Vorkrisenniveau. Zum Vergleich: Im März 2012 war die Rendite auf den Rekordstand von 37,1 Prozent geklettert.

„Die griechischen Bondrenditen kommen sehr schön herunter”, sagte Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank in London. „Eine zwei- bis fünfjährige Platzierung zu einer für Griechenland akzeptablen Rendite sollte kein großes Problem sein - sofern nichts Schlimmes passiert, wie etwa ein Auseinanderbrechen der Koalition.”

Der Einfluss der Troika auf Samaras wird bereits schwächer. Die Wirtschaft schüttelt eine seit sechs Jahren anhaltende Rezession ab. Leistungsbilanz und Primärhaushalt weisen einen Überschuss auf, so dass der Ministerpräsident genügend Geld in der Staatskasse hat, um Gehälter und Pensionen im öffentlichen Dienst zu bezahlen. Geld aufnehmen muss er noch für die Ablösung der Staatsschulden im Volumen von 321 Milliarden Euro.

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Regierung erwartet Primärüberschuss aus 2013

Kommentare zu " Euro-Krise: Griechenland vor Rückkehr an den Kapitalmarkt"

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  • Man glaubt es nicht, fortgesetzes Tarnen und Täuschen mit regelmässigem Nebelkerzenwurf seit dem Eurobeitritt:

    Z U R E R I N N E R U N G

    Zuerst ernsthaft die Schuldentilgung organisieren, zurück zur Rechtsstaatlichkeit und den angerichteten Schaden wieder gutmachen. Raus aus dem Euro und zurück zur Drachme. Steuern erheben, einen Rechtsstaat vorzeigen. Vorher keinen Cent mehr. Der Euro und Europa gehen sonst zu Grunde.

    Eine Politik, die hier weiter Geld der deutschen Sparer und Steuerzahler im schwarzen Loch versenkt muss verhindert werden. Deutsche Sparer und Steuerzahler weiter schädigen?! Wer spart und für sich vorsorgt ist der Dumme. Verschwenden, Schulden machen und dann Schnitt? Nein, so geht das nicht weiter, bald sind Europawahlen!

  • Die Griechen erweisen sich als dankbar

    Nachdem die Europäer die Zinsen gesenkt und die Kreditlaufzeiten verlängert haben, bedanken sich die Griechen, indem sie den Banken "erhöhte Zinsen" gewähren. Für die Rückzahlung der Anleihen werden dann wieder die Europäer zuständig sein. Hauptsache das griechische Schuldenrad dreht sich weiter.

  • So ein Schwachsinn!
    Der Kapitalmarkt heißt EZB und die EZB wird von Deutschland per Bürgschaften und Zahlungen gestützt!

    Griechenland ist PLEITE und gehört schon längst aus dem EURO. Griechenland braucht wieder seine eigene Währung! Nur so ist ein wirtschaftlicher und politischer Neuanfang in Griechenland zu machen.

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