Euro-Krise
„Spanien hat keinen Plan“

Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen sinken. Doch für Entwarnung ist es viel zu früh. Experten gehen davon aus, dass sich die Situation in Südeuropa weiter verschärfen wird.
  • 17

Entwarnung für Spanien. Vorerst zumindest. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen sank um zuletzt 18 Basispunkte auf 6,81 Prozent und ließ damit die kritische Marke von sieben Prozent wieder hinter sich. Am Dienstag war die Rendite zeitweise bis auf 7,19 Prozent geklettert und erreichte damit einen Rekordwert für die Zeit seit der Euro-Einführung. Morgen steht eine Bond-Auktion Spaniens an, deren Verlauf mit Spannung erwartet wird.
Bei den zehnjährigen italienischen Staatsanleihen lag die Rendite zuletzt 12 Basispunkte niedriger bei 5,78 Prozent. “Es wird darüber geredet, dass der ESM spanische und italienische Bonds kaufen kann, und das soll offenbar auf europäischer Ebene diskutiert werden”, sagte Padhraic Garvey, Leiter Anleihen Industrieländer bei der ING Groep NV in Amsterdam. “Das gibt Italien und Spanien kurzfristig Unterstützung”. Es sei aber derzeit nur Gerede und noch nichts Konkretes, fügte er an.

Experten gehen davon, dass die Zeit langsam knapp wird für die Spanier, doch noch um ein Rettungspaket herumzukommen.  Das Zeitfenster dürfte sich auf einen Zeitraum von wenigen Wochen bis maximal fünf Monate begrenzen. Das geht aus einer Notiz von Rabobank International hervor. Die Bank beruft sich dabei auf die bereits erfolgten Rettungsaktionen von Portugal, Irland und Griechenland.
Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen war am Montag deutlich hochgeschnellt und hatte die psychologisch wichtige Marke von sieben Prozent überschritten. Auf diesem Niveau waren die Rettungsaktionen für Griechenland, Irland sowie Portugal ausgelöst worden.
Laut ING dauerte es im Fall von Irland und Griechenland nur wenige Wochen, bis nach Überschreiten der 7-Prozent-Marke die internationale Hilfe angefragt werden musste. Bei Portugal seien es etwa fünf Monate gewesen.
Weil Spanien bereits mehr als die Hälfte seiner Finanz- Bedürfnisse für das laufende Jahr abgedeckt habe, könne das Land möglicherweise länger aushalten als Griechenland und Irland. Auf der anderen Seite ähnelt der Fall Spanien laut ING jedoch sehr stark dem Irlands, wo die Banken ebenfalls ein Hauptbelastungsfaktor waren.

Seite 1:

„Spanien hat keinen Plan“

Seite 2:

Es hat sich nichts geändert

Kommentare zu " Euro-Krise: „Spanien hat keinen Plan“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es liegt ja nicht einmal unbedingt am Geld.

    Aber die Staaten brauchen funktionierende Institutionen und unabhängige Gerichte. Und wenn der Staat nicht alles in ein Korsett drückt, wie in der DDR, dann kann sich auch die Wirtschaft wieder entwicklen. Aber bei 100 Genehmigungen für eine Unternehmensgründung kann einem eben als junger, dynamischer, innovativer Menschen die Lust vergehen.

  • Absolut! Wenn alle warten, dass der passende Job an Tür klingelt, wird man nur frustriert demonstrieren können. Aber auch davon fallen die Jobs nicht vom Himmel.

  • „Spanien hat keinen Plan“

    Und Deutschland? Welchen Plan hat Deutschland?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%