Euro-Rettungsschirm
Experten fürchten Ausweitung der Schuldenkrise

Die Lage für das hochverschuldete Portugal verschärft sich. Experten gehen davon aus, dass das Land schon bald auf Hilfe der anderen Euro-Staaten angewiesen sein wird. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank fordert die Politik zum Handeln auf. Auch viele Unternehmer fürchten, dass die Schuldenkrise den Aufschwung in Gefahr bringen könnte. Bundeswirtschaftsminister Brüderle warnt hingegen vor Aktionismus.
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HB BERLIN/FRANKFURT. Nach Irland wird nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, voraussichtlich auch Portugal auf die Hilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds zurückgreifen müssen. Er würde sich nicht wundern, wenn Portugal in absehbarer Zeit ebenfalls unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müsse, sagte Mayer in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Das hoch verschuldete EU-Land wäre gut beraten, dies zügig zu tun. "Irgendwann wäre es wohl sowieso fällig. Man könnte eine Hängepartie abkürzen." Dagegen könnten Spanien, Italien und Belgien ihre Schuldenlast voraussichtlich alleine stemmen, sagte der Ökonom. "Ich glaube, das Misstrauen gegenüber Spanien ist übertrieben." Das südeuropäische Land stehe viel besser da als Griechenland, Irland und Portugal.

"Die Konsensmeinung am Markt lautet, dass die Möglichkeiten von Portugal, sich ohne Hilfe zu finanzieren, ziemlich begrenzt sind", sagt auch Jamie Stuttard, Leiter Festverzinsliche Europa und Großbritannien bei Schroders Plc in London. "Die Investoren haben Anlagealternativen."

Die Lage für Portugal wird zusätzlich verschärft, da im kommenden Jahr eine Flut von Anleiheauktionen bonitätsstärkerer Staaten ansteht. Das gesamte Emissionsvolumen von Ländern der Euro-Zone dürfte im nächsten Jahr 863 Mrd. Euro erreichen, schätzt Strategin Elaine Lin von Morgan Stanley. Das ist zwar niedriger als die 925 Mrd. Euro in diesem Jahr, liegt historisch gesehen aber immer noch auf einem hohen Niveau und über dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2008. Nach den diesjährigen Rettungsaktionen müssen aber weder Griechenland noch Irland 2011 den Kapitalmarkt anzapfen.

"Wir sehen die Gefahr, dass Portugal es letztlich nicht vermeiden kann, die Europäische Finanzstabilitätsfazilität in Anspruch zu nehmen, weil der Zugang zu Finanzierungen verschlossen sein wird,", schrieb Laurence Mutkin, Strategiechef für europäische festverzinsliche Papiere bei Morgan Stanley in einer Analyse vom 10. Dezember. Die Bank schätzt, dass Portugal im nächsten Jahr Anleihen im Volumen von 17 Mrd. Euro begeben muss.

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  • ACKERMANN!! - SCHMEiß iHN RAUS ! - DER bRiNGTS NiCHT
    Das Prinzip ist klar: in dem Ausmaß man krisen- und revoltenhafte Stimmungen in Griechenland, irland, Portugal und belgien dämpft, umso mehr werden sie hierzulande geschürt. - Eine Zwangsläufigkeit.
    Sah einen Fernseh-Talk, in welchem Meyer sich über Tischgespräche mit CEOs amerikanischer Pensionsfonds äußert: Von diesen läßt er sich die Welt erklären. Dann ist sein Niveau, sich auch im Zoo-Aquarium vom Studium der Haie das Globalwirtschaftsverhalten abzuleiten.
    Aber es ist hier wohl keinem entgangen, daß Aussagen von Morgan Stanley und Deutscher bank zusammengefügt wurden. Es ist ein Wort mit 26 buchstaben, welches den Schwachsinn des noch so jungen Jahrzehnts unserer Wirtschaftsdenker kennzeichnet und krönt:
    "FiNANZSTAbiLiTÄTSFAZiLiTÄT"!
    Sinkende Gesamtsumme der europäischen Staatsanleihen für 2011 von 925 Mrd. € auf 863 Mrd. € gehen von derzeitigen Zinsvorstellungen aus.
    Diese werden nicht eintreten.
    PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
    EVEN EiRE iS ON THE ROCKS !
    FiDDLESTiCKS - PORTUGAL ESTÀ FALiDO !
    FiDDLESTiCKS - bELGiQUE EST EN FAiLLiTE !

  • Und dem so genannten "Wirtschaftsweisen" bofinger fällt nichts anderes ein als frech zu behaupten, durch Eurobonds seien die Probleme zu lösen, ohne das Deutschland mehr zahlen müsse.
    Aber schuld sind gemäß den Foren ja dimmer die banker .....!

  • Eher bricht in Europa ein Krieg aus, als dass es mal so funktioniert, dass es langfristig hält!

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