Euro-Zone: Anleihenmarkt mit Licht und Schatten

Euro-Zone
Anleihenmarkt mit Licht und Schatten

Spanien und Frankreich haben etwas Luft bekommen, nachdem sie neue Anleihen erfolgreich versteigern konnten. Dafür wachsen die Sorgen um Portugal.
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FrankfurtDie Lage am europäischen Anleihemarkt hat sich zum Wochenausklang deutlich entspannt - mit einer Ausnahme: Sorgen bereitet das hochverschuldete Portugal, wo die Risikoaufschläge für Staatsanleihen in den letzten Wochen deutlich angezogen haben.

Bei den Euro-Schwergewichten Italien und Spanien setzte sich die seit Tagen zu beobachtende Erholung am Freitag fort. Auch in wichtigen Kernländern wie Frankreich, die vor allem im Herbst von der Schuldenkrise erfasst worden waren, ist die Situation mittlerweile sichtlich besser geworden.

Ausschlaggebend für die spürbare Entspannung an vielen Anleihemärkten des Währungsraums waren zuletzt erfolgreiche Auktionen neuer Staatspapiere. Insbesondere die Euroländer Nummer drei und vier, Italien und Spanien, hatten unlängst problemlos frisches Geld einsammeln können. Am Freitag konnte sich Italien sogar so günstig wie seit Mai 2011 nicht mehr refinanzieren. Zudem war die Nachfrage nach italienischen und spanischen Papieren bis zuletzt robust.

Im Spätherbst 2011 sah das noch ganz anders aus: Seinerzeit waren insbesondere Italien und Spanien unter massiven Druck geraten. Frisches Kapital erhielten die beiden Länder nur noch, indem sie den Anlegern sehr hohe, teils sogar rekordhohe Zinsen boten. Auch am freien Markt, wo bestehende Staatsanleihen gehandelt werden, sind die Renditen zuletzt deutlich zurückgegangen. So fiel die Rendite von zehnjährigen italienischen Anleihen am Freitag unter die Marke von sechs Prozent und die von spanischen Anleihen unter fünf Prozent.

Im Gegensatz dazu hat sich die Lage am Anleihemarkt Portugals seit Jahresbeginn eingetrübt. Zwar ist der kleine Nachbarstaat Spaniens derzeit nicht auf den Kapitalmarkt angewiesen, da es vom europäischen Rettungsfonds EFSF refinanziert wird. Dennoch senden Renditen und Risikoaufschläge für Staatsanleihen ein wichtiges Signal für das Vertrauen der Investoren. Derzeit rentiert die richtungsweisende zehnjährige Anleihe Portugals mit rund 14,3 Prozent. Vor zwei Wochen lag die Rendite noch unter 12 Prozent.

Experten nennen gleich mehrere Gründe dafür: Portugal wird seit der jüngsten Bonitätsherabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's nun von allen drei großen Ratingagenturen als unzuverlässiger Schuldner bewertet. Deswegen sind viele institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen dazu gezwungen, die Papiere abzustoßen. Das lastet auf den Kursen der Staatstitel und treibt deren Rendite nach oben.

Darüber hinaus wird die Stimmung von den zähen Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt belastet. Experten verweisen zwar darauf, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Portugal und Griechenland gibt. Auch steht Lissabon beim Schuldenstand bei weitem nicht so schlecht da wie Athen. Allerdings ist Portugal ein wachstums- und strukturschwaches Land. Deswegen zweifeln einige Experten daran, ob es Portugal gelingt, seine Schuldensituation selbst in den Griff zu bekommen. So kam das Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW unlängst zu dem Schluss, dass auch in Portugal ein Schuldenschnitt über kurz oder lang unausweichlich ist.

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