Euro-Zone
Verkehrte Zinswelt

Draghi hat ganze Arbeit geleistet: Spanien zahlt weniger Zinsen als die USA. Auch Italien und Portugal können sich billig wie nie verschulden. Warum das kein gutes Zeichen ist – und Investoren trotzdem kaufen.
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DüsseldorfEines muss man Mario Draghi lassen: Er versteht es, die Märkte zu bewegen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag angekündigt, mehr billiges Geld bereitzustellen – seitdem fallen die Zinsen in der Euro-Zone noch weiter. Die fast schon kuriose Folge: Die Zinsen für Anleihen aus Spanien sind inzwischen niedriger als für jene der USA. Auch die Renditen für italienische und irische Papiere fallen immer weiter. Die Länder können sich so billig wie nie verschulden.

„Die Kreditwürdigkeit Spaniens ist schlechter als die der USA – aber das ist nicht entscheidend“, sagt Harald Preißler, Investmentchef des Anleihespezialisten Bantleon. Entscheidend ist die Geldpolitik: „Die EZB hat sich ganz klar festgelegt, dass sie die Zinsen noch lange sehr niedrig halten wird.“

In der vergangenen Wochen hat die EZB gleich mehrere denkwürdige Beschlüsse gefasst: Erstens sinken die Leitzinsen auf 0,15 Prozent. Zweitens erhalten Banken langfristige Kredite zum Nulltarif. Drittens müssen Banken künftig Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der Zentralbank parken wollen. Die Notenbank will so eine drohende Deflation in Südeuropa verhindern – tatsächlich befeuert sie den Run auf Anleihen aus Krisenstaaten.

Die neuerliche Zinssenkung schlägt sich in steigenden Anleihekursen und sinkenden Renditen nieder. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen fiel am Dienstag bis auf 2,58 Prozent. Die Rendite für italienische Papiere mit gleicher Laufzeit liegt nur noch bei 2,74 Prozent. Portugal liegt bei 3,22 Prozent. Selbst Griechenland kommt mit 5,47 Prozent gut weg. Zum Vergleich: Die Rendite von US-Staatsanleihen beträgt aktuell 2,6 Prozent.

Die Kreditwürdigkeit spielt für Investoren im Moment eine untergeordnete Rolle. Schließlich garantiert die EZB für alles. Noch vor zwei Jahren sah das ganz anders aus.

Kommentare zu " Euro-Zone: Verkehrte Zinswelt"

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  • Solange man aus griechischen Schrottanleihen, deren Rückzahlung der nur auf Abruf bestellte Draghi von Rockefeller garantiert, über 5% Renditen ziehen kann, ist der Klumpen Europäische Union nichts als ein Schrotthaufen, der schnellstmöglichst beseitigt werden sollte, denn er ist auch jetzt schon unbezahlbar und als Staatsgebilde schon immer völlig untauglich.

  • @ statesman

    Ein Zeichen von Dummheit ist es nicht zu erkennen dass Politikerbeamte den gesetzlichen Rahmen setzen innerhalb dessen sich Banken bewegen.

    Es ist Dummheit nicht zu erkennen dass Draghi ein Beamter einer staatlichen Institution ist. Politiker geben ihrem Beamten vor dass er die Zinsen senken soll damit der politisch gewollt aufgeblähte Beamtenapparat im Club Med aufrecht erhalten werden kann.

    Und noch größere Dummheit ist es nicht zu verstehen dass niemand in D gezwungen wird in Euro-Schuldpapiere zu sparen. Man darf (noch) in ausländische Währungs-Schuldpapiere oder Sachwerte sparen.

    Was soll also das Gejammer ob der sinkenden Zinsen? Jede Lebensversicherung kann gekündigt oder zumindest für weitere Einzahlungen stillgelegt werden.

    Wenn man bei 2% politisch gewollter Zielinflation und zusätzlichen Kapitalertragsteuern meint sein Geld in Schuldscheinen anlegen zu müssen ist das ein sicheres Zeichen finanzieller Dummheit.

    Und wenn man sich die Finanzstrategien der Altersarmen in den 40 Jahren vor der Rente betrachtet sieht man in 99% individuelles Fehlverhalten.

  • ... kann man durchaus so sehen !

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