Eurokrise
Moody's stuft deutsche Banken herab

Die New Yorker und die Pariser Töchter der Commerzbank werden von der Ratingagentur Moodys herabgestuft. Zu groß sei das Risiko durch die Finanzkrise in der Euro-Zone. Deutsche Bank-Töchter werden später beurteilt.
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SydneyDie Ratingagentur Moody's hat wegen der europäischen Schuldenkrise die Kreditwürdigkeit der Commerzbank und neun weiterer Banken in Deutschland und Österreich herabgestuft. Die Bonitätsprüfer senkten die Benotung der Commerzbank um eine Stufe auf „A3“. Zudem ist der Ausblick negativ, wie die Ratingagentur am Mittwoch mitteilte. Das bedeutet, dass Moody's die Gefahr einer weiteren Herabstufung sieht. Das teilverstaatlichte Institut wollte die Entscheidung nicht kommentieren.
Auch die Kreditwürdigkeit der genossenschaftlichen DZ Bank, der Dekabank, der Deutschen Hypothekenbank sowie der Landesbanken Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen und NordLB wurde um je eine Stufe herabgestuft. Ebenso erging es der deutschen Tochter der italienischen Unicredit, der HypoVereinsbank. Insgesamt erhielten sieben deutsche Geldhäuser und drei österreichischen Banken schlechtere Noten. Die Neubewertung der Deutschen Bank einschließlich Postbank ist den Angaben zufolge noch nicht abgeschlossen.
Die Institute kamen allerdings vergleichsweise glimpflich davon. „Ursprünglich hatten wir befürchtet, die zur Neubewertung stehenden Banken um zwei Stufen senken zu müssen“, sagte Moody's-Analystin Carola Schuler am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Refinanzierungsrisiken seien jedoch vergleichsweise gering. Zudem seien deutsche Banken heute liquider als noch vor einem Jahr.
Die Agentur begründete die Schritte mit Risiken überschuldeter Staaten und dortiger Banken, denen sich deutsche Institute nicht gänzlich entziehen könnten. Die Geldhäuser hätten nur begrenzte Fähigkeiten, Verluste abzufangen. Die Commerzbank war Ende März laut Geschäftsbericht mit rund 14 Milliarden Euro allein in Spanien engagiert, 4,4 Milliarden waren Forderungen gegenüber Banken. Auch die Bewertungen der irischen und Luxemburger Tochtergesellschaften der Commerzbank wurde herabgesetzt.

Die Bewertungen der Ratingagenturen sind für die Geschäfte der Banken von nicht unerheblicher Bedeutung. Je schlechter die Bonität eines Schuldners eingeschätzt wird, desto teurer und schwieriger kann es für diesen werden, sich frisches Geld zu besorgen - denn die Geschäftspartner beurteilen die Risiken auch auf Basis der von den Agenturen vergebenen Buchstabencodes.
Die Börse reagierte gelassen. Die Commerzbank-Aktien legten in einem freundlichen Markt im Tagesverlauf zu.
In Österreich wurde die Benotung der Unicredit Austria und der börsennotierten Raiffeisen Bank um eine Stufe auf „A3“, beziehungsweise „A2“ gesenkt. Die Erste Bank erhielt sogar eine Herabstufung um zwei Noten auf „A3“. Die Risiken durch Problemkredite in osteuropäischen Kernmärkten österreichischer Banken bleiben nach Ansicht der Ratingagentur weiter hoch. Als weiteren Grund für die Herabstufung nannte Moody's das vergleichsweise geringe Eigenkapital der österreichischen Banken.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Eurokrise: Moody's stuft deutsche Banken herab"

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  • Mittels der Ratingagenturen wird Stimmung gemacht. Das ist keine Grundlage für irgendwelche Entscheidungen. Ich kann es nicht verstehen dass diesen Pamphleten so viel Beachtung geschenkt wird.

  • @Klardenker

    Ganz sicher nicht.

    Angst haben sollten vor allem diejenigen, die glauben ein "geändertes Konsumverhalten", was in der Regel der ideologisch verpackten Idee entspricht, "das System zu resetten", würde ihre Situation verbessern. Das Gegenteil wird der Fall sein. Allein das angeblich so "böse System" sorgt nämlich seit Jahrzehnten dafür, daß (in DE bspw.) fast 1/4 der Bevölkerung von Transferleistungen jeglicher Art ihr Dasein bestreitet, Transferleistungen, die im Fall des Zusammenbruchs über Monate und Jahre nicht werden geleistet werden können, sollte das "System" tatsächlich zusammenbrechen. Geht man, richtigerweise, dazu davon aus, daß eventuell vorhandene geldliche Rücklagen dieser Bürger dem einhergehenden Zusammenbruch der Bankenwirtschaft ebenso unmittelbar zum Opfer fallen würden, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, warum diese Gruppe irgendeinen substantiellen Vorteil aus der Sache tragen würde. Im Gegenteil, man wird sich in Wochenfrist um eine Krume Brot schlagen (müssen).


    Zwar würden am Ende damit die Schuldigen bestraft, denn wohin man auch schaut, lassen sich sowohl die unvernünftig hohe Staatsverschuldungen, als auch die teils absurd aus dem Ruder gelaufenen Staatshaushalte genau darauf zurück führen - der Wirtschaftsleistung vollkommen unangepasste Ausgaben im Sozialbereich, regelmäßig genau von diesen Bürgern gefordert und erwählt (und dazu von willfährigen, wählerstimmenhaschenden Politiker nur zu gerne umgesetzt, solange sich damit eine Wahl gewinnen lies) - aber es sollte eigentlich keine politische Zielsetzung sein, mehr als 1/4 der Gesellschaft in (echte) bittere Armut zu schicken.

    Unabwendbar wäre es im Falle des Zusammenbruchs des Finanzsystems dennoch, dem Besitzenden mit - wie nannten Sie es - "unnötig großem Besitz" wird das relativ egal sein. Im Gegenteil, der Besitz wird dann die "nötige Größe" haben, nämlich wenigstens groß genug, um aus dieser Situatiuon relativ unbeschadet wieder heraus zu kommen.

  • Wir haben alle zusammen dieses marode Konsumsystem geschaffen,das nicht ewig bestehen konnte.Immer mehr, immer größer, immer schneller geht eben nicht.Wir beuten uns gegenseitig aus, jeder ist nur auf seinen Vorteil bedacht.Und jetzt wundern wir uns,daß alles ins Wanken gerät.Uns ist jegliche ehrfurcht abhanden gekommen,dafür werden wir jetzt bestraft.Besonders diejenigen, die unnötig großen Besitz haben, müssen jetzt Angst haben!

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