Europäische Schuldenkrise: „Die Nothilfen funktionieren nicht“

Europäische Schuldenkrise
„Die Nothilfen funktionieren nicht“

Die Schuldenkrise hat Europa wieder eingeholt. Irland brauche Milliarden, um seine maroden Banken zu sanieren, hieß es am Wochenende. Zwar hat die Regierung in Dublin dementiert; die Investoren sind trotzdem verunsichert. Pimco-Chef Mohamed El-Erian glaubt nicht daran, dass die Rettungspakete der EU funktionieren.
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HB FRANKFURT. Die Sorgen sind zurück an den Anleihemärkten. Am Wochenende wurde spekuliert, dass Irland möglicherweise Kredite in Milliardenhöhe braucht, um die riesigen Löcher im Haushalt zu stopfen. Nichts da, ließ die Regierung in Dublin und der Internationale Währungsfonds postwendend verlauten. Doch die Unsicherheit wächst weiter.

Am Morgen sank der Kurs der 10-jährigen irischen Staatsanleihe weiter, umgekehrt stieg die Rendite um neun Basispunkte. Mittlerweile bekommen Anleger 6,228 Prozent Rendite für die Bonds von der Insel und damit deutlich mehr als Anfang Mai (5,8 Prozent), bevor die EU ihr 750 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt hatte. Auch bei den Anleihen anderer klammer EU-Staaten, Griechenland oder Portugal, waren die Risikoaufschläge zuletzt wieder deutlich gestiegen.

Die Zuversicht ist längst gewichen, Experten glauben, dass die Schuldenkrise in Europa noch lange nicht ausgestanden ist. "Dass die Risikoaufschläge nicht abnehmen, bedeutet, dass die Nothilfen nicht funktionieren", schrieb Mohamed El-Erian, Chef der bekannten US-Fondsgesellschaft Pimco.

Kreditausfall-Versicherungen, die sogenannten Swaps für irische Staatspapiere haben mit 422 Basispunkten das höchste Preisniveau erreicht, seit CMA im Jahr 2008 mit der Datenerhebung begann. Investoren, die Irland-Bonds absichern wollen, müssen fast zehnmal so viel wie bezahlen wie für die Absicherung von Staatsanleihen.

Nach Einschätzung der irischen Zentralbank droht ein Scheitern bei der geplanten Haushaltssanierung. Wegen der holprigen Konjunkturentwicklung sowie der hohen Kosten für Kredite und Bankenrettungen werde Irland die EU-Haushaltsziele bis 2014 wohl nicht wie geplant erreichen, teilte die Zentralbank am Montag mit. Eine gewisse Neuausrichtung der Haushaltspolitik sei für die nächsten Jahr unter bestimmten Bedingungen schon bald unerlässlich, sagte Notenbankchef Patrick Honohan.

Die Regierung dagegen mahnt zu Besonnenheit. "Es steckt absolut nichts Wahres in dem Gerücht, wonach Irland internationale Hilfe braucht", betonte ein Regierungssprecher am Freitag in Dublin. "Es basiert auf der falschen Interpretation eines Analysten-Kommentars." Die Tageszeitung "Irish Independent" hatte berichtet, Irland stehe "gefährlich nahe" davor, wie Griechenland den IWF und die Europäische Union (EU) um Milliardenhilfen zu bitten. Basis der Angaben waren Aussagen von Analysten der Bank Barclays Capital.

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