Europäische Schuldenkrise Investoren an den Anleihemärkten schlagen Alarm

Die Schuldenkrise der europäischen Peripheriestaaten geht in eine neue Runde. An den Anleihemärkten stoßen Investoren seit Tagen die Staatspapiere von Irland, Griechenland und Portugal. Die Kurse stürzen in den Keller, die Renditeabstände zu sicheren Bundesanleihen steigen auf Rekordniveau.
3 Kommentare
Brian Lenihan, Finanzminister von Irland, will sparen. Quelle: dpa

Brian Lenihan, Finanzminister von Irland, will sparen.

(Foto: dpa)

HB DÜSSELDORF. Droht Europa ein weiterer Schuldenschock? Glaubt man den Anleihemärkten, offenbar schon. Denn am Rentenmarkt sind die Kurse von Staatsanleihen der Krisenstaaten seit Tagen auf Talfahrt. Die Renditen, die sich gegenläufig entwickeln, schießen in die Höhe: Für zehnjährige irische und portugiesische Staatsanleihen liegen die Renditen so hoch wie nie seit Einführung des Euros. Die Zinsen für griechische Staatsanleihen sind ebenfalls auf Kurs in Richtung Allzeithoch.

Im Zentrum der Sorgen steht aktuell Irland. Das hoch verschuldete Land will im Haushalt für das kommende Jahr sechs Mrd. Euro einsparen. Binnen der nächsten vier Jahre sollen die Ausgaben insgesamt um 15 Mrd. Euro gekürzt werden.

Im Vorfeld der Erklärung von Finanzminister Brian Lenihan setzten die irischen Staatsanleihen zur Talfahrt an und auch anschließend ging es weiter abwärts. Die zehnjährigen Papiere fielen neun Tag in Folge und rutschten auf 82,80 Prozent ab. Die Rendite stieg auf einen neuen Rekordwert von mehr als 7,5 Prozent. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit erhöhte sich in der Spitze auf 550 Basispunkte.

Nach Meinung von Erik Nielsen, Chef-Ökonom für Europa bei Goldman Sachs, steht Irland vor einem brenzligen Monat. Die Regierung müsse den Haushaltsentwurf verabschieden und gleichzeitig die Investoren beschwichtigen. Es bestehe "ein reales Risiko", dass es der Regierung nicht gelinge, den Haushalt am 7. Dezember im Parlament zu verabschieden, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Mail Nielsens.

Nielsen sieht drei potenzielle Szenarien für Irland: Im ersten wird der irische Haushalt verabschiedet und die Renditeprämien der Staatsanleihen sinken so weit, dass das Land Anfang nächsten Jahres wieder an den Kapitalmarkt kommen kann. Im zweiten Szenario wird der Haushalt zwar angenommen, aber die Finanzierungskosten bleiben "untragbar" und die Regierung benötigt externe Hilfe. Als dritte Möglichkeit kann der Haushalt nicht im Parlament verabschiedet werden, darauf folgen vorzeitige Neuwahlen.

Allerdings hält Nielsen die irischen Schulden nicht für so dramatisch, dass sie - abgesehen von einigen unangnehmen Jahren mit negativem Wachstum - zu ernsthaften längerfristigen Problemen führen würden.

Die kurzfristige Sicht am Anleihemarkt ist deutlich pessimistischer - und zwar nicht nur mit Blick auf Irland. Mit dem erneuten Aufflammen der Schuldenkrise geht es auch für die anderen beiden europäischen Krisenstaaten massiv abwärts: Zehnjährige griechische Staatsanleihen rentierten am Freitag über elf Prozent und näherten sich damit dem Rekordwert von mehr als zwölf Prozent. Die Rendite für gleich laufende portugiesische Staatsanleihen sprang auf einen neuen Rekordwert von 6,5 Prozent.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Europäische Schuldenkrise - Investoren an den Anleihemärkten schlagen Alarm

3 Kommentare zu "Europäische Schuldenkrise: Investoren an den Anleihemärkten schlagen Alarm"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ k.h.a.: der Steuerzahler, der nie auf die idee käme?
    War es etwa nicht der Steuerzahler, der sich im Mai mit bunten bildern eines in braunem Paketpapier umhüllten handhabbarem Dings das Euro-Rettungspaket verkaufen ließ? Viele glauben daran und jeder, der mehr als 1 Stunde darüber nachdenkt weiß, daß Überschuldete nicht für ihre eigenen Schulden bürgen können?
    Der Steuerzahler - oder eine hohe Zahl von ihnen - WiLL nichts wissen. Dann wird er auch zahlen.

    @ Klaus: jede Spareinlage ist in irgendeinem Prozentsatz eben doch ein Zockergeschäft. Jeder Kredit ist dies ebenso, siehe US-immobilienkrise.
    Das ist nicht trennbar, so lange es um Geld geht, eine Währungs- und Tauschverabredung auf bunten Zetteln.

    Aufgefallen, daß der ARtikel von 32 % irland-Defizit nirgends anders zu finden ist als Donnerstag Abend beim Handelsblatt?
    Mal beobachten: bis das in den anderen Nachrichten auftaucht (wenn es auftaucht), dauert es immer mehr als 24 Stunden.
    Vielleicht Tagesschau 17:00 Uhr oder erst am Sonntag Abend...

  • irland, island etc. zeigen m.E. eines, die banken sind (in allen Ländern) zu groß geworden. Und, das ist das Schlimme, durch die Krise statt kleiner noch größer.

    Die Erhöhung des Eigenkapitals reicht nicht aus. Vielmehr müssen die banken aufgespalten werden, in einen Teil, der die normalen bankgeschäfte macht (Spareinlagen, Kredite (die nicht in dem Umfang wie bisher verbrieft weden dürfen) etc. und eine "Zockerbank".
    Wenn die Pleite geht, zahlen die Aktionäre und Gläubiger und nicht der Staat und Steuerzahler.

  • Solange die "externe" Hilfe nicht darin besteht, daß die EZb erneut zig Milliarden der faulen Anleihen aufkauft und damit uns Deutsche überwiegend die Zeche zahlen läßt, solange weder "Schirm" noch Griechenland-bürgschaft in Anspruch genommen wird, bleibt der heilsame Druck erhalten, es zu schaffen. Das gilt für alle. Und sonst müssen eben die nationalen Anleihen umgeschuldet werden - entscheidend ist, das endlich einmal auch die vielen investoren (banken, investmenthäuser, Versicherungen, etc.) zur Kasse gebeten werden, auch um den Preis ihrer insolvenz. Es muß endlich begonnen werden, diejenigen zahlen zu lassen, die sich für diese Risiken entschieden haben - und nicht immer nur den Steuerzahler, der nie auf die idee käme.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%