Europäische Zentralbank
EZB konkretisiert Pfandbriefpläne

Die Europäische Zentralbank wird den Banken Pfandbriefe und ihnen ähnliche Covered Bonds von Banken aus dem Euro-Raum mit Laufzeiten von maximal fünf Jahren abkaufen. Noch Anfang Juni hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Laufzeiten von drei bis zehn Jahren in Aussicht gestellt. Weitere Zinssenkungen sind nicht geplant.

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Banken Pfandbriefe und ihnen ähnliche Covered Bonds von Banken aus dem Euro-Raum mit Laufzeiten von maximal fünf Jahren abkaufen. Das sagte Österreichs Notenbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das ist überraschend, denn EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Anfang Juni Laufzeiten von drei bis zehn Jahren in Aussicht gestellt.

Insgesamt will die EZB in den kommenden zwölf Monaten ab Juli Covered Bonds über insgesamt 60 Mrd. Euro kaufen. Damit will sie diese als wichtiges Refinanzierungsinstrument für die Banken wiederbeleben. Über die mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckten Anleihen können sich Banken günstiger Geld beschaffen als über ungedeckte Anleihen. Im Zuge der Finanzkrise sind aber auch die Risikoprämien für Covered Bonds gestiegen, und Banken konnten lange Zeit nur wenige große Covered Bonds platzieren. Dies hat sich seit Mai geändert. Damals kündigte die EZB die Käufe an, die sie im Juni konkretisierte.

Laut Nowotny wird die EZB die Covered Bonds, die sie kauft, in der Regel bis zur Fälligkeit halten. Das ist für Analyst Florian Eichert von der Landesbank Württemberg der Grund dafür, dass die EZB die Laufzeiten auf fünf Jahre beschränkt. Emittenten hätten sich nach Einschätzung von Eichert gewünscht, dass die EZB ihnen auch Papiere mit längeren Laufzeiten abkauft. Für den Markt sei die Entscheidung aber sehr positiv, weil so kein Druck durch spätere Verkäufe der Notenbank aufkomme.

Den Großteil der Covered Bonds werden nach Aussagen von Nowotny die nationalen Notenbanken im Euro-Raum kaufen. Nur eine kleine Quote werde auf die EZB selbst entfallen. Trotz der Präzisierungen sind noch viele Fragen offen. Zu klären ist, wie die 60 Mrd. Euro mit Blick auf die verschiedenen Ländern, die Deckungsarten Hypotheken und Staatskredite sowie Primärmarkt und Handel aufgeteilt werden. Offen ist zudem, ob die EZB die Käufe gleichmäßig über die kommenden zwölf Monate verteilt. Und ob die Notenbank mitteilt, welche Papiere sie in welchem Volumen gekauft hat, steht auch noch nicht fest.

Mit Blick auf die weitere Zinspolitik der EZB sagte Nowotny, dass die Zinsen voraussichtlich in diesem Jahr konstant bleiben werden. Die EZB werde ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Euro-Raum nicht deutlich ändern und von daher sehe er "keine Wahrscheinlichkeit" dafür, dass sich die Leitzinsen ändern würden, betonte Nowotny. Der Österreicher gilt tendenziell als Befürworter von niedrigen Zinsen.

EZB-Präsident Trichet hatte im Mai und Juni noch betont, dass weitere Zinsentscheidungen von der künftigen Entwicklung der Wirtschafts- und Finanzmärkte abhängen. Die Währungshüter haben den Schlüsselzins im Euro-Raum von Oktober 2008 bis Mai 2009 in mehreren Schritten von 4,25 Prozent auf das aktuelle Rekordniedrige Niveau von einem Prozent gesenkt. cü

Covered Bonds

Prinzip

Covered Bond ist der Oberbegriff für Anleihen von Banken, deren Zins- und Tilgungszahlungen mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckt sind. Die Besitzer von Covered Bonds bekommen ihr Geld somit auch dann zurück, wenn der Emittent insolvent wird. Vorbild für Covered Bonds, die es in ganz Europa, Kanada und den USA gibt, ist der deutsche Pfandbrief.

Markt

Insgesamt stehen allein in Europa Covered Bonds über 1 500 Mrd. Euro aus. Gut die Hälfte davon sind Pfandbriefe.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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