Europas Schuldenkrise
IWF will verschuldete Staaten stützen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) verspricht Hilfe für verschuldete Staaten in Europa. Im Falle Griechenlands gibt sich der IWF zuversichtlich. Das sehen Ratingagenturen völlig anders.
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WashingtonDer Internationale Währungsfonds will verschuldete Staaten in Europa weiterhin unterstützen. IWF-Vizechef John Lipsky sagte in einem Interview mit Reuters Insider am Montag, man sei bereit, gemeinsam mit den Partnern in Europa den Ländern nach einer Einzelfallprüfung zu helfen. Im Hinblick auf den geplanten dauerhaften Rettungsschirm für Euroländer sagte Lipsky, die Märkte, Investoren und Bürger erwarteten konkrete Fortschritte. „Wir werden uns die Einzelheiten anschauen müssen.“ Die 17 Eurostaaten wollen sich am Freitag in Brüssel treffen. Dabei geht es um einen Pakt für mehr Wettbewerbsfähigkeit, um die Gemeinschaftswährung zu schützen.

Ende März folgt ein EU-Gipfel mit weiteren Beschlüssen zur Gesamtstrategie gegen die Krise. Dazu gehört die Verstärkung des befristeten Euro-Rettungsfonds EFSF und der dauerhafte Krisenmechanismus ESM ab 2013.

Im Falle Griechenlands gab sich der IWF optimistisch. Anders als die Bonitätsprüfer von Moody's äußerte sich IWF-Direktor Antonio Borges am Montag zuversichtlich, dass das krisengeschüttelte Euro-Land seinen immensen Schuldenberg bewältigen kann.

Das Hilfsprogramm von Europäischer Union und IWF in Höhe von 110 Milliarden Euro werde erfolgreich sein, sagte er vor Journalisten am Rande einer Veranstaltung. Griechenland muss sich im Gegenzug zu harten Sparmaßnahmen verpflichten. Sie reichen von Steuererhöhungen bis hin zu Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst.

Die Ratingagentur Moody's dagegen befürchtet ein Scheitern des Sparprogramms. Sie hegt große Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands und senkte deshalb ihre Bonitätsnote für das hoch verschuldete Euro-Land gleich um drei Stufen von Ba1 auf B1. Mit der schlechteren Bonitätsnote wird es für Griechenland noch schwieriger, sich aus dem Schuldensumpf zu ziehen. Je schlechter die Kreditwürdigkeit und je größer damit das Ausfallrisiko eingestuft wird, desto höhere Zinsen verlangen Investoren im Gegenzug für ihr Geld. Der Zinsabstand für zehnjährige griechische Staatsanleihen gegenüber der deutschen Bundesanleihe erhöhte sich nach der Moody's-Entscheidung um acht Basispunkte auf 9,13 Prozent. Auch Kreditausfallversicherungen für fünfjährige Anleihen wurden teurer - nicht nur für griechische Papiere, sondern auch für Bonds aus anderen hoch verschuldeten Euro-Ländern wie Portugal und Spanien.

IWF-Vertreter Borges warb dagegen für mehr Geduld. „Das sind keine Programme, die in wenigen Monaten Wunder vollbringen“, sagte er. „Deswegen sind wir an dem Punkt, wo die wirtschaftlichen Folgen schwieriger zu akzeptieren sind und die Leute skeptischer werden.“ Die griechischen Sanierungspläne seien aber langfristig ausgerichtet. „Wir sind weiter überzeugt von dem, was in Griechenland geschieht“, betonte Borges.

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  • Realos wie Du können dem wunderschönen Land fernbleiben, und den Platz für andere freimachen. Es gibt genug Deutschen mit gesundem Verstand die hinterhältige Kommentare wie Deins verstehen können!

    Was die Steuermoral angeht: ich bin z.Z. wieder geschäftlich in Athen und muss zugeben, es ist unglaublich wie sehr sich diese Mentalität seit letzem Jahr verändert hat: Ob Taxi, Bäcker, Restaurant, Tankstelle uvm. man bekommt fast überall inzwischen unaufgefordert! seine legale mit ausgewiesener SteuerNr. Quittung.
    Das war letzten Sommer noch anders. Ich musste selber dem Restaurant Besitzer mit SDOE (Finanzpolizei) drohen, damit er mir eine richtige Quittung gibt.
    Und das weil die meisten Griechen inzwischen kapiert haben, dass sie selber die Steuern die dem Staat entgehen von manchen "Steuersünder", doppel zahlen müssen und sie verarscht werden wenn sie keine richtige Quittung bekommen.

    Es dauert noch, aber die meisten Hellenen wissen ganz genau dass die grosse Umstellungen und die leidige Einschnitte notwendig sind, sind aber empört und verärgert darüber, dass diese insbesondere in Deutschland (übrigens mit über 80% Anteil der griechischen Industriegüter-Importe) nicht anerkannt werden und dagegen ausgelacht & beschimpft werden.
    Gute Nacht Europa.

  • Und warum fahrt ihr alle noch nach Griechenland und bringt das Geld dorthin, zu Leuten, die kaum Steuern zahlen wollen (am Fiskus vorbei und dies noch den Touristen lachend ins Gesicht sagen. Erst wenn die mal merken, dass keiner mehr kommt und der Umsatz wegbricht, werden sie anständig ihre Steuern zahlen, von denen letztlich der Staat seine Ausgaben bestreitet. Also jeder der noch sein privates Geld hinträgt, hat es nicht anders verdient. Es gibt wohl genug Auswahl in den Urlaubskatalogen, um nicht noch diejenigen zu unterstützen, die es auf Kosten anderer krachen lassen.

  • Der IWF ist nichts anderes als die verlängerte Werkbank der internationalen Grossbanken. Die wollen kein Risiko tragen, sondern erst den Kunden (z.B. Griechenland) und anschliessend auch noch den Steuerzahler ausplündern.
    Pfui Daibel !

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