Evan Moskovit im Interview: „Die Risikoprämien sind auf Rezessionsniveau“

Evan Moskovit im Interview
„Die Risikoprämien sind auf Rezessionsniveau“

Der Einbruch an den Aktienmärkten lässt auch Fondsmanager für Unternehmensanleihen nicht kalt. Evan Moskovit von NN Investment Partners erklärt, warum er für Anleihen von Unternehmen trotzdem optimistisch ist.

FrankfurtEvan Moskovit ist seit 20 Jahren an den Anleihemärkten unterwegs, aber so ganz kann auch er sich die aktuelle Verunsicherung der Investoren nicht erklären. Trotzdem zeigt er sich im Gespräch mit dem Handelsblatt mit Blick auf Unternehmensanleihen recht optimistisch.

Herr Moskovit, die Märkte sind so schlecht in das Jahr gestartet wie lange nicht. Warum?

Die Risikoaversion ist extrem gestiegen. Investoren zweifeln an der Stärke der US-Wirtschaft, an der Wirksamkeit der Zentralbankpolitik in Europa und den USA und am Wirtschaftswachstum in China. Dazu sorgen die fallenden Öl- und die Rohstoffpreise für Unsicherheit. Außerdem verunsichern die zunehmenden geopolitischen Spannungen und der Terrorismus.

Aber all diese Probleme waren doch auch schon Ende letzten Jahres bekannt, warum jetzt die Nervosität?

Ende des Jahres waren die Märkte tatsächlich noch hoffnungsvoller, es gab zwar Unsicherheiten, aber die waren noch nicht ins Bewusstsein der Anleger vorgedrungen. Letztlich hat sich in der Tat wenig geändert aber die Marktteilnehmer sind nun etwas besorgter, wobei es dafür keinen konkreten Auslöser gab.

Macht Ihnen die Lage Angst?
(lacht) Nein, dafür bin ich zu lange im Geschäft. Ich bin zwar nicht glücklich, aber auch nicht ängstlich, wenn ich mir die Märkte ansehe - obwohl ich mir natürlich auch Sorgen mache und genau nach negativen Rückkopplungen Ausschau halte. Aktienmärkte und risikobehaftete Vermögenswerte haben sich allgemein an die nach unten korrigierten Wachstumserwartungen und die erhöhten Sorgen um die Notenbanken und Emerging Markets angepasst.

Woran machen Sie das in Ihrem Fachgebiet - den Unternehmensanleihen guter Bonität - fest?
Die Risikoaufschläge sind vor allem in den USA zwar deutlich gestiegen. In den USA rentieren rentieren die Anleihen von Unternehmen guter Bonität im Schnitt um um die 200 Basispunkte, also zwei Prozentpunkte über denen von US-Staatsanleihen. Das ist schon Rezessionsniveau, und so hoch waren die Aufschläge zuletzt im Sommer 2012. Dazu kommt, die gesunkene Liquidität an den Anleihemärkten. Unternehmensanleihen lassen sich aufgrund von Regulierungsauflagen schlechter handeln als früher. Das verstärkt die Kursbewegungen gerade bei einzelnen Anleihen.

Die Renditen von Unternehmensanleihen mit guter Bonität - also Investment-Grade-Ratings - sind aber zumindest im Schnitt immer noch niedrig. Im Schnitt liegen sie in Europa bei 1,4 und in den USA bei 3,6 Prozent. Das ist deutlich höher als vor einem Jahr, aber: Seit Jahresbeginn sind die Renditen sogar leicht gesunken.

Das stimmt. Aktuell sind die Renditeniveaus eher mager im Vergleich zum Jahresende 2015. Denn: Obwohl die Risikoprämien der Unternehmensanleihen gestiegen sind, hat die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen die Renditen auch für Unternehmensanleihen niedrig gehalten.

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Erträge zwischen zwei und dreieinhalb Prozent sind drin

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