Experten bezeichnen die Bondmärkteals „überverkauft“
Die Anleiherenditen fallen wieder zurück

Der Zinsanstieg an den Anleihemärkten ist gestoppt. Nach wie vor besteht am Markt jedoch die Furcht vor weltweiten Leitzinsanhebungen. So rechnen die Experten von Baring Asset Management nicht nur mit einem Anstieg der US-Leitzinsen auf 4,5 Prozent, sondern auch mit höheren Leitzinsen im Euro- und Yen-Raum. Am Eurobondmarkt mussten die Investoren mit einigen gegenläufigen Bestimmungsfaktoren fertig werden.

HB FRANKFURT/M. Auf der einen Seite standen neue Warnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor Inflationsgefahren, während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) andererseits das Risiko einer sich deutlich abschwächenden deutschen Konjunktur zeichnete. Der zuletzt schwache Dezember-Bund-Future wurde um zehn Basispunkte höher ermittelt, so dass die Rendite zehnjähriger Euro-Staatsanleihen vom zuvor erreichten Siebenmonatshoch von 3,54 Prozent auf 3,52 Prozent abrutschte. „Der Bondmarkt ist überverkauft“, begründete Ulrich Wortberg vom Helaba Trust die Stabilisierung der Eurobond-Kurse.

Bundesbankpräsident Axel Weber und EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatten zuletzt vor Inflationsrisiken gewarnt und erklärt, diesen Risiken gegebenenfalls mit Zinserhöhungen zu begegnen. Der jüngste Monatsbericht der EZB bestätigte diese Äußerungen im Kern. Zinsoptimisten sahen einen Hoffnungsschimmer darin, dass die Verbraucherpreise in Frankreich im Oktober mit einer Jahresrate von 2,0 Prozent gestiegen sind, während die Erwartungen bei 2,1 Prozent lagen.

Der Blick nach England bot Bondhändlern in Europa keine neuen Anhaltspunkte; denn die Bank of England beließ die Leitzinsen auf unverändertem Niveau. Der britische Notenbank-Gouverneur Mervyn King hatte zuvor Forderungen nach einer Leitzinssenkung eine Absage erteilt und dies mit dem Hinweis begründet, dass das Ziel der Notenbank allein in der Preisstabilität liege.

US-Bonds hatten an den Vortagen unter der enttäuschenden Resonanz auf die Refinanzierungsaktion des Schatzamtes bei der Versteigerung drei- und fünfjähriger Staatspapiere gelitten. Gestern jedoch regte sich starkes Interesse ausländischer Investoren bei der Versteigerung zehnjähriger Treasuries im Umfang von 13 Mrd. Dollar. Diese Investoren halten rund die Hälfte der staatlichen US-Schuldtitel und sind deshalb besonders wichtig.

Starken Einfluss auf die Stimmung hatten das stärker als erwartet ausgefallene US-Handelsbilanzdefizit sowie andere Konjunkturdaten, die ein unterschiedliches Bild der US-Wirtschaft boten. So rentierten zehnjährige Treasuries bei 4,58 (nach 4,65 am Vortag) Prozent. Fed-Gouverneur William Poole hatte zuletzt den geldpolitischen Standpunkt der Fed bekräftigt und erklärt, sie müsse gegen steigende Inflationsgefahren vorgehen. „Weitere Leitzinserhöhungen in den USA dürften folgen“, sagte Jens Eisenschmidt von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Am Pfandbriefmarkt begab Essen Hyp einen öffentlichen Jumbo-Pfandbrief über 1,5 Mrd. Euro. Dafür gab es Kaufaufträge über 1,8 Mrd. Euro. „Der Markt hat mit der ersten deutschen Jumbo-Emission nach der Krise um die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) eine Feuerprobe bestanden“, sagte Günter Pless von der Essen Hyp. Für AHBR-Jumbos haben Banken seit über zwei Wochen das verpflichtende Interbanken Market Making eingestellt. Es habe zwar Fragen nach dem Market Making gegeben, aber offensichtlich vertrauten Anleger dem Markt weiter, sagte Pless.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%